Kampfjet-Einsatz

06. Juli 2016 06:54; Akt: 06.07.2016 06:54 Print

«Bundesrat muss einen Abschuss autorisieren»

Die Schweizer Luftwaffe wurde irrtümlich zum Ernstfall gerufen. Sicherheitspolitiker und Pilot Thomas Hurter erklärt das Worst-Case-Szenario.

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Weil in einer Maschine der israelischen Fluggesellschaft El Al irrtümlicherweise eine Bombe vermutet wurde, starteten zwei Kampfjets der Schweizer Luftwaffe zu einer «Hot Mission» und lösten damit einen Knall aus, der in weiten Teilen der Schweiz zu hören war. «Bei einer solchen Mission werden zwei Jets eingesetzt, die die Maschine abfangen oder begleiten und versuchen, auf der internationalen Notfallfrequenz Kontakt aufzunehmen», sagt Sicherheitspolitiker Thomas Hurter, der selbst Pilot ist und auch für die Schweizer Luftwaffe flog.

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Eine «Hot Mission» könne wegen eines nicht angemeldeten Flugzeugs im Schweizer Luftraum, einer Kursabweichung oder bei technischen Problemen, aber auch wegen Bombendrohungen oder Flugzeugentführungen ausgelöst werden. Bei der Mission werde der Fall abgeklärt und der Pilot der Maschine gegebenenfalls angewiesen, den Kampfjets zu folgen. Sei Funkkontakt nicht möglich, so werde versucht, visuell zu kommunizieren. «Ein Kampfjet fliegt vor das Flugzeug und signalisiert dem Piloten, dass er ihm folgen soll.»

(Quelle: ipmedia)

Ein bewaffneter Einsatz finde nur bei eingeschränktem oder gesperrtem Luftraum statt, der durch den Bundesrat autorisiert werden müsse. «Der Kampfjet-Pilot kann nicht einfach nach Gutdünken ein Flugzeug vom Himmel holen, erst recht keinen Passagierjet», so Hurter. Neben den in Kauf genommenen Todesopfern drohe dann auch eine diplomatische Krise. «Zuerst müssen alle anderen verfügbaren Mittel ausgeschöpft werden. In einem gesperrten Luftraum kann dann der Verteidigungsminister, momentan also Guy Parmelin, den Einsatz befehlen.»

24-Stunden-Dienst erst 2020

Hätte der Überflug des El-Al-Jumbos, bei dem eine falsche Bombendrohung gemeldet wurde, um zwei Uhr morgens stattgefunden, hätte die Schweiz ein Problem gehabt: Die Schweizer Kampfjets starten nicht vor 8 und nicht nach 18 Uhr. Den Einsatz hätten ausländische Jets übernehmen müssen, und diese hätten die israelische Passagiermaschine im Notfall nicht abschiessen dürfen. Einen solchen Fall gab es zuletzt, als im Februar 2014 eine entführte äthiopische Maschine bei ihrer Notlandung in Genf von französischen Mirages eskortiert werden musste.

Seitdem wird im Rahmen des Projekts Ilana des VBS die Bereitschaft der Luftwaffe schrittweise erhöht. Gab es bis letztes Jahr noch eine Mittagspause von 12 bis 13 Uhr 30 und Feierabend um 17 Uhr, sind die Kampfjets nun 10 Stunden am Stück startklar – an Wochentagen, während 50 Wochen im Jahr. 2017 wird diese Präsenz dann auf 365 Tage im Jahr ausgeweitet. Ab 2019 werden die Jets von 6 bis 22 Uhr bereitstehen, und Ende 2020 erfolgt dann der Ausbau auf 24 Stunden. Kostenpunkt: 30 Millionen Franken pro Jahr.

(the)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zukunft am 05.07.2016 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin dankbar,

    dass sich die bösen Buben bis jetzt immer an die Bürozeiten gehalten haben!

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  • Ghostrider97 am 05.07.2016 16:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hysterie

    Besser einmal Zuviel als einmal Zuwenig :)

  • Frieden am 05.07.2016 18:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wir brauchen gutes militär

    Bin zwar ein alternativer grüner linker, aber auch für ein gut ausgerüstetes und modernes militär. Die wirkliche bedrohung kommt aber still und leise durch die vielen kinder der einwanderer welche eine unfreie totalitäre religion haben. Sarazin hats bereits erzählt. (Ja ich weiss, die meisten linken haben das noch nicht begriffen)..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Karlsson am 06.07.2016 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klaro, oder?

    Es würde mich nun doch sehr wundern, könnte der Pilot selbst entscheiden. Natürlich muss der Bundesrat autorisieren.

  • Schlauer Fuchs am 06.07.2016 13:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Bundesrat muss also entscheiden.... So so

    Und ich dachte, dass über einen Abschuss auf Facebook abgestimmt werden darf!! Sehr interessanter Bericht.

  • Jaydee am 06.07.2016 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bürozeiten

    Von 8-18 Uhr dürfen die CH Jets fliegen! Schön dass auch die sich an die Bürozeiten halten.

    • Bartli am 06.07.2016 15:18 Report Diesen Beitrag melden

      Völlig daben

      Ihren Zynismus hätten Sie sich ersparen können Jaydee, eine Watsche für die Piloten, welche im Ernstfall ihr Leben hergeben, auch für Sie.

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  • Denkt Mal Mit.. am 06.07.2016 12:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Military Show

    Die El Al Maschine flog ca. 7 min über die Schweiz und wurde bereits von den Franzosen eskortiert. Zuvor flog sie ein kurzes Stück (knapp 5 min.) über Deutschland. Obwohl die Schweiz wie auch Deutschland mit Frankreich Verträge hat, zog es unser Militär vor einen riesen Aufwand zu betreiben (im Gegensatz zu Deutschland). Das kann sicher nicht der El Al zugute, die wie gesagt bereits professionell eskortiert wurde.. Ach ja das Thema des möglichen Abschusses, denkt jemand im ernst BR Parmelin könne innerhalb weniger Minuten einen solchen erteilen?

    • Bartli am 06.07.2016 15:30 Report Diesen Beitrag melden

      Die Mission

      Und wenn man die El Al Maschine zu einem Kurswechsel hätte ordern müssen, mittels Notfallfunk oder visuellen Zeichen, weil notwendig? Ja da staunt der Denkt Mal Mit.......,wie? Eben; denk mal mit.

    • Denk Mal Nicht Mit Dem Bart am 06.07.2016 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bartli

      Im Ernst jetzt? Sie glauben, dass die französische Armée de l'air (die bis Schaffhausen die El Al eskortiert hat!) Es nicht geschafft hätte das Flugzeug auch über der Schweiz zu eskortieren oder per Funk zu kontaktieren? Eben doch zu erst denken, dann schreiben..

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  • S. Schellental am 06.07.2016 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    Da bin ich aber wirklich beruhigt

    Das Wissen, dass dieser Bundesrat auch das noch entscheiden kann/muss, beruhigt mich sehr. Hoffentlich finden sie ein Mitglied, das nicht gerade auf einem Reisli unterwegs ist und hoffentlich passt die Tageszeit auch. Aber vermutlich müsste man zuerst debattieren, eine Volksabstimmung machen, das Resultat mit EU besprechen und Jahre mit einer möglichen Umsetzung verplempern. Und ja nicht vergessen, die Tourismuslobby zu konsultieren, denn das hätte sicher einen Einfluss auf deren Uebernachtungszahlen, falls das Wetter gerade jahreszeitgemäss und Wechselkurse keinen Anlass zum Klagen gäben.

    • Nur auf Voranmeldung am 06.07.2016 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @S. Schellental

      Wer ist der Bundesrat? Alle sieben oder nur einer, wenn die anderen in einer Sitzung sind? Jeder Notfall muss sich vorher anmelden, dann gibt es vielleicht einen provisorischen Termin.

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