Sprachenknatsch

13. Februar 2019 05:43; Akt: 13.02.2019 06:08 Print

«Corinne, danke für dein Schweizerdeutsch»

Ski-Ass Corinne Suter sprach im ORF lieber Mundart als Hochdeutsch. Ist das richtig oder respektlos?

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Die zweifache WM-Medaillengewinnerin Corinne Suter (24) sorgte auch abseits der Piste für eine Überraschung. In zwei Interviews mit dem österreichischen ORF antwortete sie auf Schweizer- statt auf Hochdeutsch. «Das hat mich ein wenig erstaunt», sagt Helen Christen, Soziolinguistin der Uni Freiburg. Sie ist überzeugt: «In einem privaten Gespräch hätte sie mit ihrem Gegenüber wohl Hochdeutsch gesprochen.» Suters Verhalten spaltet die 20-Minuten-Leserschaft. «Peinlich» und «respektlos» sei ihre Verweigerung, kritisieren einige. Für sie ist klar: Die 24-Jährige hätte aus Anstand auf Hochdeutsch antworten sollen, damit alle Österreicher sie verstehen.

Der Mundartspezialist und Autor Christian Schmid widerspricht: «Das ist nicht unanständig, sondern ihre freie Entscheidung. Dass sie sich dieser bildungsbürgerlichen Forderung widersetzt, finde ich gut.» Schliesslich gebe es keinen Zwang, ins Hochdeutsche zu wechseln, wenn man sich dabei nicht wohlfühle. «In Mundart können wir uns viel klarer, verständlicher und emotionaler ausdrücken», betont Schmid. Ähnlich begründete die Skirennfahrerin ihren Entscheid: «Ich finde es immer speziell, wenn Schweizer Hochdeutsch sprechen. Denn es tönt schon etwas künstlich.»

Unwohl, verkrampft, minderwertig

Der Grossteil der Leser feiert Suter für ihr Statement zum Dialekt: «Sympathisch» und «authentisch» lautet der Tenor dieser Kommentare. Ein Leser schreibt gar: «Danke Corinne, dass du zu unserer Sprache stehst.» Einem patriotischen Hintergrund für Suters Verhalten, wie ihn einige Leser vermuten («sie zeigt Flagge und Nationalstolz»), kann Schmid nichts abgewinnen. «Das glaube ich nicht.» Suter wolle wohl nur vollständig mündig erscheinen und sich einfach in jener Sprache ausdrücken, die sie komplett beherrsche.

Denn ob in der Schule oder im Job: Viele Schweizer tun sich schwer damit, Hochdeutsch zu sprechen. Sie fühlen sich unwohl, verkrampfen sich, empfinden ihren Schweizer Akzent in der Schriftsprache als störend – vor allem im Gespräch mit Deutschen. «Viele Schweizer glauben, mit der zackigen und oft ausdrucksstarken Sprache der Deutschen nicht mithalten zu können und fühlen sich deshalb minderwertig, wenn sie sich ihrer Sprache anpassen.» Auch deshalb sei Suters Entscheid nachvollziehbar und begrüssenswert.

Suter als Mundart-Vorreiterin?

Steht die Skirennfahrerin für das neue Selbstverständnis junger Schweizer? «Das wäre wohl etwas hochgegriffen», sagt Schmid. Aber das Selbstbewusstsein, die Mundart nach aussen zu tragen, sei in der Schweiz deutlich gestiegen. Er spricht von einer lebendigen Mundartkultur. Gerade die digitale Kommunikation, beispielweise auf Whatsapp, finde unter jungen Schweizern fast ausschliesslich in Mundart statt. «Auch kulturell äussern sich die Jungen heute viel stärker in ihren regionalen Dialekten.» So habe sich das Schweizerdeutsche in der Musik längst etabliert. «Bei unseren Nachbarn fristet die sprachregionale Dialektkultur dagegen noch eher ein Nischendasein», ergänzt er.

Wenn vermehrt Schweizer Personen des öffentlichen Lebens im deutschsprachigem Raum zur Mundart stünden, «könnte das vielleicht Schule machen», so Schmid. Er plädiert allerdings dafür, dass Schweizer ihren Komplex gegenüber dem Hochdeutschen ablegen – und sich trauen, mit Schweizer Akzent Hochdeutsch zu sprechen. «Man darf den Schweizer durchaus heraushören. Bei Bayern, Kölnern oder Österreichern hört man die regionale Sprachfärbung ja auch, und kaum einer stört sich daran.»

Lehrer sollten es vorleben

Um diese Hemmschwelle abzulegen, brauche es eine entsprechende Schulung, sagt Schmid: «Schweizer Schüler sollten in der Schriftsprache so unterrichtet werden, dass es für sie ganz normal wird, dass wir mit Schweizer Akzent Hochdeutsch sprechen.» Schliesslich sei Deutsch eine plurizentrische Sprache mit diversen Varietäten – je nach regionaler Herkunft des Sprechenden. Da sei Scham wegen der Dialektfärbung fehl am Platz.

(rol)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sibyl am 13.02.2019 06:02 Report Diesen Beitrag melden

    ..zauberschön.

    Sie ist so wie Sie ist, kein Verstellen, sein Social Media Getue, kein wichtiges Gehabe, kein Möchte Gern Tun - Sie bringt Höchstleistung und bleibt wunderbar sich selbst. Gratuliere Corinne, zu deiner Leistung und für dich.

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  • Mondie am 13.02.2019 05:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mundart

    Ist doch gut so. Besser als "ich nix verstehen mann "

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  • pit am 13.02.2019 06:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freude

    Gut gesprochen Corinne! Bin stolz auf dich wegen deiner Sprache und deiner sportlichen Leistung!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nini am 18.02.2019 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    In der schweiz redet jeder wie er will

    Wo ist das Problem? Ir schwiz redetme schwizerdütsch...

  • Österreicher am 16.02.2019 09:22 Report Diesen Beitrag melden

    Dialekt

    Biddschee liawe Schweizer, rédts wia énk da Schnoowé gwoxen is, mia dóans aa'ra só, liawe Griass aus Ésterreich.

  • Alfred A. am 15.02.2019 22:01 Report Diesen Beitrag melden

    Gerne auch in Schrift- & Fremdsprache

    Die Gelegenheit, sich mit Leuten in Schriftsprache oder einer Fremdsprache unterhalten zu können ist doch eine feine Sache. So nutze ich gerne die Gelegenheit, mich in der Sprache des Gegenübers zu unterhalten, so ich es kann. Dies auch um Wortschatz, Klang und Rhythmus einer (Fremd-)Sprache zu erhalten. Sprachkenntnisse sind der Schlüssel zur Welt und darum ist es nicht nur Anpassung an den Gast sondern auch zum eigenen Nutzen.

  • Hene am 15.02.2019 16:31 Report Diesen Beitrag melden

    übertreibt es nicht

    Oder ist z.B. alles klar wenn ein Walliser über Grüezni spricht

  • Ueli Schweizer am 15.02.2019 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    WOW!!! Soo lääässs

    Soll sie das doch auch bei einem Aufenthalt in einem englischsprachigen Land machen. Da versteht sie auch niemand. Who cares. Armes Mädchen, muss ihre Unfähigkeit vernünftiges Schriftdeutsch zu sprechen, hinter "selbstbewusstem Nationalstolz" verstecken. Bravo.

    • Kurt am 16.02.2019 01:00 Report Diesen Beitrag melden

      @Ueli Schweizer

      Die meisten Leuten können sehr gut verstehen, wieso Hochdeutsch hier in der Schweiz nicht gerade populär ist, um es nett auszudrücken ; - )

    • Soizburger am 16.02.2019 09:15 Report Diesen Beitrag melden

      Dialekt is schee

      I ois Ésterreicher find dés vói glass, daa dé Suterin grédt hod wia iarer da Schnowé gwoxen is! Ghéarad in Éstreich aa vü mearer gmocht! I schreib sógor liawer im Dialekt, is vü idéntischer ois wia Hóudeitsch. Liawe Griass as Soizburg.

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