Eis go zieh mit... Andreas Glarner

21. Juni 2016 15:09; Akt: 22.06.2016 00:25 Print

«Bereue sehr, dass meine Ehe in die Brüche ging»

von D. Waldmeier - Andreas Glarner steht wie kein anderer für Provokation und eine knallharte Asylpolitik. Ein Zmittag mit dem SVP-Nationalrat.

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«Ich bin ein politischer Überzeugungstäter», stellt sich SVP-Nationalrat Andreas Glarner (54) auf seiner Website vor. Mit seinem Weltbild eckt der Aargauer immer wieder an. Unlängst provozierte der streitbare Asyl-Hardliner einen Shitstorm, als er in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» sagte, die Schweiz müsse die Südgrenze mit Stacheldraht sichern.

Doch wer ist dieser Mann, der in Bundesbern innert weniger Monate zur Reizfigur und zum Sommaruga-Schreck avancierte und bereits als «neuer Mörgeli» gehandelt wird? Glarner, Igeli-Frisur, kleine, braune Äuglein, gepunktete Krawatte, bestellt im Chez Edy nahe des Bundeshauses einen griechischen Salat und ein stilles Mineral. «Natürlich provoziere ich gern. Ich bin auch nicht gewählt, um beliebt zu sein», meint er.

Sarrazin als Hörbuch

In die SVP trat der Blocher-Fan in den frühen 90er-Jahren im Zuge der EWR-Abstimmung ein. Es folgte eine klassische Ochsentour: Gemeinderat, Gemeindeammann von Oberwil-Lieli, Grossrat und Fraktionschef, Nationalrat. In der Fraktion hat Glarner bereits eine wichtige Rolle: Er ist zuständig für das Dossier Asyl und Migration.

Der Aargauer besitzt Thilo Sarrazins «Deutschland schafft sich ab» als Buch und als Hörbuch, unterstützt das Burkaverbot. «In der Schweiz ist eine Islamisierung im Gange. Wenn wir uns jetzt nicht wehren, wird Europa in wenigen Jahrzehnten ein ganz anderes Gesicht haben.» Auf ein Plakat für die Grossratswahlen schrieb er schon vor Jahren: «Maria statt Scharia».

Entbehrungsreiche Kindheit

Glarner trat 1986 aus der katholischen Kirche aus – weil «die Kirchenfritzen anfingen, Asylanten in den Gotteshäusern zu beherbergen». Er glaube an Gott, jedoch habe er mit dem Bodenpersonal des lieben Gott extrem Mühe. «Jede Minute stirbt ein Christ auf dieser Welt. Ich bin mir nicht sicher, ob es da schlau ist, wenn die katholische Kirche die Massenmigration von Muslimen unterstützt.»

Richtig hässig wird der Politiker, wenn er, wie in den sozialen Medien häufiger der Fall, in die braune Ecke gestellt wird. Twitterer, die ihn als «Nazi-Schwein» bezeichneten, verklagte er kurzerhand. Seinen Account hat er nun gelöscht, weil ihm die Gehässigkeit der Linken, wohl zum grössten Teil «Staatsbesoldete», zu blöd geworden sei.

Wortkarg ist der Sohn eines gelernten Schreiners, wenn das Thema auf seine Kindheit fällt. «Wir waren vier Kinder, eine Arbeiterfamilie. Ich bin nicht mit dem goldenen Löffel im Mund auf die Welt gekommen.» Aber alles, was nicht toll gewesen sei, habe ihn stark gemacht. Glarner arbeitete sich hoch: Er lernte Ventilationsspengler, machte sich 1991 nach einer Weiterbildung in der Branche selbstständig. 16 Jahre später verkaufte er seine Unternehmen mit rund 17 Mitarbeitern an den Würth-Konzern und wurde Millionär.

Ein Workaholic

Inzwischen hat er eine neue Firma: Auf einer China-Reise sah er Rollstühle und Rollatoren in einem Warenhaus, direkt neben den Velos und Trottinetts. «Da habe ich mich gefragt, wieso man in der Schweiz Rollstühle nicht auch so unkompliziert und günstig vertreibt. Es gab fünf grosse Firmen, die die Kunden gnadenlos abzockten.» Er mische den Markt als Preisbrecher auf, sagt Glarner nicht ohne Stolz.

Zum Ausgleich kocht der zweifache Familienvater gern («Jamie Oliver», «Betty Bossi»), seiner Arbeit und der Politik ordnet er aber alles unter: «Ich bin ein Workaholic.» Glarner lebt in Scheidung: «Es braucht extremes Verständnis vom Partner. Wenn man einfach nie da ist, am Weekend arbeitet, dann leidet etwas.» Er bereue sehr, dass seine Ehe in die Brüche gegangen sei. Doch schliesslich müsse er «die Schweiz retten», meint er scherzhaft.

Seine Art sei auch für seine neue Partnerin, früher Angestellte in seiner Firma, nicht immer einfach. Doch sie unterstütze ihn: «Sie ist SVP durch und durch. Tipptopp.»

«Wir werden den Stacheldraht noch einsetzen»

In die Schlagzeilen geriet auch Oberwil-Lieli, wo Glarner immer noch Gemeindeammann ist. Ende Mai widmete die britische «Daily Mail» dem Aargauer Dorf eine grosse Reportage, weil Glarner lieber eine Entschädigung an den Kanton bezahlt, als Asylbewerber im Dorf aufzunehmen. Persönlich habe er nie schlechte Erfahrungen gemacht mit Asylbewerbern, sagt Glarner, aber sein Dorf setze ein Zeichen gegen Sommarugas verfehlte Asylpolitik. Es sei aber möglich, dass die Gemeinde nächstes Jahr eine syrische Familie aufnehme.

In den kommenden Monaten sieht Glarner «gewaltige Flüchtlingsströme auf uns zukommen». Er warnt vor überbordenden Sozialhilfekosten und schwört auf Hilfe vor Ort: «Mir schiessen Tränen in die Augen, wenn ich Babys im Mittelmeer ertrinken sehe. Verantwortlich dafür sind Politiker wie Frau Merkel, die sagen: Kommet!»

Dann muss er zurück ins Bundeshaus, vorbei an der Nationalbank, die gerade saniert wird. «Sehen Sie, womit die Baustelle gesichert ist? Mit Stacheldraht!» Die Chinesen pflegten zu sagen: «Man muss den Brunnen graben, bevor man Durst hat.» Er sei überzeugt: «Wir werden Stacheldraht noch einsetzen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • huschmie am 21.06.2016 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    Austeilen und einstecken.

    Solange er soviel einstecken kann, wie er austeilt, soll er sagen und schreiben was er will. Mimosen, die sich nur über andere beklagen, mag ich nicht.

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  • Mirka am 21.06.2016 10:13 Report Diesen Beitrag melden

    Ich teile nicht unbedingt seine Ansichte

    n, aber trotzdem meine Hochachtung. Eine eigene Meinung zu haben und diese auch zu vertreten, find ich eine gute Sache.

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  • Big Bang am 21.06.2016 12:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fakten

    Also: Glarner behauptet auf Twitter, 500 Rentner müssten ihre Wohnung wegen Flüchtlingen verlassen. Daraufhin fordern 2 Userinnen Belege für diese Behauptung. Glarner fängt an zu keifen und stellt die beiden Frauen öffentlich bloss. Nachdem er keine Argumente mehr bringen kann, löscht er seinen Account. Und das nennt sich Nationalrat? Beschämend

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Safado Sete am 21.06.2016 22:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    vor der eigenen türe kehren

    "glarner bringt sommaruga zur vernunft." wieso hat dann nicht maurer das ejpd übernommen? er hätte es in der hand gehabt. glarner soll vor der eigenen haustüre kehren oder sonst aber den rand halten!!!

  • jowe am 21.06.2016 15:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..irgendwo trifft man sich..

    bei der " gegen Somaruga-Politik" hat Herr Glarner meine Symphatie. Bin da ganz seiner Meinung.

    • Cartman1993 am 21.06.2016 16:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @jowe

      er macht es sich zu einfach. Die Politik dieses Landes kann man nicht einfach der Exekutive anlasten

    • jowe am 21.06.2016 16:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Cartman1993

      ja, da haben Sie recht. Ich bin mit vielem auch nicht einverstanden. Mich nervt die Somaruga-Politik und da symphatisiere ich mit Herrn Glarner.

    • apollocombat am 21.06.2016 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @jowe

      mich nervt herr glarner...

    • jowe am 21.06.2016 22:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @apollocombat

      ok.. das ist ihr Recht, das zu vertreten. So hat jeder seine Ansichten

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  • Weihnachtsmann am 21.06.2016 14:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieber Andreas

    Du bist nicht der einzige, es sind 60 % der CH Ehen die zerbrechen. Willkommen im Club.

  • flatus maximus am 21.06.2016 14:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glarner

    Bei so viel heisser Luft kommt ihm seine Ausbildung als Lüftungsspengler bestimmt zugute!

  • Sonnenfeld am 21.06.2016 13:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Harmlos

    Im Gegensatz zu Köppel und Co. ist Glarner ein harmloser "Plauderi". Er glaubt tatsächlich an das was er erzählt.

    • Klaus07 am 21.06.2016 15:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sonnenfeld

      Oh, genau das macht mir ja Angst! Er glaubt noch an den Mist!

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