Steuern vom Lohn abziehen

13. Mai 2017 12:11; Akt: 29.12.2017 02:13 Print

«Dann weiss ich, wie viel Geld ich wirklich habe»

von B. Zanni - Anstatt dass Bürger die Steuererklärung ausfüllen, werden die Staatsabgaben direkt vom Lohn abgezogen: Für viele Leser ist das eine gute Option.

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Leser kritisieren, dass sie wegen des heutigen Steuersystems das meiste Geld des Lohns für die Steuern auf die Seite legen müssen. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

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Die Basler Steuerverwaltung verschickt jedes Jahr 15'000 bis 20'000 Betreibungen mit einer Gesamtsumme von 80 Millionen Franken. Ein kurz vor dem Durchbruch stehendes Modell im Kanton Basel-Stadt will das Problem mit einer neuen Praxis beheben. Steuern sollen automatisch vom Lohn abgezogen werden. Dabei überweist der Arbeitgeber die Abgaben direkt an die Steuerverwaltung.

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Auch die Mehrheit der 20-Minuten-Leser spricht sich für automatische Steuerabzüge aus. Von über 16'000 Teilnehmern einer Leser-Umfrage machen sich knapp 80 Prozent für automatische Lohnabzüge stark. Viele Teilnehmer argumentieren mit einer besseren Übersicht über ihre Finanzen. «So hat der Staat sein Geld, und wir wissen, was auf dem Konto bleibt», schreibt Jürg Schlumpf.

«Für Steuern muss ich drei Monate arbeiten»

Jehona Alimi sieht darin den Vorteil, dass der Bürger nicht für die Steuern sparen müsse. Nathalie Weingart berichtet: «Um meine Steuern zu bezahlen, muss ich drei Monate arbeiten gehen, und das ist sehr viel Geld.» Jeden Monat lege sie einen Betrag für die Steuern auf die Seite. «Ich habe diese Disziplin, aber kenne kaum jemanden, der das auch so macht.» S.P.* findet sogar: «Wir bekommen Lohn, den wir gar nicht wirklich brauchen können oder dürfen. Schliesslich müssen wir das meiste ja für die Steuern auf die Seite legen.» Würden die Steuern automatisch abgezogen, habe man nicht mehr ständig die Steuern im Hinterkopf und könne das Geld für Miete, Handyrechnungen und für die Freizeit ausgeben.

Einige Leser befürworten eine neue Steuerpraxis, um ein Loch im Portemonnaie zu verhindern. «Dann kann es nicht mehr passieren, dass man mehrere Tausend Franken Steuern aufs Mal zahlen muss und somit kein Geld zum Leben mehr hat.» Familienvater Armado Ponta rechnet damit, dass er dank automatischen Abzügen Ende Jahr «keine negativen finanziellen Überraschungen mehr» hat. «Ich musste einmal 6000 Franken nachzahlen.» Einen weiteren Vorteil sehen einige Leser auch darin, dass so das lästige Ausfüllen der Steuererklärung entfiele und auch keine Steuern mehr hinterzogen werden könnten.

«Sparen soll gelernt sein»

Gegner des Modells sehen in dem Modell einen falschen Anreiz. D. F.*: «Sparen soll gelernt sein. Ansonsten haben wir ein bis zwei Generationen, die beim Erreichen des Pensionsalters keinen müden Heller auf der hohen Kante haben und dann vom Sozialamt unterstützt werden müssen.» Armin Andermatt doppelt nach: «Das ist die Rettung für alle Leute, die nicht mit Geld umgehen können.» Viele Gegner appellieren an die Eigenverantwortung der Bürger. «Wir sollten alle im Stande sein, uns mit der Steuer auseinanderzusetzen und sie zu verstehen», so Delia.

Gespalten sind die Leser bei der Frage, ob auch andere Beiträge wie die Kosten für Krankenkasse und Versicherung direkt vom Lohn abgezogen werden sollen. «Die Krankenkassenprämien abzuziehen wäre super! Dann weiss man, was man hat!», schreibt Franziska M. Viele Befürworter setzen dafür aber eine Einheitskasse voraus.

S.E.* geht noch einen Schritt weiter: «Alle obligatorischen Auslagen sollten monatlich direkt abgezogen werden.» Dies schmerze die ersten Monate vielleicht. «Aber man verhindert zusätzliche finanzielle Engpässe und langfristige finanzielle Schäden.» Nadine Domenig findet: «Somit würden alle Versicherungen bezahlt und die Prämien steigen nicht ständig!» Die Gegner sehen einen zu grossen Eingriff in die Privatsphäre der Bürger. «Es handelt sich um Auslagen, die von privaten Unternehmungen angeboten werden, die wiederum vom Bürger frei zu wählen sind», so Marie-Claude Schöpfer.

*Namen der Redaktion bekannt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Janet am 12.05.2017 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    JA

    Definitiv JA. So ist das Geld gleich weg und man kann nicht ausgeben.

    einklappen einklappen
  • Susanne am 12.05.2017 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, bitte

    Dann müssen sie mir nämlich meinen eigenen Lohn berechnen und nicht noch den meines Ehemannes dazu. Dann kommt's für mich endlich billiger.

    einklappen einklappen
  • Pragmatiker am 12.05.2017 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    10% abziehen?

    Das reicht höchstens als Anzahlung! Die gesamten Steuern betrage in BS gegen 30%

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dan S am 12.05.2017 20:12 Report Diesen Beitrag melden

    Nur bei Schuldnere

    Bei schlechten Zahlern unbedingt direkt abziehen, die andern sollen frei wählen können!!

  • kw am 12.05.2017 20:06 Report Diesen Beitrag melden

    Dafür

    Wäre für alle da beste. Weg ist weg. Viele Länder handhaben das so und es funktioniert bestens. Wieso nicht auch bei uns?

  • Brandon am 12.05.2017 20:03 Report Diesen Beitrag melden

    Ich finde ...

    Ich finde ein guter Ansatz. Was aber dabei fehlt, das auch die Bankguthaben direkt abgezogen werden, sprich Vermögenswerte. So würde die Steuerhinterziehung noch mehr eingeschränkt. Egal ob man Reich, Mittelstand oder zu den klein Vermögenden gehört. Weil dann gibt es dabei kein schummeln mehr.

  • Martial2 am 12.05.2017 19:56 Report Diesen Beitrag melden

    Schon lange Usus in anderen Länder

    Eine Vereinfachung für den Staat und Steuerzahler, dann könnte man von einen effektiv netto Einkommen sprechen...!

  • Heidi am 12.05.2017 19:56 Report Diesen Beitrag melden

    Leeres Portemonnaie

    Hauptsache der Bund kassiert das Geld gleich ein. Wieso dann noch einen Lohn bekommen.