Rechte von Homosexuellen

15. Februar 2019 14:22; Akt: 16.02.2019 11:08 Print

«Ich darf mit den Kindern nicht in die Ferien fliegen»

B. K. hat mit ihrer Partnerin eine Tochter und einen Sohn, die durch eine anonyme Samenspende gezeugt wurden. Doch bis heute verfügt sie über keinerlei Rechte für ihre Kinder.

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Die «Ehe für alle» soll die Ehe für Homosexuelle öffnen. Die entsprechende parlamentarische Initiative wurde bereits im Dezember 2013 von der grünliberalen Fraktion eingereicht. Seither steckt sie im Parlament fest.(Symbolbild) Der Zugang zur Fortpflanzungsmedizin soll homosexuellen Paaren vorerst verwehrt bleiben. So sieht es der Vorentwurf der parlamentarischen Initiative vor. Im Juli 2018 hatte die Rechtskommission des Nationalrats entschieden, dass eine schrittweise Umsetzung der «Ehe für alle» eher eine Mehrheit im Parlament finden würde. LGBTI-Organisationen und linke Politiker sind damit nicht einverstanden und fordern die vollständige Öffnung der Ehe in einem einzigen Schritt. Diese würde den Zugang zur künstlichen Befruchtung gewähren und auch die Hinterlassenenrente regeln. Ein gleichgeschlechtliches Brautpaar, Nalini (l.) und Alexia, protestiert im Schwimmbad Marzili in voller Brautmontur mit der Aktion «Die Schweiz wartet» dagegen, dass es mit der «Ehe für alle» in der Schweiz nur so langsam vorwärts geht. Heutzutage ist es gleichgeschlechtlichen Partnern nicht möglich, im klassischen Sinn zu heiraten. Sie können ihre Partnerschaft auf dem Zivilstandsamt «eintragen» lassen. Im Gegensatz zur Heirat ermöglicht die eingetragene Partnerschaft aber keine erleichterten Einbürgerungen für den ausländischen Partner. Auch ist dem gleichgeschlechtlichen Paar die Adoption oder die künstliche Befruchtung untersagt. Gleichgeschlechtliche Paare aus der Schweiz mit Kinderwunsch suchen heute häufig Fruchtbarkeitskliniken im Ausland auf, etwa in Spanien oder Österreich, um dennoch eine künstliche Befruchtung in Anspruch nehmen zu können. Das ist nicht strafbar. Auch die Anspruchnahme einer Leihmutterschaft im Ausland ist in der Schweiz nicht strafbar. Die Rechtskommission hatte im Juli 2018 entschieden, dass die Umsetzung der «Ehe für alle» auf Gesetzesstufe angegangen werden könne und keiner Verfassungsänderung bedürfe. Damit kommt es zu keinem obligatorischen Referendum. Es ist aber nicht auszuschliessen, dass die Gegner der «Ehe für alle» ein fakultatives Referendum ergreifen werden und die Angelegenheit so doch noch vor dem Volk landen wird. Wann eine mögliche Volksabstimmung stattfinden würde, lässt sich noch nicht sagen.

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B. K.* ist Mutter einer Tochter (11) und eines Sohnes (9) – und trotzdem ist sie laut Pass kinderlos. Die ausgebildete Sozialarbeiterin lebt in einer eingetragenen Partnerschaft und hat zusammen mit ihrer Lebenspartnerin mithilfe einer anonymen Samenspende in Spanien eine Familie gegründet.

Bis heute verfügt sie über keine Rechte für ihre Kinder, da nicht sie, sondern ihre Partnerin die Kinder zur Welt gebracht hat. B. K. hofft, dass sich das nun ändern wird: «Seit Januar 2018 befinden wir uns in einem Adoptionsverfahren. Seit einem Jahr ist die Stiefadoption in der Schweiz möglich – und davon machen wir nun Gebrauch.»

Ein solches Adptionsverfahren könne bis zu zwei Jahre dauern. Danach sei sie immerhin offiziell die Stiefmutter ihrer beiden Kinder. «Heute kann ich mit meinen Kindern nicht einmal in die Ferien fliegen, ohne dass ich eine Bewilligung meiner Partnerin habe. Dabei bin ich für sie eine ganz normale Mutter wie jede andere auch», erzählt B. K.

«Ich hatte Glück, dass ich meinen Sohn im Spital sehen konnte»

Mit ihrer Lebenspartnerin sei sie seit 17 Jahren zusammen. Nach fünf gemeinsamen Jahren hätten sie beschlossen, Kinder zu haben. Schon beim zweiten Anlauf habe die anonyme Samenspende Erfolg gezeigt: Die Lebenspartnerin von B. K. wurde schwanger.

Während die Geburt der Tochter in der Schweiz reibungslos verlief, gab es beim Sohn plötzlich Komplikationen: «Der Kleine kam viel zu früh auf die Welt und musste zuerst auf der Intensivstation versorgt werden. Ich hatte Glück, dass das medizinische Personal so verständnisvoll war, und ich – trotz keinerlei Rechte – meinen Sohn sehen konnte», erinnert sich die Frau.

Zugang zur Samenspende

Der Weg für gleichgeschlechtliche Paare, die ihren Kinderwunsch verwirklichen wollen, sei in der Schweiz heute sehr steil. Heterosexuelle Ehepaare, die mithilfe einer Samenspende ein Kind kriegen würden, hätten keine Probleme bei der Anerkennung der Elternschaft: «Der Ehemann wird dann automatisch als Vater eingetragen.

«Das sollte bei homosexuellen Paaren endlich auch der Fall sein», sagt die zweifache Mutter. Sie sei deshalb ganz entschieden für den Zugang gleichgeschlechtlicher Paare zur Samenspende. Anderen Paaren würde damit der lange, unsichere Weg erspart, den sie und ihre Partnerin hätten gehen müssen.

Langer Prozess bis zur Elternschaft

Laut B. K. hängt vieles vom Goodwill der Behörden ab. Sie und ihre Familie hätten diesbezüglich Glück gehabt. «Wir wurden nie direkt mit Homophobie konfrontiert, aber viele Beamte schienen unseren Fall schlecht einordnen zu können.»

Nun hofft B. K., dass die Adoption bald vollzogen wird. Dann hätte sie endlich Rechte für ihre Kinder. Auch diese seien froh, wenn der ganze Prozess vorbei sei. So habe ihre Tochter kürzlich zu ihr gesagt: «Toll, Mama, dann kann ich endlich allen beweisen, dass ich wirklich zwei Mütter habe.»


*Name der Redaktion bekannt

(jk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Frau27 am 15.02.2019 14:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reiselust

    Das Problem haben unverheiratete Hetero-Paare auch. Da kann der Mann ohne Bestätigung der Mutter auch nicht verreisen. Adoptieren und gut ist - das ständige Mötzle versteh ich nicht.

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  • Laura am 15.02.2019 16:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das haben alle Paar mit Kindern

    Diese Probleme haben auch verheiratete Paare. Wenn ich alleine in die Ferien fliege mit meinen Kindern, brauche ich eine Bescheinigung, dass mein Mann das auch so will. Ich finde das gut, denn so kann nicht einfach ein Partner mit den Kindern verschwinden. Vielleicht sollte man aus der Sicht des Kindes es mal betrachten und nicht immer nur ich, ich und nochmal ich. Seit doch froh, wenn ihr in einer glücklichen Beziehung seit und Kinder habt. Nicht alle haben diese Glück.

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  • Trackhawk am 15.02.2019 14:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann spannend werden

    Mit Spannung erwarte ich die Erlebnisberichte über Einreise und Ausreise eines gleichgeschlechtlichen Paars mit Kindern in Ländern wie Indonesien, Malaysia, Malediven, Ägypten etc.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gabi am 16.02.2019 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragt mal die Kinder in 15 Jahren

    Wer über das Kindeswohl hinweggeht, der/die sollten sie eher Sorgen machen, wie sie das einmal vor ihrem Schöpfer verantworten. Die Kinder möchten sicher lieber mit den leiblichen Eltern verreisen.

  • Mutter am 16.02.2019 14:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egoismus in Reinform

    Man sollte sich weniger um die Ferien Sorgen machen, sondern um die Tatsache, dass man den Kindern die biologischen, d.h. richtigen Eltern wegnimmt.

  • Vater am 16.02.2019 14:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kinder werden übergangen

    Kinder haben das Recht auf Vater und Mutter. Wer ihnen dies verwehrt, nur weil man einem unnatürlichen Lebensstil leben will ist ein Egoist/in sondergleichen.

  • Daisydream am 16.02.2019 14:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht allen so

    Naja, ich kann auch nicht einfach mit Kindern verreisen, die nicht meine leiblichen sind, ausser ich hätte sie adoptiert. Hier wird glaub ich nach Problemen gesucht, die gar keine sind.

  • Pille am 16.02.2019 13:43 Report Diesen Beitrag melden

    Wie Wo

    Was soll den das ? sie ist ja verheiratet ! Wo ist das Problem?