Autofahren, Fliegen, Heizen

04. Dezember 2018 05:42; Akt: 04.12.2018 06:45 Print

«Pendler fressen die Erhöhungen nicht mehr»

Das neue CO2-Gesetz könnte Benzin und Heizöl verteuern. Das Ziel: Die Leute sollen weniger CO2 in die Luft blasen. Die Massnahmen sind umstritten.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Damit die Schweiz den Ausstoss von Treibhausgasen bis 2030 massiv reduzieren kann, will der Bundesrat Heizöl verteuern. Auch ein Zuschlag auf Benzin von 8 Rappen steht zur Debatte. Das könnte bedeuten, dass ein Autopendler zwischen Luzern und Zürich pro Jahr 176 Franken mehr bezahlen müsste.

Sind die Massnahmen zu viel des Guten oder zu wenig, damit die Schweiz ihren Beitrag zum Klimaschutz leistet? Die Meinungen gehen auseinander.

«Unfair auch für Mieter»

So gehen SVP-Nationalrat Christian Imark die geplanten Massnahmen klar zu weit: «Darunter leidet in erster Linie der untere Mittelstand. Schauen Sie in Frankreich mit den ‹Gilets jaunes›: Die Pendler fressen die Erhöhungen beim Benzin nicht mehr, wenn man den Bogen überspannt.» Verdopple sich die Abgabe auf dem Heizöl, sei dies ebenfalls unfair für Mieter und Hausbesitzer: «Die Mieten steigen. Und nicht jeder Hausbesitzer kann sich sofort eine moderne Heizung leisten.» Dies werde von der Linken übersehen.

Zwar sei auch er der Meinung, dass Fliegen in Europa zu billig sei. Aber: «Es braucht eine globale Lösung – es nützt nichts, wenn die Schweiz eine Flugticketabgabe erlässt. Sonst weichen die Airlines einfach aus.» Schon das bestehende CO2-Gesetz entfalte eine deutliche Lenkungswirkung, so Imark. Im Bereich des Verkehrs rechnet er mit weiteren CO2-Einsparungen: «Die Technologie steht bereit. Die Leute werden E-Autos kaufen – auch ohne höheren Benzinpreis.» Bloss würden die jährlichen Einsparungen der Schweiz innert weniger Stunden von China zunichte gemacht.

«Ticketabgabe ist dringender denn je»

Für Florian Brunner von der Schweizerischen Energie-Stiftung muss die Schweiz dagegen ihre Hausaufgaben machen. Ihm geht das Gesetz zu wenig weit: «Es ist fraglich, ob die Schweiz mit diesem Gesetz die Ziele des Pariser Abkommens erreicht.» Im Bereich des Verkehrs seien 8 Rappen Zuschlag an der Zapfsäule zu wenig, wolle man Autofahrer wirklich von fossilen Treibstoffen wegbringen. Bei den Gebäuden habe man mit dem Gebäudeprogramm schon viel erreicht. Dass die CO2-Abgabe auf Heizöl weiter steige, sei gut – in der Stadt Zürich würden Ölheizungen noch immer zu oft einfach durch eine neue ersetzt.

Es handle sich bei der CO2-Abgabe um eine Lenkungsabgabe, die wieder an die Bevölkerung zurückfliesse und mit der energetische Sanierungen gefördert würden. Es stimme, dass Mieten steigen könnten. «Doch in diesem Dilemma zwischen Klimapolitik und sozialen Fragen ist auch die Immobilienwirtschaft in der Pflicht», sagt Brunner.

Dringenden Handlungsbedarf sieht er im Bereich des Fliegens: «Die Zahl der Flüge ist explodiert. Der Luftverkehr ist in der Schweiz bereits für 18 Prozent des menschengemachten Klimaeffekts verantwortlich.» Trotzdem gebe es bislang keine Massnahmen im Bereich des Luftverkehrs. Eine Ticketabgabe sei darum dringender denn je. «Sie würde den Flugverkehr wenigstens etwas bremsen.»

(daw)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • JBL am 03.12.2018 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die kleine Schweiz

    Die kleine Schweiz versucht mal wieder die Welt zu retten.

    einklappen einklappen
  • Seppetoni am 03.12.2018 10:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Korrektur 2019

    Wir werden bei den Wahlen 2019 die entsprechende Korrektur anbringen.

    einklappen einklappen
  • M/S am 03.12.2018 09:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer auf die kleinen

    Zum glück wird auf den Autofahrer weitere Kosten abgewälzt, aber Kreuzfahrtschiffe und Kontainerschiffe verbrennen Rohöl.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Maximus am 05.12.2018 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    Lassen wir uns nicht spalten

    Alle hier wollen, dass es uns auf unserer Erde gut geht. Deshalb lasst uns im Rahmen von Umweltschutz gemeinsam die Probleme lösen, die wir lösen können. Sinnvoller Einsatz unserer Resourcen, Abholzung minimieren, Kriege entschieden zu bekämpfen. Aber hört auf Euch gegenseitig die Schuld in die Schuhe zu schieben, wer wieviel CO2 produziert und wer wieviel einsparen oder bezahlen soll. Es ist unerheblich, weil CO2 keinen Einfluss hat und sich das Klima schon immer verändert hat. Wir werden auch in dieser Thematik gespalten. Es hat schon früher eisfreie Alpen gegeben. Recherchiert selber.

  • Optimistin am 05.12.2018 08:26 Report Diesen Beitrag melden

    Inkonsequenz pur

    Warum die Negativspirale? Anstatt CO2-Abgabe eine Zulage für ÖV-Nutzer? Diejenigen, die ein Streckenabo zwischen Wohn- u. Arbeitsort in der Steuererklärung deklarieren, kriegen eine Zulage bzw. Steuererleichterung. Auch das mit dem Fliegen sehe ich auch nicht. Sonst kommt der Flughafen ZH und die Swiss und jammert, dass er bald Leute entlassen muss...

  • Patrick Flückiger am 05.12.2018 06:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    belohnt diejenige welche wenig Co2 verursachen

    Es sollten die belohnt werden welche wenig Co2 verursachen. ÖV, kein Auto besitzen, kleine Wohnung, wenig fliegen,

  • Anna Lena am 05.12.2018 05:40 Report Diesen Beitrag melden

    Die kleine Schweiz

    Unglaublich, aber immer mehr Leute in unser Land pressen, die alle Co2 ausstossen mit ihrem Verbrauch. Das funktioniert einfach nicht!

  • wukrs am 05.12.2018 05:23 Report Diesen Beitrag melden

    Bevölkerungswachstum

    Eine Hauptursache des CO2-Anstiegs wird beharrlich totgeschwiegen: Das andauernde Bevölkerungswachstum. Ja nicht erwähnen, da nicht dran rühren. Lieber erhöht man den Druck auf die ansässige Bevölkerung. Hauptsache, man macht irgendwas. Und lukrativ ist die Methode ja auch noch.