Online-Glücksspiel

17. April 2018 20:34; Akt: 17.04.2018 20:34 Print

«Das Gesetz ist ein Tabubruch»

Neben geplanten Netzsperren gibt auch der Schutz von Spielsüchtigen im neuen Geldspielgesetz zu reden. Ein ehemaliger Poker-Profi erzählt, wie er zu schnellem Geld kam.

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Ein Online-Pokerspieler erzählt 20 Minuten, weshalb er gegen das neue Geldspielgesetz ist und wie er mit dem Online-Spielen Geld macht. (Bild: iStock)

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Wenn Jan* (31) das Casino betritt, tut er das nicht in der Schweiz, sondern auf der Isle of Man oder Gibraltar. Denn dort haben die populärsten Online-Pokerportale der Welt ihren Sitz: Pokerstars, Partypoker oder 888Poker.

Seit sieben Jahren setzt sich Jan immer wieder an den virtuellen Spieltisch. Seine Einsätze bewegen sich zwischen 40 und 200 US-Dollar. Wenn er gewinnt, fliessen mehrere Tausend Dollar zurück auf seine Kreditkarte.

«Ich weiss, wann genug ist»

«In einem Jahr kann ich 100'000 bis 150'000 Franken einnehmen – in einem anderen Jahr aber auch einige zehntausend verlieren», erklärt der Ostschweizer. Einige Jahre hat Jan mit Online-Poker teilweise seinen Lebensunterhalt bestritten. Damit gehört er zu den schätzungsweise 50 Schweizern, die vom Pokern leben können. Mittlerweile nutzt er seine Zahlenkenntnisse beruflich im Finanzwesen.

Jan sieht sich selbst nicht als spielsüchtig. Pokern sei faszinierend, weil es Komponenten von Glück und Strategie kombiniere. «Ich weiss, wann genug ist, ich verspüre keinen Zwang zu spielen. Eine strikte taktische Disziplin ist essenziell, um langfristig dabei zu bleiben». Pokerturniere würden auch viel Zeit in Anspruch nehmen – der schnelle Gewinn locke somit nicht.

Intensive Vorbereitung

Viel Zeit nehme mittlerweile das Studieren von Spielern und die Ausarbeitung von Taktiken ein. «Das Niveau ist gestiegen: Die Hälfte meiner Zeit investiere ich in die Analyse und die Lektüre», sagt Jan. Er stellt auch eine Professionalisierung fest: «Bekannte Spieler bieten Live-Streams ihrer Spiele an; in Foren wird intensiv über verschiedene Strategien debattiert.»

Zudem sei das Umfeld dynamischer geworden. Insbesondere Spieler aus China und Indien würden heute auf den Markt drängen. Spieler aus Italien, Spanien und den USA seien hingegen mehrheitlich verschwunden. «In diesen Ländern können die Pokerspieler nur noch auf nationalen Portalen ohne ausländische Mitspieler zocken», erklärt Jan. Deshalb verfolgt er die Diskussion zum neuen Geldspielgesetz in der Schweiz aufmerksam.

«Würde Sperren umgehen»

Er ist gegen das Gesetz. Es brauche die ausländischen Anbieter, denn Online-Poker funktioniere nur global, sagt Jan. Der Schweizer Markt sei viel zu klein und biete keinen ausreichenden Wettbewerb. «Dies wäre vergleichbar, wie wenn ein Radprofi wie Fabian Cancellara nicht mehr an internationalen Rennen wie der Tour de France teilnehmen dürfte und stattdessen nur noch an der Berner Meisterschaft fahren könnte», sagt Jan.

Auch wenn das Geldspielgesetz mit den Netzsperren vom Stimmvolk angenommen werde, halte ihn dies nicht vom Online-Pokerspiel ab. Er weiss von Kollegen in der Community, die aufgrund der drohenden Netzsperren bereits ihren Wohnsitz ins nahe Ausland verlegt haben. Das kommt für Jan nicht in Frage: «Ich würde es zumindest in Betracht ziehen, die Sperren technisch zu umgehen».

«Casinos wollen Monopol erhalten»

«Die Netzsperren sind ein Tabubruch», meint Jan. Es sei dies der Versuch der hiesigen Casinos, das Monopol auf das Online-Geldspiel in der Schweiz zu erhalten. Um den Schutz der Spieler würde es den Casinos nicht gehen. «Die Spielsüchtigen können nur von einem unabhängigen Gremium effektiv geschützt werden – nicht von den Casinos selbst», erklärt Jan. Diese Forderung sei aber nicht Teil der neuen Geldspielgesetzes.


*Name geändert

(bus)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pasci am 17.04.2018 20:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anfang vom Ende

    Dieses Gesetz darf nie durchkommen. Es wäre der Anfang vom Ende des freien Internet. Wer Spielsüchtig ist, findet andere Wege seine Spielsucht zu befriedigen.

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  • sigi am 17.04.2018 20:49 Report Diesen Beitrag melden

    Politiker & Globalisierung

    Politiker wollen die Globalisierung, aber nur dort wo es ihnen passt. So nicht meine Herren in Bern!

  • BSN am 17.04.2018 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Witz

    Auch wenn ich gegen diese Casinos bin - geplante Netzsperren sind lächerlich und hindern nicht daran den Zugang zu erhalten. Will ich z.B. Swisscom TV-Air live im Ausland sehen, wechsle ich auf eine Schweizer IP und werde als in der Schweiz erkannt. Genauso werden Sperren in China oder der Türkei umgangen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans Meiser am 18.04.2018 20:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schutz für alle

    Es gibt Leute die sind süchtig nach Zitronen. Soll man jetzt den Import für alle verbieten?

  • Michelangelo am 18.04.2018 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Internet-Zensur?

    Ein in der Schweiz verbotenes Geschäftsmodell zu sperren hat nichts mit Internet-Zensur zu tun!

  • Schwizer am 18.04.2018 18:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hilfe anbieten

    Die Spielsucht, eine Krankheit die total unterschäzt wird. Wenn euch in eurem Umfeld eine Aufällige Spielweise aufällt. Schweigt nicht, sondern sprecht die Person an bitte.

  • sagamol am 17.04.2018 21:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rechtsfreier Raum Internet?

    Wieso meinen die meisten Leute das Internet sei ein rechtsfreier Raum? Nur weil bis jetzt beinahe alles toleriert wird? Die Zukunft wird uns lehren, dass die vorgegaukelte unendliche Freiheit im Netz nicht funktioniert. Zensuren, Verbote, Abschaltungen und massive Strafen werden schon sehr bald eingeführt und dies ist auch gut so. In etwa so, wie auch jetzt schon mit harten Strafen gerechnet werden muss, bei Konsum von z.B. Kinderpornografie, Rassismus und noch einigem mehr. Dies ist doch auch richtig, Unsere Gesellschaft hat sich Gesetze auferlegt und die sind auch im Internet durchzusetzen.

    • Mr. Jister am 18.04.2018 19:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @sagamol

      Dann weicht man einfach auf das Darknet aus. Da können Politiker noch so viele Gesetze erlassen.

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  • AreSee am 17.04.2018 21:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lobbyisten

    Liegt es nich auf der Hand dass hier Lobbyisten die Finger gaaanz tief in die Politik hineinstecken? Ich frag mich, ist das nicht irgendwann illegal? Das ist doch Bestechung auf dem höchsten und offensichtlichsten Niveau!