Online-Bewertungen

09. Oktober 2017 20:29; Akt: 09.10.2017 20:29 Print

«Das Bett im Gefängnis ist unbequem»

Neben Hotels können auf Google auch Polizeikorps bewertet werden. Darin lassen Nutzer oft ihren Frust ab. Die Korps suchen das Gespräch.

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Auf Google können Nutzer Hotels, Spitäler und andere Unternehmen bewerten. Von der Kritik verschont werden auch Polizeikorps, Gefängnisse und Gerichte nicht. Die Nutzer erzählen oft von konkreten Erfahrungen, teilweise stellen sie die Institutionen aber auch unter Generalverdacht.

Gabriel T.* etwa beklagt sich bei der Kantonspolizei Zürich über den schlechten Service im Gefängnis: «Ich habe noch nie so unbequeme Betten gesehen. Im Sommer fühlt es sich an wie in einer Sauna. Versucht es zu vermeiden, in diese Anstalt zu kommen.» Darauf antwortete die Kantonspolizei Zürich, dass das Gefängnis nicht einem Fünfsternhotel entspreche, aber seinen Zweck erfülle. «Ich hoffe, Ihr nächster Aufenthalt wird zu Ihrer Zufriedenheit ausfallen.»

Kantonspolizei Zürich schaut Kommentare an

Bei der Kantonspolizei heisst es auf Anfrage, dass alle Kommentare, die Nutzer auf Facebook, Twitter und Youtube verfassen, angesehen und gegebenenfalls beantwortet werden. «Unser Ziel ist es, über die sozialen Netzwerke mit den Nutzern in einen Dialog zu treten», sagt Sprecher Beat Jost. Teilweise seien auch Richtigstellungen nötig.

«Heftige Beleidigungen löschen wir mittlerweile kommentarlos», so Jost. Konstruktive Kritik nehme man aber gern auf. Häufig würden Nutzer auch mit Fragen oder politischen Forderungen an die Polizei treten. «Wir erklären dann zum Beispiel, dass es eine Gesetzesänderung braucht, um auf Autobahnen das Rechtsüberholen zu erlauben.»

«Wir freuen uns über jede positive Rückmeldung»

Auch die Kantonspolizei St. Gallen beantwortet Kommentare. «Ein Vorteil von sozialen Netzwerken ist, dass die Hemmschwelle tiefer ist, mit der Polizei in Kontakt zu treten», sagt Sprecher Florian Schneider. Deshalb sei die Bewirtschaftung der digitalen Möglichkeiten sinnvoll.

Manchmal würden die Plattformen aber auch dazu benutzt, um Frust abzulassen. «Wir freuen uns deshalb über jede positive Rückmeldung», sagt Schneider. Davon gibt es auf der Facebook-Seite der Kantonspolizei St. Gallen viele. «Ich bin mega froh, dass wir so gute Polizisten in der Schweiz haben», schreibt etwa Laura Santinelli.

Institutionen sind an das Amtsgeheimnis gebunden

Bei der Google-Bewertung gibt Kurt W.* dem Obergericht Zürich wiederum nur einen Stern. In seiner Bewertung erzählt er, dass ihm das Sorgerecht für seine Tochter entzogen wurde. Die involvierten Personen beschimpft er namentlich. «Es ist schwierig, auf solche Kommentare zu reagieren», sagt Alberto Nido, Generalsekretär des Obergerichts Zürich.

Man habe schon mehrmals darüber diskutiert, wie man mit öffentlichen Rückmeldungen umgehen soll. «Im Gegensatz zu den Betroffenen sind wir an das Amtsgeheimnis gebunden und können uns zu einzelnen Fällen nicht äussern», so Nido. Bei konkreten Drohungen sei eine Reaktion angezeigt.

* Namen der Redaktion bekannt

(tam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daenone am 09.10.2017 22:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Öm das ist ...

    Ein Gefängniss nicht ein Hotel. Da soll man bestraft werden nicht verwöhnt!

    einklappen einklappen
  • sarasii am 09.10.2017 21:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich!

    Ich hör wohl nicht recht!^^ Eine Gefängnisstrafe ist immer noch eine Strafe und kein Ferienaufenthalt! Ich glaube nicht, dass man in solch einer Situation noch Ansprüche geltend machen muss! Unglaublich...

  • Glaibasel am 09.10.2017 20:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wasserbett muss her

    lol;Das Bett im Gefängniss war unbequem....ein absolutes no go....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Stiller Beobachter am 10.10.2017 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Gefängnisse

    werden im Internationalen Vergleich als "Hotel California" eingestuft.

  • wmo am 10.10.2017 09:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fehlt nur noch das goldene Tablett

    Kaum zu glauben. Ansprüche werden auch noch gestellt. Dabei würde eine Pritsche, Wasser und Brot reichen.

  • Robert J. Blackmore am 10.10.2017 09:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vor allem

    Das Zimmer von Nathalie Rickli.

  • Vagin Analev am 10.10.2017 09:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gemäss meinen Erfahrungen

    mit der Polizei hier in der Schweiz muss ich leider bestätigen dass diese Bewertungen sicher nicht frei erfunden sind. Die Polizeikorps sollten wirklich mal an ihrem Image arbeiten. Also Zeit hätten Sie shon mal genug dafür. Und nein ich bin nicht kriminell ausser 3 Ordnungsbussen bin ich "clean"

  • fufu am 10.10.2017 09:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Halb so schlimm

    Ich bin zur Zeit in Halbgefangenschaft. Ich bin Schweizer, ich finde das ganze halb so schlimm wie ich es mir vorgestellt habe. Es reklamieren immer die selben und das sind keine Schweizer! Wenn man korrekt ist und einfach macht was sie wollen geht es einem ganz gut.