Feuer im Haus

28. November 2018 10:20; Akt: 28.11.2018 10:25 Print

«Rauchmelder-Pflicht könnte viele Leben retten»

von D. Pomper/B. Zanni - Nach dem Brand in Solothurn, bei dem sechs Menschen starben, fordert der Feuerwehrverband eine Rauchmelderpflicht.

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2017 starben 14 Menschen bei einem Brand. Im Schnitt sind es jährlich 20 bis 25. Dass bei einem Brand mehr als eine Person ums Leben komme, ist sehr selten. «Im Schlaf hat man keine Chance. Rauchabgabe riecht man nicht, man muss nicht mal husten davon», sagt Walter Pfammatter vom Schweizerischen Feuerwehrverband. Auch Sicherheitspolitikerin Bea Heim will ein Rauchmelder-Obligatorium prüfen: «Ein Rauchmelder hätte diese Tragödie in Solothurn vermutlich verhindern können», so die SP-Frau. BDP-Nationalrat und Feuerwehrmann Bernhard Guhl appelliert ebenfalls an die Eigenverantwortung. «Müssten alle Mietshäuser mit Rauchmeldern ausgerüstet sein, würden die Mietzinsen steigen.» Ein Obligatorium wäre mit einem erheblichen Aufwand und Kosten verbunden. Die Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen VKF empfiehlt die Installation von Brandmeldern auf privater Basis. Laut dem Hauseigentümerverband Schweiz HEV besteht keine generelle schweizweite Pflicht für Brandmeldeanlagen bei Mietwohnungen, die für Wohnzwecke genutzt werden. «Das Verschulden wird nicht vom Vorhandensein eines Brandmelders abhängig gemacht», sagt Annekäthi Krebs, Juristin beim HEV. Bei einem Brand in Solothurn starben am Montag, 26. November, sechs Menschen. Abdul Karem (21), der Bewohner eines Nachbarhauses, rettete in dieser Nacht ein kleines Kind. Eine Nachbarin klingelte um 2 Uhr morgens bei ihm. Er sah, wie eine Frau im brennenden Haus ein Kind heraushielt. «Ich ging sofort nach draussen und schaffte es knapp, es zu fangen», sagt er. Unter den Todesopfern sind auch Kinder. Ein Hausbewohner bemerkte gegen 2.10 Uhr Rauch im Treppenhaus. Umgehend wurde ein Grossaufgebot ausgelöst. In dem Gebäude befanden sich über 20 Personen, die grösstenteils mit Hilfe der Feuerwehr aus dem Haus gebracht wurden. Der Brand ereignete sich in einem Haus an der Wengistrasse in Solothurn. Polizisten vor Ort. Das Haus nach dem Brand. Blumen werden am Ort des Geschehens deponiert. Der Eingang ist abgesperrt. Während des Brands sind laut einem Anwohner einige seiner Nachbarn in Panik ausgebrochen. «Ich habe gehört, dass einige Menschen aus dem Fenster gesprungen sind», erzählt der Mann weiter. Nachbar A. K.: «Ich bin erschüttert und völlig durch den Wind. Es sind alles gute Nachbarn. Ich kaufe noch heute Blumen und lege sie vor dem Haus nieder.» Der Auslöser des Feuers ist ein «unsachgemässer Umgang mit Raucherwaren», wie die Kantonspolizei Solothurn am Montagabend mitteilte. Die Polizei ermittelt vor Ort. Die Flammen konnten zwar rasch gelöscht werden ... ... viel problematischer war jedoch gemäss der Kantonspolizei Solothurn die starke Rauchentwicklung. Der Kioskbesitzer um die Ecke kannte die Opfer: «Es waren ganz nette Leute.» Eine Luftaufnahme des Mehrfamilienhauses. Ersten Erkenntnissen zufolge entstand der Brand in einem der unteren Stockwerke. Dort kam es daraufhin zu einer starken Rauchentwicklung.

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Sechs Asylsuchende haben am Montag bei einem Brand in Solothurn ihr Leben verloren. Unter den Opfern befinden sich auch Kinder. «Im Schlaf hat man keine Chance. Rauch riecht man dann nicht, man muss nicht mal husten davon», sagt Walter Pfammatter vom Schweizerischen Feuerwehrverband. Man brauche nur den Rauch einzuatmen und man werde bewusstlos.

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Auch Sascha Zollinger, Kommandant der Feuerwehr Uster, sagt, dass ein Brandmelder gerade bei Rauchentwicklung wichtig sein könne. «Denn mit seinem akustischen Ton weckt er schlafende Personen oder Tiere auf. Das kann Leben retten.»

«Melder hätte Tragödie vermutlich verhindern können»

Walter Pfammatter würde es deshalb sehr begrüssen, wenn in der Schweiz eine Rauchmelder-Pflicht eingeführt würde: «Sie könnte sehr vielen Menschen das Leben retten», ist Pfammatter überzeugt. In verschiedenen Ländern wie Grossbritannien, den USA, Kanada oder den Niederlanden, wie auch in fast allen deutschen Bundesländern besteht bereits eine gesetzliche Rauchwarnmelderpflicht. In Grossbritannien sank die Zahl der Brandtoten seit 1987 um rund 40 Prozent.

Auch Sicherheitspolitikerin Bea Heim will ein Rauchmelder-Obligatorium prüfen: «Ein Rauchmelder hätte diese Tragödie in Solothurn vermutlich verhindern können», so die SP-Frau. Sie vermutet aber, dass nun viele Hausbesitzer, die bisher noch keine Rauchmelder installiert haben, solche einrichten werden.» Rauchmelder sind im Internet ab ca. 20 Franken erhältlich.

«Dann steigen die Mietzinsen»

Die Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen VKF kam 2015 in Zusammenarbeit mit der ETH zum Schluss, dass ein Rauchmelder-Obligatorium in der Schweiz volkswirtschaftlich keinen Sinn macht. Michael Binz, Geschäftsbereichsleiter Brandschutz, erklärt: «Die Kosten für eine flächendeckende Rauchmelderpflicht sind im Vergleich zur Anzahl Menschen, die wir mit einem Obligatorium retten könnten, viel zu hoch.» 2017 starben 14 Menschen bei einem Brand. Im Schnitt sind es jährlich 20 bis 25. Dass bei einem Brand mehr als eine Person ums Leben komme, sehr selten. Die VKF empfehle die Installation von Brandmeldern auf privater Basis.

BDP-Nationalrat und Feuerwehrmann Bernhard Guhl appelliert ebenfalls an die Eigenverantwortung. «Müssten alle Mietshäuser mit Rauchmeldern ausgerüstet sein, würden die Mietzinsen steigen.» Ein Obligatorium wäre mit einem erheblichen Aufwand und Kosten verbunden. Dennoch würde er die Geräte jedem Vermieter nahelegen. «Freiwillig kann auch jeder Mieter einen Brandmelder aus dem Detailhandel installieren.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alex dEr Unwissende am 28.11.2018 10:34 Report Diesen Beitrag melden

    Mieterhöhung, wie wird da gerechnet?

    Warum würden die Mieten steigen? Bei 20.- pro Stück und einer Lebensdauer von sagen wir mal nur 5 Jahr, wäre dies eine Investition von 33 Rappen pro Monat. Würde man noch die Montage/Wartung und Brandmelder im allgemeinen Teil (Trepppenhäuser etc) dazu nehmen, wären dies Investitions-/Unterhaltskosten von vielleicht 1.-/Monat. Und DA sollen die Mieten steigen? Ich glaub mich knutscht ein Elch.

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  • Martin M. am 28.11.2018 10:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pflicht!? Ja, aber...

    In öffentl. Räumen, Hotelzimmern, Asyluntekünften, Kiirchen etc. wäre eine Pflicht sinnvollvoll. Im privaten Umfeld sollte jeder für sich entscheiden können, wieviel ihm die persönliche Sicherheit wert ist. Stichwort: Eigenverantwortung.

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  • Loki am 28.11.2018 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In Frankreich Pflicht....

    in Frankreich sind die Rauchmelder bei neueren Gebäuden Pflicht...sogar auch in Einfamilienhäusern. Ich habe auf jeden Fall ein paar montiert, kosten ja nicht die Welt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 29.11.2018 16:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es liegt am Mensch...

    Wenn Menschen vorsichtig und vernünftig wären, bräuchte es keine Brandmelder. Abwarten es ist bald Weihnachten mit vielen Kerzen!

  • Lena Weiss am 29.11.2018 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Rauchmelder unbedingt!

    Für mich geht Sicherheit stets vor. In einem Mehrfamilienhaus keine Rauchmelder oder Feuerlöscher zu haben, finde ich verantwortungslos. Lieber weniger Komfort und dafür mehr Schutz. Jetzt kommt die Weihnachtszeit mit den vielen Kerzen. Ein gefährlicher Gedanke. Leider braucht es Vorschriften, denn viele Leute sind gleichgültig und unvorsichtig. Jedes Leben, das dem Brand zum Opfer fällt, ist eines zu viel.

  • panthomas am 29.11.2018 08:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zuerst Anreiz schaffen ohne Gesetz

    Tja das Thema bewegt viele Gemüter. Aus meiner Sicht, könnten die Rauchmelder wirklich Menschenleben retten, zugleich werden die Gebäudeversicherungen und Haftpflichtversicherungen von weniger Schadenssummen profitieren. Und genau diese Summe sollte für eine Aktion bei den Versicherer eingesetzt werden um den Kaufanreiz von Melder zu steigern. Das heisst wer Melder Kauft erhält eine Reduktion auf die Versicherungsgebühren. Zusätzlich können die Versicherungen mit den Herstellern ein gesonderten Preis für Ihre Kunden aushandeln. Somit Profitieren die Kunden, Versicherungen und Hersteller.

  • Fred am 29.11.2018 07:25 Report Diesen Beitrag melden

    In MFH Pflicht!

    Im Sinne der Eigenverantwortung, wäre ich gegen eine Pflicht im EHF. In Mehrfamilienhäuser sollten aber einfache Brandmelder, die akustisch alarmieren, zumindest im Treppenhaus und anderen für alle zugänglichen Räume Pflicht sein.

  • reto am 29.11.2018 06:42 Report Diesen Beitrag melden

    und wir hatten Wasser

    wir hatten Wasser. soll nun gleich ein Obligatorium zu Wassermeldern kommen? könnte ja auch Tote geben zB Stromschlag usw ( und and die welche es nicht glauben, es gibt alte Hauser mit alten Stromleitungen, nicht alles FI abgesichert)

    • Max am 29.11.2018 11:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @reto

      Kennst den vergleich mit Apfel und Birnen? Dein Post ist ein Parade Beispiel.

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