Anwohner-Stimmen

28. August 2017 13:15; Akt: 28.08.2017 15:31 Print

«Bondo war ein schöner Ort – nun ist alles anders»

von J. Furer / S. Ehrbar - Die Anwohner von Bondo dürfen am Montag wieder in ihre Häuser zurück – jedoch nur für kurze Zeit. Sie fürchten sich vor der Zukunft.

Anwohnerin Ivana Engeler erzählt 20 Minuten, was sie in ihrem Haus holen wird. (Video: jen/ehs)
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Die Bewohner von Bondo dürfen am Montag wieder in ihre Häuser. Die Anwohner der orangen und roten Zone werden von Polizisten und Zivilschützern begleitet und müssen um 20 Uhr wieder zurück. Wer in der grünen Zone wohnt, darf unbegleitet ins Dorf, wird aber von der Feuerwehr beobachtet und darf ebenfalls nicht dort übernachten.

«Wir haben kein Wasser im Haus, darum können wir nicht viel machen», sagt Bruno Vetsch zu 20 Minuten. Er hole nun aus dem Haus, was er zum alltäglichen Leben brauche – Kleider und Medikamente etwa.


«Das Dorf wird nie mehr dasselbe sein», sagt Bruno Vetsch im Interview mit 20 Minuten. (Video: jen/ehs)

«Die Verletzung bleibt ewig»

«Die Tragödie ist eine Verletzung für Bondo, die ewig bleibt. Das vergeht nicht mehr – nicht nur für die Menschen, sondern auch für das Dorf.» Die acht mutmasslich Verstorbenen beträfen das Dorf zwar nicht direkt, aber es sei trotzdem ein Schlag. «Sonst kennen wir Tragödien nur aus dem Fernsehen. Nun haben wir eine direkt vor unserer Haustür», sagt Vetsch.

Ivana Engeler, Hausbesitzerin in Bondo GR, sagt zu 20 Minuten: «Wir werden nun Sachen holen, die uns am Herzen liegen. Wann wir wieder in Bondo übernachten dürfen, wissen wir nicht.» Die letzten Tage seien sehr verwirrend gewesen. Engeler: «Es ist eine unsichere Situation, wir wissen überhaupt nicht, was passiert. Wir sind noch alle da, das ist das Wichtige.»

«Müssen hoffen und beten»

Sie habe Angst vor der Zukunft. «Wir wissen nicht, was passiert.» Bondo sei ein sehr schöner und ruhiger Ort gewesen. «Nun ist alles anders. Bis vorletzte Woche haben wir gedacht, unser Haus sei für Jahrhunderte gebaut. Jetzt sind wir unsicher. Ich habe das Gefühl, wenn noch mehr herunterkommt, könnte es auch unser Haus treffen.»

Sie nehme nun Tag für Tag, sagt Engeler. «Wir müssen hoffen und beten, dass nichts Schlimmeres passiert – für die Bewohner von Bondo, aber auch alle anderen im Tal. Wenn wirklich noch Schlimmeres passiert, ist es für alle gefährlich.» Das Dorf Bondo sei nun ein ganz anderer Ort geworden. «Es herrscht ein ganz anderes Leben. Ich weiss nicht, wer noch in Bondo wohnen will.»