Edel-Prostituierte Salomé Balthus

05. Dezember 2019 15:57; Akt: 05.12.2019 18:05 Print

«Beim Dinner-Date wirkte er angespannt»

von B. Zanni - Die Edelprostituierte Salomé Balthus wirft der «Weltwoche» vor, ein Date für einen Artikel missbraucht zu haben.

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Frau Balthus, der «Weltwoche»-Journalist Roman Zeller beschreibt in der aktuellen Ausgabe in einem Artikel ein Rendez-vous, das er bei Ihnen gebucht hat. Sie werfen ihm vor, diesen gegen Ihren Willen veröffentlicht zu haben. Warum?
Die «Weltwoche» hat mich immer wieder um ein Interview gebeten. Ich lehnte stets ab, weil ich mit einer solch rechten Zeitung nicht zusammenarbeiten möchte. Danach meldete sich Roman Zeller bei meiner Agentur als Kunde. Er wollte ein Dinner-Date mit mir buchen. Es verstand sich von selbst, dass er keinen Artikel über das Date veröffentlichen würde.

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Wie offen sind Sie bei einem Date?

Warum vertrauten Sie ihm?
Ich war schon skeptisch. Gleichzeitig hatte ich aber auch keinen Grund, ihn nicht als Kunde zu empfangen. Warum sollte ich einen Menschen schlechter behandeln, weil er beruflich für eine Zeitung tätig ist, die mir nicht passt? Ich hatte nichts gegen Roman Zeller als Menschen.

Es war aber schon auffällig, dass sich ausgerechnet ein Journalist einer Zeitung, die bei Ihnen regelmässig auflief, für Ihre Dienste interessierte.
Ich hättte nicht damit gerechnet, dass ein Journalist für eine Dienstleistung Geld bezahlt, um danach einen Bericht zu veröffentlichen. Zudem ist Herr Zeller ein junger Mann. Das reichte für mich aus. Junge Männer sind neugierig.

Wie empfanden Sie das Date?
Ich fand die ganze Zeit, dass er irgendwie angespannt wirkte, und fragte mich, woran es liegen könnte.

Verhielten Sie sich deshalb anders als bei anderen Kunden?
Ja. Ich nahm mir vor, mich so zu verhalten, als würde unser Gespräch aufgezeichnet. So war ich auf der sicheren Seite. Alles, was veröffentlicht würde, würde mich nicht stören. Aber ich war natürlich nie einverstanden, dass er unser Gespräch derart missbraucht. Normalerweise fragt man nach dem Gespräch doch nach, ob die interviewte Person einverstanden ist. Ich denke, es gibt auch in der Schweiz kein Recht, aus allerlei privaten Gesprächen einen Artikel zu veröffentlichen. Aber ich wurde von ihm nicht einmal über den veröffentlichten Artikel informiert.

Wie erfuhren Sie davon?
Als ich am Mittwochabend meine Mails checkte, sah ich per Zufall auf Google-Alert meinen Namen – und stiess dann auf den Artikel.

Planen Sie rechtliche Schritte gegen den Artikel?
Ich habe noch nie jemanden verklagt. Es ist mir unangenehm, so etwas zu tun. Meine Freunde drängen mich zu einer Klage. Aber ich muss mir überlegen, ob ich mir diesen Stress antun will.


Weltwoche widerspricht

Roger Köppel, Chefredaktor der «Weltwoche» sagte zu Salomé Balthus Aussagen am Donnerstagabend: «Die Weltwoche widerspricht der Darstellung von Frau Balthus. Unser Journalist sagte Frau Balthus, dass das Gespräch journalistisch verwendet werde.»


Das sagt der Presserat

Beim Schweizer Presserat sind laut Geschäftsführerin Ursina Wey bisher keine Beschwerden eingegangen. Zur Kritik am Vorgehen der «Weltwoche» sagt sie: «Massgebend ist, welche Abmachungen zwischen dem Autor und Frau Balthus getroffen wurden.» Da ihr diese nicht bekannt seien, sei eine Einschätzung in diesem konkreten Fall nicht möglich. «Grundsätzlich kann ein Journalist frei entscheiden, über wen er ein Porträt schreiben will.» Er müsse sich jedoch als Journalist zu erkennen geben und deklarieren, dass er ein Interview oder ein Recherchegespräch führe.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Manni59 am 05.12.2019 16:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dinner Date mit Prostituierte

    es wurde ja klar vereinbart das nichts in der Zeitung erscheinen darf . also ist der Journalist nicht korrekt .das ist beschämend er sollte eine Anzeige erhalten und dafür mit einer Busse und Entschädigung bestraft werden .

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  • Kaa73 am 05.12.2019 16:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ....

    Natürlich ist das nich rechtens und alles andere als die feine Art. Aber Hand aufs Herz; so oder ähnlich läuft das im Journalismus häufig und schon lange ab. Verwundert mich also kaum.....

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  • Pirat2222 am 05.12.2019 17:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weg...

    ... mit dem Presse-Ausweis. Wenn die Dame kein Einverständnis zu Veröffentlichung eines Berichtes gegeben hat, dann ist der Abdruck illegal.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Groggi am 07.12.2019 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Medienseminar für Frau Balthus

    Und dazu einen Management-Lehrgang um den Umgang mit "Doppelzüngler" im vornherein zu klären. Oder ein Management-Team wie bei anderweitigen Körper- KünstlerInnen (Artisten) welches den Dinner-Part beim Apero ein Papier unterzeichnen lässt und die Grenzen der Persönlichkeitsrechte aufzeigt resp. in Erinnerung ruft. Solche "Unfälle" sind problemlos vermeidbar. Wewo hätte keine Story und Frau Balthus keinen Ärger ... Und die Zweitverwerter inkl. Kommentarler dürften ein anderes Thema bevorzugen.

  • Tüpfli am 07.12.2019 08:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nonsens

    Interessanter wäre es zu wissen, wer alles zu ihrem Kundenstsmm zählt. Da würden wir wahrscheinlich aus allen Wolken fallen. So ist die Geschichte aber eher als Nonsens einzustufen.

  • Klar Sicht am 05.12.2019 20:50 Report Diesen Beitrag melden

    Prostituierte

    Ich will nichts, aber auch garnichts mit solchen zu tun haben.

  • Ichbins am 05.12.2019 20:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    einverstanden und dann doch nicht

    wieso weiss hier jeder was genau bei denen abging, wahrscheinlich wollte sie ja genau das erreichen das man über sie spricht.

  • Anatoll S. am 05.12.2019 20:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein "wenig"naiv

    Ich dachte in dem Job ist mit harten Bandagen leben ein alltägliches, professionelles sowie rentables Geschäft. Im Nachhinein zu überlegen ob Klage oder nicht .... was soll das? Professionell wäre ein zweites Date und die Dinge unter vier Augen zu klären. Alles andere ist nur der Ruf nach Aufmerksamkeit. Und bitte, das die Presse so tickt ist spätestens nach Prinzessin Dianas Tod bekannt, da ist die Schweiz keine Ausnahme.