Wohnrauminitiative

27. Dezember 2019 04:53; Akt: 27.12.2019 04:53 Print

«Bei jedem Wechsel steigen die Mieten»

Eine klare Mehrheit unterstützt laut der 1. Tamedia-Umfrage die Initiative für mehr Genossenschaftswohnungen. Die Gegner lassen sich davon nicht beeindrucken.

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Die Initiative «Mehr bezahlbare Wohnungen» des Mieterverbandes trifft einen Nerv: Derzeit sprechen sich 63 Prozent der Stimmberechtigten für die Initiative aus, nur 32 Prozent wollen sie am 9. Februar ablehnen. Die Vorlage verlangt unter anderem, dass künftig mindestens 10 Prozent der neu gebauten Wohnungen gemeinnützigen Stiftungen, Wohnbaugenossenschaften oder Vereinen gehören.

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Für eine Mehrheit der Befürworter ist das wichtigste Argument für ihre Zustimmung, dass Wohnen ein Grundbedürfnis sei, das bezahlbar sein müsse. Die Initiative setze nur um, was bereits in der Verfassung stehe. Das Hauptargument für die Gegner ist dagegen ein ordnungspolitisches: Der Bund solle nicht in die Marktwirtschaft eingreifen.

«Bei jedem Wechsel steigen die Mieten»

Die Wohnrauminitiative erhält starke Unterstützung von linken Wählern. Je 89 Prozent der Grünen- und SP-Anhänger stimmen der Initiative derzeit zu. Während die SVP-Wählerschaft gespalten ist, lehnen einzig die FDP-Anhänger die Vorlage mehrheitlich ab.

Wenig überraschend ist die Unterstützung in den urbanen Gebieten besonders gross: 72 Prozent der Städter wollen momentan ein Ja auf den Stimmzettel schreiben. Zum Vergleich: Auf dem Land und in der Agglomeration sind es je nur rund 60 Prozent der Stimmberechtigten.

«Zu planwirtschaftlich»

SP-Nationalrat und Mieterverbands-Präsident Carlo Sommaruga spornt das Ergebnis an: «Immer wenn es zu einem Mieterwechsel kommt, steigt der Mietzins – obwohl uns Bundesrat Guy Parmelin und die Immobilienlobby etwas anderes erzählen wollen.» Das merkten die Leute. Er steige deshalb zuversichtlich in den Abstimmungskampf. «Wir wollen einen Teil des Angebots vom Markt entkoppeln.»

Die Umfrage zeige weiter, dass Frauen die Initiative stärker unterstützen als Männer. Sommaruga erklärt das damit, dass die Frauen vielleicht noch immer stärker auf das Haushaltsbudget schauten als die Männer.

Lorenz Hess, BDP-Nationalrat und Co-Präsident des Nein-Komitees, ist wegen der Umfrage noch nicht nervös: «Es ist ein hoher Ja-Wert, das ist unbestritten. Die Erfahrung zeigt aber, dass Initiativen, die gut klingen, an Zustimmung verlieren, sobald die Kampagne losgeht und über Inhalte diskutiert wird.» Hess sagt, die Initiative sei zu radikal und zu planwirtschaftlich. «Es besteht die Gefahr, dass der Markt so verfälscht wird, dass der Schuss gegen hinten losgeht.»

Mehrheit für Diskriminierungsverbot

Zur Abstimmung kommt am 9. Februar auch das Verbot der Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung, nachdem unter anderem die Junge SVP und die Eidgenössisch-Demokratische Union EDU das Referendum ergriffen haben. Der Vorlage stimmen momentan 65 Prozent zu, 32 Prozent lehnen sie ab. 3 Prozent machten keine Angaben zu ihren Stimmabsichten.

Das wichtigste Argument für die Befürworter ist klar: Niemand dürfe aufgrund seiner sexuellen Orientierung diskriminiert werden. Viele Nein-Stimmende sehen dagegen die Meinungsfreiheit in Gefahr oder sie sind der Meinung, dass Minderheiten schon heute gleichgestellt seien.


Die Umfrage

11'164 Personen aus der ganzen Schweiz haben vom 19. bis am 21. Dezember online an der ersten Welle der Tamedia-Abstimmungsumfrage teilgenommen. Die Befragungen werden in Zusammenarbeit mit LeeWas durchgeführt. LeeWas modelliert die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,6 Prozentpunkten. Weitere Informationen gibts hier.


(daw)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

der schuss wird nach hinten los gehen weil der mietzins von allen anderen whgs im verhältbis erst recht steigen wird. es wird eine umverteilung stattfinden und die mittelschicht wirds dann erst recht treffen da zudem nicht jeder von der mittelschicht den anforderungen von bs genossenschaftswhg erfüllt. es jammert die mittelschicht aber genau die wird niimcht von der initiative profitieren. – lola

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Petra am 27.12.2019 07:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fällt mir keiner ein

    Da geht es wieder um soviel Geld und um so viele Menschen, die nicht wissen wie es ist, wenn Krankenkasse und Miete 70 % des Einkommens fressen. Hier wird nie für die Armen etwas passieren. Passiert ja auch nichts bei den Ahv Bezügler. Es geht immer um die Reichen hier in diesem Land. Um Reiche, noch Reichere und wir alle haben ja lt. Statistik eine halbe Million auf der kante.

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  • Pesta Lozzi am 27.12.2019 05:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War schon immer so.

    Bei Annahme der Initiative wird sich dann bald zeigen, dass nicht Schweizer in den Genuss dieser günstigen Wohnungen kommen.

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  • Lily Gruber am 27.12.2019 07:07 Report Diesen Beitrag melden

    grenznahe Deutschland floriert dank CH..

    mit horrenden Preisen hier es ist nicht mehr erstaunlich dass immer mehr Schweizer können sich eine Wohnung in CH gar nicht mehr leisten, zügeln öfters in grenznahe Deutschland und sparen dabei rund 50% mit Miete, KK etc. Rentner sparen ebenfalls mit den Steuern...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bernd am 28.12.2019 15:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich arbeite in Zermatt

    Muss 5 Uhr am Arbeitsplats sein. Kleine 3Zr Wohnung 3600.- Strom kommt noch dazu. Ich vermiete ein Zimmer auf Airnb, habe über die Festtage 80 Anfragen, das alles schaff ich nicht mehr.

  • Magal am 28.12.2019 14:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Raffgier

    Das nervt total, diese Gier. Die wollen immer mehr und mehr! Irgendwann leben wir alle im Slums..

  • Renato Wyss am 28.12.2019 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    Logische Konsequenz.

    Es ist wie überall im Leben, Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis! In den Pampas findet man bestimmt das eine oder andere Schnäppchen.

  • BigBen am 28.12.2019 12:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Einseitig!

    Ohr wollt das Wohnungen bei Miterwechsel nicht teurer werden, dann verlange ich von euch das ihr bei Job wechsel auch nicht mehr Lohn erhält als am alten Arbeitsort!

    • Magal am 28.12.2019 14:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @BigBen

      Man sollte nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Glaube kaum das man so viel mehr Lohn erhält bei einen Stellenwechsel. Aber bitte wenn sie gerne immer mehr bezahlen wollen für alles..Nur zu.. Dann scheint es ihnen ja (noch) gut zu gehen.

    • Pumpi am 28.12.2019 14:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @BigBen

      Wird die Wohnung nicht saniert beim Wechsel, müssen Vermieter schon heute begründen und belegen, weshalb die Miete teurer sein sollte für den nächsten Mieter. Der Vermieter kann dann die Wohnung nur teurer vermieten wenn der Nachmieter damit einverstanden ist. Jeder muss selbst für sein Recht kämpfen. Über 30-jährige Wohnungen werden eher günstiger, wenn nicht laufend saniert und renoviert wurde. Wer kein Geld in die Immobilie steckt, der hat es schwer teurere Mieten zu verlangen. Sind im März umgezogen, unsere Nachmieter haben einen Mietvertrag für Fr 100.- weniger + sind sofort eingezogen.

    • Hoch dem Neoliberalismus am 28.12.2019 15:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @BigBen

      Die Wohnungen waren schon immer zu teuer. Löhne von jungen Leuten zu Beginn heutzutage aber vielfach mickrig. Da werden wieder Äpfel mit Birnen verglichen. Es mögen doch die Reichen immer reicher werden, das nützt wenigstens 2% der Bevölkerung. Die anderen 98% werden verar...

    • Konrad am 28.12.2019 17:07 Report Diesen Beitrag melden

      Das ist die freie Marktwirtschaft

      Sofern es gerechtfertigt ist. Aber an den Wohnungen ändert sich oft nichts. Ausser dass sie älter werden. Bei den Mitarbeitenden kann es schon sein, aufgrund der Erfahrung, Weiterbildung, usw. Fast so, wie man bei der Wohnung ein modernes Bad installiert.

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  • Leni am 28.12.2019 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tönt gut, Genossen_schaft

    Im schönen Luzern an der Himmelrichstrasse hat es tolle Genossenschaftswohnungen. Sie kosten aber auch um die 3 Mille und mehr monatlich.

    • Malta am 28.12.2019 19:33 Report Diesen Beitrag melden

      Pro Genossenschaft

      Genossenschaftswohnungen Kosten nicht 3000 Franken im Monat Miete das ist ja auch kein rentide Mietobjekt sondern eine Genossenschaft ist ein Zusammenschluss aus Mietinteressenten und nicht wie bei Privaten Vermieter und Mieter das ist ein wesentlicher Unterschied zwischen Genossenschaft und Rentite Objekte.

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