Lawinentote im Wallis

28. April 2019 15:58; Akt: 28.04.2019 16:53 Print

«Vor dem Unglück gab es halben Meter Neuschnee»

von B. Zanni - Beim Unglück im Wallis herrschte Gefahrenstufe 3. Laut Lawinenwarner Kurt Winkler passieren auf dieser Stufe die meisten Unfälle.

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Auch jetzt im Frühling sei die Lawinengefahr noch nicht gebannt, sagt Kurt Winkler, Lawinenwarner beim Lawinenforschungsinstitut SLF in Davos. «Sogar im Sommer besteht nach grossem Schneefall Lawinengefahr.» «In Teilen der Schweiz gab es kürzlich gewaltige Mengen an Neuschnee», sagt Winkler. Ein 31-jähriger Snowboarder wird in Davos von einer Lawine verschüttet. Er verstirbt einen Tag später im Spital. Ein 56-jähriger Skitourenfahrer wird in Flumserberg SG von einer Lawine verschüttet und verstirbt daraufhin im Spital. Im Gebiet Hoch Fulen / Griesstal / Rot Grat geht eine Lawine nieder, die zwei Personen erfasst. Eine 43-jährige Frau erliegt wenige Tage später ihren Verletzungen. (Symbolbild) Ein 27-jähriger Slowake kommt im Gebiet Val d'Es-cha im Kanton Graubünden unter eine Lawine. Er kann wegen der Lawinengefahr erst drei Tage später tot geborgen werden. Im Skigebiet «Croset» werden zwei Patrouilleure von einer Lawine erfasst. Ein 24-jähriger Schweizer kann trotz sofort eingeleiteter Rettung nur tot geborgen werden. In der Region Nendaz VS kommt eine 20-jährige Schwedin ums Leben. Eine Lawine hatte eine Gruppe von Skifahrern, mit der sie unterwegs war, erfasst. Ein 55-jähriger Wanderer stirbt an den Folgen der Verletzungen, die er sich nach einem Lawinenniedergang in den Freiburger Voralpen zugezogen hatte. Bei einem Lawinenniedergang in der Region Château-d'Oex VD werden sieben Skiwanderer erfasst. Ein 39-jähriger Franzose stirbt. Ein Paar wird auf einer Skitour im Berner Oberland von einer Lawine verschüttet. Drittpersonen können die Frau retten, der Mann stirbt in den Schneemassen. Ein 59-jähriger Schneeschuhwanderer stirbt im Kanton Freiburg nach einem Lawinenabgang. Er war alleine im Gebiet unterwegs. Am Niesen im Berner Oberland geht eine Lawine nieder. Ein 27-jähriger Mann aus dem Kanton Bern wird geborgen, stirbt aber wenige Stunden später im Spital. Ein 52-jähriger Mann löst auf dem Berg Märe in der Gemeinde Plaffeien FR eine Lawine aus, die ihn 600 Meter in die Tiefe reisst. Er stirbt kurz nach seiner Bergung im Spital. Eine Lawine geht auf eine Skipiste im Skigebiet Crans-Montana nieder. Ein 34-jähriger Pisten-Patrouilleur der lokalen Bergbahnen wird verschüttet und stirbt. Ein 60-jähriger Walliser stirbt im Gebiet «Vordere Grindjelwald». Er wird von Rettungskräften tot im Bachbett der Turtmänna gefunden. Dort ging zuvor eine Lawine nieder. Vier Skitourengänger werden in Malaluy VS von einer Lawine erfasst, ein 37-jähriger Waadtländer verstirbt dabei. Eine Gruppe von Skitourengängern aus Deutschland gerät am 26. April in Fieschertal VS in eine Lawine. Die vier Verschütteten können einen Tag später nur noch tot geborgen werden. (Archiv) Die deutschen Staatsangehörigen waren von der ... ... Finsteraarhornhütte aus aufgebrochen. Ihr Ziel war die ... ... Konkordia Hütte. Die Lawine ging in der Grünhornlücke nieder. Wie ein Retter erzählt, wurden die Personen von der Lawine überrollt. Sie hatten keine Chance. Das Bild zeigt den Aletschgletscher oberhalb von Fieschertal. (Archiv)

Zum Thema
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Herr Winkler, am Freitag wurden im Gebiet der Grünhornlücke in der Gemeinde Fieschertal vier Skitourengänger von einer Lawine verschüttet. Wie gross ist die Lawinengefahr jetzt, Ende April, noch?
Auch jetzt im Frühling ist die Lawinengefahr noch nicht gebannt. Sogar im Sommer besteht nach grossem Schneefall Lawinengefahr. Die Lawinengefahr ist nicht an die Jahreszeit, sondern an die Wetterereignisse gekoppelt.

Umfrage
Sind Sie ausserhalb der markierten Piste unterwegs?

Was bedeutet das für die aktuelle Situation?
In Teilen der Schweiz gab es kürzlich gewaltige Mengen an Neuschnee. Im Süden fielen letzte Woche ein bis zwei Meter Neuschnee, im Norden gebietsweise ein Meter. Im Gebiet des Unglücks gab es einen halben Meter Neuschnee. Da ist es nicht überraschend, dass sich Lawinen lösen. Letzte Woche gingen in der Schweiz sicher hunderte Lawinen nieder, jedoch in Geländen, in denen keine Menschen unterwegs waren.

Wie waren die Lawinenverhältnisse zur Zeit des Unfalls an der Grünhornlücke?
In diesem Gebiet herrschte am Freitag zwar «nur» erhebliche Lawinengefahr, Gefahrenstufe drei. Die höchste Gefahrenstufe ist Stufe fünf. Doch auf Stufe drei passieren die meisten Unfälle.

Warum?
Die Situation ist kritisch, verlangt Erfahrung sowie Vorsicht, ist aber doch nicht so schlimm ist, dass man gar keine Skitouren mehr machen könnte.

Wie gross ist die Lawinengefahr in den nächsten Tagen?
Wir publizieren jeden Abend einen neuen Lawinenbericht. Daher kann ich nur für den heutigen Sonntag sprechen. In den Haslitälern bis zum Meiental gilt heute Warnstufe vier. Wichtig ist, dass sich Skitourengänger immer über die aktuelle Situation informieren. Einen guten Überblick gibt unser Lawinenbulletin. Wer sich für eine Tour ausserhalb des gesicherten Geländes entschieden hat, sollte zudem eine Notfallausrüstung dabei haben, falls doch etwas passiert.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ziggo am 28.04.2019 16:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lebensmüden

    Wer bei solchen Bedingungen eine Bergtour unternimmt spielt mit dem Lebe!

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  • Wanderer am 28.04.2019 16:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spät dran ?

    Ich frage mich, weshalb die Gruppe gem. Bericht erst um 9 Uhr abmarschierte.

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  • simone am 28.04.2019 16:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unverständlich

    mein Mitleid hält sich in Grenzen. Man weiß es doch, oder was denkt man? Nicht mal im gesicherten Gebiet ist man völlig sicher. Ich verstehe diese Leute nicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Cengalo am 29.04.2019 18:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alpinismus ohne Risiko gibt es nicht !

    Eher penibel was für Kommentare diese "Experten" z.T. verfassen. Simple Frage: Wer von euch ist Alpinist ? Wer von euch kennt die fragliche Route und hat diese auch schon begangen ? Alpinismus ist eine Passion. Alpinismus ist nicht ohne Risiko. Fazit: die Passion für die Berge kann sich mit dem Restrisiko arrangieren. Vollkasko Mentalität hat dort keinen Platz. Der Nicht-Alpinist wird meinem Kommentar kaum verstehen. Trotzdem, den Hinterbliebenen wünsche ich viel Kraft.

  • Peter am 29.04.2019 17:41 Report Diesen Beitrag melden

    Bei "erheblich" ist es sehr schwierig!

    Ich bin seit Jahren auf Skitouren unterwegs, war beim Armeelawinendienst, hab Erfahrung. Die Stufe "3 - erheblich", ist für Freerider und Tourenfahrer die eigentlich gefährlichste. Bei Stufe "Gross" und "sehr gross" ist kaum jemand auf Tour unterwegs. Diesen Pass habe ich auf Ski öfters, auch im Nebel, überquert. Nach der Höhenangabe lagen die Opfer kurz unterhalb des Passes. Der Hang hat weniger als 30 Grad. Doch im Nebel, Schneefall ist man schnell in Flanken, wo auch Fernauslösung droht. Erfahrung ist nicht einfach viel unterwegs zu sein. Schwierig ist Lawinengefahr im Gelände zu "spüren"!

  • fischli am 29.04.2019 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    Nur erfahrene Tourengänger

    Die Lawine war etwas unerfahren.

  • Lupiuisina am 29.04.2019 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    War es der Wolf?

    Wahrscheinlich wieder der Wolf der die Lawine ausgelöst hat oder eben ein Wilderer Immer das Gleiche in diesem Kanton

  • Aschi am 29.04.2019 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    Abwägen.......

    Die "Tourengänger galten als sehr erfahren", das lese ich immer wieder - aber war des Gehirn eingeschaltet? Unter diesen Bedingungen gilt "Stopp", auch wenn man von weit her angereist ist. Wertvoller als eine schöne Tour ist immer noch das Leben!