Mario Corti

02. Oktober 2011 11:30; Akt: 02.10.2011 11:35 Print

«Das Grounding war beabsichtigt»

In der Zeitung «Sonntag» rechnet der damalige Swissair-Chef Mario Corti mit der Schweizer Elite ab. Eine Rettung der Airline wäre durchaus im Bereich des Möglichen gelegen.

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Mario Corti und der damalige Bundesrat Kaspar Villiger (im Vordergrund) informieren am 3. Oktober 2001 in Bern die Medien über das Grounding der Swissair. (Bild: Keystone)

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Zehn Jahre nach dem Swissair-Grounding üben zwei ehemalige Verantwortliche der Fluggesellschaft Kritik am damaligen Verhalten der Politik. In einem Gastbeitrag im «Sonntag» rechnet Mario Corti, zum Zeitpunkt des Groundings Chef der Swissair, mit der damaligen helvetischen Elite ab.

«Es bestanden und bestehen keine Zweifel, dass eine Rettung der Swissair-Gruppe auch nach den tragischen Ereignissen des 11. Septembers absolut möglich war», so Corti rückblickend. Das Grounding und die daraus folgenden Schäden seien keinesfalls ein gewissermassen unabwendbares Naturereignis gewesen.

«Grounding und Nachlassstundung waren beabsichtigt und wurden von den geistigen Vätern des 'Phönix'-Plans ganz bewusst in Kauf genommen. Der Bund entschloss sich erst nachher zur Hilfe», ist Corti überzeugt. Heute wisse man, dass dies eine sehr teure «Lösung» des ganzen Problems gewesen sei.

«Vertrauen gründlich und wohl für immer zerstört»

«Mein persönliches Vertrauen in gewisse Vertreter der helvetischen Elite wurde jedenfalls gründlich und wohl für immer zerstört», schreibt Corti weiter. Es bleibe nur zu hoffen, dass das unnötige und abwendbare Grounding der Swissair ein einmaliger und sich nicht wiederholender Unglücksfall gewesen sei.

Er würde auch heute noch von seinem damaligen Posten als Nestlé- Finanzchef zu Swissair zu wechseln. «Allerdings konnte ich im März 2001 nicht ahnen, als wie wertlos sich Zusicherungen von hochgestellten Exponenten erwiesen und mit welcher Niedertracht ich im Laufe der Krise konfrontiert werden sollte», schreibt Corti.

Schmidheiny: Bundesrat hat versagt

In einem Interview mit der «SonntagsZeitung» äusserte sich auch der Holcim-Grossaktionär und ehemalige Swissair-Verwaltungsrat Thomas Schmidheiny kritisch zur Rolle der Schweizer Politik.

«Ich bin überzeugt, dass die Swissair mit einer Bundesgarantie überlebt hätte», sagte Schmidheiny. Eine solche hätte die Kreditoren beruhigen und so den Untergang der Fluggesellschaft abwenden können. Der Bundesrat habe versagt, so das Fazit Schmidheinys.

Immerhin habe die Regierung «aus dem Fall Swissair gelernt und bei der UBS Milliarden eingeschossen.» In einem gewissen Sinne sei aber die Swissair, ebenso wie die UBS, zu gross gewesen, um fallengelassen zu werden, sagte Thomas Schmidheiny. «Ohne Fluggesellschaft ist die Schweiz nicht an die Welt angebunden.»

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Minnie Mouse am 02.10.2011 14:14 Report Diesen Beitrag melden

    So war es

    Ich zweifle keine Sekunde an der Richtigkeit von Herrn Cortis Aussage...

  • René Widmer am 02.10.2011 13:10 Report Diesen Beitrag melden

    Investmentbankmethode...

    Vermutlich haben ja die Banker vom feinen Investbanking massiv auf sinkende Kurse gewettet. Darum ist es ja logisch, dass die Banken nicht geholfen haben. Und der Bund zugeschaut hat, weil einige dieser Leute eben halt auch auf fallende Kurse spekuliert haben. So einfach ist das.

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  • bubu am 02.10.2011 18:37 Report Diesen Beitrag melden

    Swissair/Swiss Debakel

    Die Swissair bekam Landerechtprobleme und musste Allianzen schliessen an denen sie am Schluss zu Grunde ging. Die Nachfolgegesellschaft Swiss hat vom Bund 600Mio und Banken/Wirtschaft 2Mia erhalten. Der Swiss Verkauf 2005 an die Lufthansa erfolgte zu einem Schnäppchenpreis von 650Mio. In der Zeit von 2006 bis 2010 machte die Swiss "nun in Deutscher Hand" bereits fast 2Mia Gewinn. Das Swissair/Swiss Debakel passt zur Schweizerischen Wirtschaftsstrategie. Firmenperlen werden seit Jahren von unserer Elite nach dem gleichen Schema zerschlagen und ins Ausland verscherbelt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • René Kocher am 04.10.2011 07:57 Report Diesen Beitrag melden

    Schönwetterpilot im Turbulenzen-Jumbo

    Was hat ein Nestlé Schönwetterpilot in einem branchenfremden Turbulenzen-Jumbo zu suchen?Was nützen Zusicherungen von hochgestellten Exponenten ohne konkrete schriftliche Zusagen?Was nützt eine Nachlassstundung ohne sofortige Verfügbarkeit von Liquidität?Die Swiss-Air wäre zumindest nach dem Grounding mit den 2 Mia des Bundes zu retten gewesen aber nicht als Bank-Air oder Politik-Air.

  • PS aus B am 04.10.2011 07:28 Report Diesen Beitrag melden

    Hunter Strategie

    Wir wollen mal nicht vergessen, dass das Grounding leidiglich das Resultat von Bruggissers so ausgeklügelten Hunter-Strategie war. Kaufe marode und verlustreiche Airlines auf und maximiere dadurch den DB und den Gewinn. Ich habe BWL Studiert, aber eine solche Theorie ist mir nie untergekommen. Da fragt man sich schon wo gewisse "Wirschaftsführer" der confederatio helvetica waren als BWL gelehrt wurde...

    • Thilo Nuss am 04.10.2011 22:39 Report Diesen Beitrag melden

      McKinsey

      Die Hunter Strategie sah eigentlich vor profitable Airlines zu integrieren, wie wir alle wissen hat das die Swissair nicht umgesetzt. Schlussendlich haben Sie recht ist es eigentlich egal ob man den Cash-Flow mit profitablen oder verlustreichen Airlines vermindert, was dann schlussendlich zusammen mit 9/11 zum Grounding geführt hat, obwohl das McKinsey nicht gerne hört.

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  • tom weber am 03.10.2011 21:46 Report Diesen Beitrag melden

    Stümperhafte Manager

    Es braucht viele stümperhafte Manager, um eine gesunde und sehr gut positionierte Airlaine and die Wand zu fahren.

  • P. Hill am 03.10.2011 17:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schmidheiny sieht es völlig falsch

    Herr Schmidheini, sie sollten zuerst einmal überlegen was die Kosten gewesen wären und was die Konsequenzen gewesen wären. Die Swiss konnte nicht einmal überleben ohne die offenen Swissair Schulden begleichen zu müssen. Die Swiss war mit einem Start Kapital von sage und schreibe 4,7 Milliarden Franken nicht fähig, erfolgreich zu operieren. Deshalb musste sie für lächerliche 350 Millionen an die Lufthansa verkauft werden bevor sie ein zweites mal Konkus gehen würde. Ich bin nach wievor überzeugt das es keine National Airline braucht. Sofern Verkehr besteht in die Welt dann kommen auch alle anderen Airlines um dieses Segment zu bedienen. To Big to fail! Eine dumme Aussage von jenen die selber viel Geld damit verdienen. Ich kann ganz gut auch ohne UBS auskommen. Diese 68 Milliarden sind auch nicht korrekt. Die letzten Ereignisse zeigen ja das nichts gelernt wurde. Die Bank ist immer noch zu gross. Wenigstens wurde der Beschluss gefasst das sie das Eigenkapital erhöhen muss. Das reicht aber wohl kaum, wenn die Kontrollen immer noch versagen.

  • Johnny W. am 03.10.2011 16:53 Report Diesen Beitrag melden

    Misswirtschaft

    Sorry, aber die Swissair (bzw. das entsprechende Management) hat den Karren selber an die Wand gefahren. Einerseits soll sich der Staat so wenig wie möglich in die Wirtschaft einmischen, aber gleichzeitig den Schutzengel spielen?

    • Jonny Marroni am 03.10.2011 21:49 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig!

      Sie habens begriffen!

    • Rilga am 04.10.2011 00:53 Report Diesen Beitrag melden

      Das Übliche halt...

      Gewinne privatisieren, Verluste verstaatlichen. Das ist Gang und Gäbe!

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