BaZ-Lüge

13. Dezember 2011 17:13; Akt: 13.12.2011 19:30 Print

«Blocher muss als Nationalrat zurücktreten»

von J. Pfister - Stets hat Christoph Blocher betont, nicht an der «Basler Zeitung» beteiligt zu sein. Am Tag nach dem Aktienverkauf an seine Tochter finden selbst SVPler Blochers Kommunikation fragwürdig.

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Seit Montag ist die Katze aus dem Sack: Rahel Blocher ist Eigentümerin der «Basler Zeitung» (BaZ), ihr Vater Christoph Blocher der Strippenzieher und Geldgeber im Hintergrund. Brisant: Der Alt-Bundesrat behauptete während der letzten Monate mehrmals, dass er bei der «Basler Zeitung» in keiner Weise involviert sei. «Ich bin weder direkt, noch indirekt bei der Basler Zeitung beteiligt», sagte Blocher im April dieses Jahres in der Sendung Doppelpunkt auf «Radio 1». Auch gegenüber der «SonntagsZeitung» betonte er einen Monat später, dass er kein Geld für den Kauf der BaZ zur Verfügung gestellt habe. «Ich bin es nicht.» Aber er verstehe, dass die betreffende Person nicht öffentlich hinstehen wolle. «Wenn das ein Unternehmer ist, wird er von morgens bis abend von der linken Medienszene zur Sau gemacht».

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Diese unwahren Dementis sorgen heute selbst bei SVP-Mitgliedern für Kopfschütteln. «Ich verstehe nicht, warum Blocher seine Beteiligung nicht von Anfang an offengelegt hat», sagt der Basler SVP-Nationalrat Sebastian Frehner. Das Geschrei wäre ja sowieso dasselbe gewesen. Seine Parteikollegin Natalie Rickli begrüsst zwar Blochers Engagement aus Sicht der Medienvielfalt, äussert jedoch Kritik an seiner Kommunikationsstrategie: «Er hätte von Anfang an hinstehen und transparent seine Rolle aufzeigen müssen», sagt Rickli. Sein Vorgehen sei verwirrlich gewesen. Für einen anderen SVP-Nationalrat, der anonym bleiben will, ist klar: «Die Sache ist Blocher entglitten.» Er habe offenbar nicht erwartet, dass seine Beteiligung bekannt werde. «Diese Enthüllungen werden dem Image Blochers sicher schaden.»

Transparenz bei Medienunternehmen gefordert

Für die Basler SP-Ständerätin Anita Fetz ist Blochers Beteiligung keine Überraschung. «Jetzt hat sich bestätigt, was man in Basel schon lange wusste.» Dass es Blocher mit der Wahrheit nicht so genau nehme, wisse man schon aus seiner Zeit als Bundesrat. Jetzt liege die Beurteilung bei den den Abonnenten und Inserenten der BaZ. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Region Basel längerfristig eine rechtsnationale Zeitung akzeptiert», sagt Fetz.

Stinksauer ist der Basler SP-Nationalrat Beat Jans. «Christoph Blocher hat eine ganze Region systematisch belogen.» In einer ehrlichen Demokratie dürfe ein solches Verhalten nicht geduldet werden. «Ich fordere Blocher zum Rücktritt aus dem Nationalrat auf.» Ausserdem verlange er, dass künftig alle Medienunternehmen ihre Besitz- und Eigentümerverhältnisse offenlegen. Eine entsprechende Motion hat bereits vor einem Jahr eingereicht - der Bundesrat lehnt diese allerdings aus verfassungsrechtlichen Gründen ab.

Auch FDP-Präsident Fulvio Pelli fordert Transparenz - allerdings nicht von seiten der Medien, sondern der Politiker: «Wer eine Zeitung besitzt, sollte öffentlich dazu stehen». Die Vertuschung von Blochers Einfluss bei der BaZ findet Pelli «merkwürdig».

Blocher wird bis Donnerstag informieren

Blocher selbst wollte sich gegenüber 20 Minuten Online nicht äussern. Er werde bis spätestens am Donnerstag informieren, sagte sein Sprecher Livio Zanolari. Wortkarg zeigte sich auch FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger, der als künftiger Verwaltungsratspräsident der BaZ und somit als Nachfolger von Moritz Suter gehandelt wird. Er werde nicht ein Amt von Blochers Gnaden innehaben, erklärte er, ohne diese Aussage genauer auszuführen.

Gleichzeitig sagte Leutenegger auch, dass die Verbindung zwischen Blocher und der BaZ nicht in dieser Form bestünden, wie die Medien behauptet hatten. Für die Details verwies auch er auf die Medieninformation, die bis spätestens Donnerstags erfolge (siehe Box).


Der Verkauf der BaZ-Aktien an Blochers Tochter gab in Basel viel zu reden. (Video: Keystone)


Mitarbeit: mdr, amc

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rita am 13.12.2011 20:35 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Muss ist nur ein Sterben

    Herr Blocher oder seine Tocher können mit ihrem eigenen Geld machen was sie wollen. Was jetzt abgeht ist purer Neid.

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  • DieMitte am 13.12.2011 19:19 Report Diesen Beitrag melden

    .. wen wunderts..

    Ich konnte ihm noch nie etwas glauben. Mal ehrlich.. er ist Unternehmer und das Vermögen muss doch vermehrt werden. Er ist doch keiner "vom Volk". Irgendwann kommt doch alles ans Licht ;-)

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  • Chrigu am 13.12.2011 17:20 Report Diesen Beitrag melden

    ohne Worte

    Was spielt das für ne Rolle ob Blocher jetzt beteiligt ist oder nicht? Wichtig sind doch die Arbeitsplätze!!!!!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Wählen?! am 14.12.2011 17:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1 von 200

    Wieviele von euch, die möchten dass C. Blocher zurücktritt; Wieviele von euch sind denn wählen gewesen. Ich halte so niedrige Wahlbeteiligungen für schlimmer, als das Blocher (einer von 200 Nationalräten) seiner Tochter Geld gibt.

  • Earl of Basel am 14.12.2011 14:46 Report Diesen Beitrag melden

    Na und?

    Die Blochers. Die eine Tochter übernimmt die Firma, die andere sLäckerlihuus und die dritte die BAZ. Na und? Es haben sich schon viele an den Baslern die Zähne ausgebissen und das nicht nur wegen der Läckerli! Die Basler könnten sich mal ein Beispiel nehmen an solchen Leuten und ihre Kinder etwas fördern!

  • Rene am 14.12.2011 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    Austritt, egal welche Partei

    Meiner Meinung nach müssten alle Parlamentarier bei der Wahl aus der Partei austreten und alle Verwaltungsratsmandate abgeben. Nicht nur der Bundesrat, sondern alle drei Räte. Leider wird dann aber niemand mehr in die Politik gehen.....

  • Claus Hofmann am 14.12.2011 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Machtmensch Blocher

    Denkzettel für Blocher mit den vergangenen Wahlen? Nein, Machtmenschen, die schon ihren Kindern Schultern aufgezwängt haben, kann man nicht mehr ändern. Aber man kann sie wegzählen. Das ist endlich geschehen. Endlich geht's mit der Schweiz wieder aufwärts!

    • Peter Silie am 14.12.2011 14:22 Report Diesen Beitrag melden

      Mit der Schweiz gehts aufwärts?

      Sie müssen wohl die Wahlen heute morgen verpasst haben? Na dann ziehen sie sich mal warm an denn es wird bitterkalt!

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  • Franz Steiner am 14.12.2011 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Reisserisch!

    Schon seltsame Ansichten herrschen hier. Aber leider sind die Journalisten mit ihren grossen, reisserischen Überschriften mitschuldig. Vater Blocher muss doch die geschäftlichen Aktivitäten seiner Tochter nicht kommentieren. Oder ist er ihr Vormund?

    • Tinu am 14.12.2011 14:47 Report Diesen Beitrag melden

      Sehr richtig!

      Dem gibt es eigentlich nichts weiter hinzu zufügen. Ausser die Frage: Sind seine Töchter auch in der SVP?

    • Freddy Gubser am 14.12.2011 15:00 Report Diesen Beitrag melden

      Ja und?

      Nein, natürlich muss er nicht kommentieren. Aber er hat, mehrfach und offensichtlich mit Falschaussagen. Und da wundern Sie sich, dass dies "seltsame Ansichten" sind? Und natürlich sind am Ende wieder die Medien schuld, wie immer. Praktisch, wenn man denen immer die Schuld in die Schuhe schieben kann gell.

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