Surfen statt reden

15. März 2019 05:52; Akt: 18.03.2019 12:49 Print

«Das Handy wird uns auseinanderbringen»

Wer Nachrichten beantwortet statt mit dem Partner zu sprechen, riskiert Unzufriedenheit und Depressionen – und eine Trennung. Leser erzählen.

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Das Handy ist ein Beziehungskiller – zumindest, wenn man die Finger nicht von ihm lassen kann. Wer ständig am Handy ist, fühlt sich in einer Beziehung einsamer und unglücklicher. Das belegt eine neue Studie der University of Arizona. Je stärker die Abhängigkeit vom Handy, desto weniger Erfüllung fanden die Befragten bei ihrem Partner.

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Stört das Handy Ihre Beziehung?

Für das Phänomen gibt es ein Wort: «Technoference» beschreibt die Ablenkung durch Technologie in wichtigen Momenten des Alltags. Ihre Folgen können gravierend sein. «Mein Partner sitzt am Abend viel vor dem Handy», sagt die 26-jährige Leserin A. P.*. «Wir haben einen Sohn. Ich muss ihm jedes Mal sagen, dass ich auch gern mal mit ihm einen Film schauen oder mit ihm Zeit verbringen würde, wenn der Kleine im Bett ist.» Das sei mühsam: «Eine Beziehung sollte doch da sein, um Zeit miteinander zu verbringen.»

Partner werden depressiv

Die Ablenkung durch Handy und Tablets kann sogar zu Depressionen führen. Das belegt eine Studie, die 2016 in der Fachzeitschrift «Psychology of Popular Media Culture» erschien. Die Autoren der Brigham Young University befragten Frauen, die mit einem Partner zusammenlebten.

Sie stellten fest: Je häufiger die gemeinsame Zeit eines Paares – etwa alltägliche Gespräche, gemeinsame Mahlzeiten oder Aktivitäten in der Freizeit – von der Nutzung eines Handys oder Computers unterbrochen wurden, desto mehr Konflikte gab es in der Beziehung. Mehr noch: Die Technologie-Nutzung führte zu mehr Unzufriedenheit mit der Beziehung, dem Leben allgemein und dazu, dass sich nicht nur die Frauen, sondern auch ihre Partner häufiger depressiv fühlten.

«Das bringt uns auseinander»

Die Forscher begründen das mit dem Signal, das Partner aussenden, wenn sie nur schon für einen kurzen Moment und unbeabsichtigt ihr Handy nutzen, statt sich voll und ganz dem Partner zu widmen: «Dieses Verhalten zeigt auf implizite Art und Weise, was wir am meisten schätzen. Das führt zu Konflikten und negativen Konsequenzen.»

Davon berichtet auch Leserin D. C.*. «Mein Freund ist ständig am Handy, statt die Zweisamkeit zu geniessen», sagt sie. «Ich verstehe es nicht. Entweder ist ihm das Handy wichtiger als ich oder er bemerkt das gar nicht. Eines Tages wird uns das auseinanderbringen», sagt die 26-Jährige. «Durch das Handy vergessen wir uns.»

«Wie körperlicher Schmerz»

Natürlich streiten Paare nicht nur wegen des Handys. Auch beim Autofahren könne man sich in die Haare geraten, schreibt das Magazin «Psychology Today». Der Unterschied: Wenn ein Partner das Handy der gemeinsamen Zeit vorzieht, sei das eine Form der Ablehnung, die schmerze. «Wer ein Gespräch, ein Essen oder einen romantischen Moment wegen einer Nachricht auf dem Handy unterbricht, sagt damit: ‹Was ich gerade auf meinem Handy mache, ist wichtiger als du.›» Solche Zurückweisungen – auch wenn sie noch so klein sein mögen – fühlten sich schmerzvoll an: «Das Hirn reagiert auf sie wie körperlichen Schmerz.»

Meist steckt keine böse Absicht dahinter. Leserin Anita*: «Abends verbringe ich gern etwas Zeit damit, Nachrichten zu beantworten und in den sozialen Medien zu surfen. Mein Freund nimmt mir dann das Handy häufig schon nach einer Minute weg und behauptet, ich sei süchtig.» Dabei nutze ihr Freund etwa die Zeit, in der sie koche, um selbst am Handy zu sein: «Das führt zu Diskussionen», sagt die 23-Jährige.

Handyfreie Zonen helfen

Dabei müssen Paare gar nicht auf ihr Smartphone verzichten, um glücklich zu bleiben. «Psychology Today» empfiehlt einige wenige Schritte: So sollten die Partner besprechen, wie sehr das Phänomen ihre Beziehung belastet und sich darauf einigen, dass es eine Smartphone-Nutzung gibt, die gut und wichtig ist – etwa, wenn es der Job erfordert oder um Kontakt zu Freunden und Familie zu halten.

Mit dem Partner soll man Erwartungen bezüglich einer fairen Nutzung definieren und sich überlegen, wie Störungen durchs Smartphone minimiert werden können. Die Zeitschrift empfiehlt zudem, sich Strategien zurechtzulegen, wie man Probleme wie etwa eine vergessene Aufgabe bei der Arbeit lösen könnte, ohne gleich einen gemeinsamen Moment zu stören. Ein weiterer Tipp: Die Schaffung von handyfreien Zonen und Zeiten – etwa das Schlafzimmer oder das gemeinsame Abendessen.

Das hat B. F. (24) geholfen. «Seit ich die Regel eingeführt habe, dass wir ab 20 Uhr unsere Handys nicht mehr anfassen und bei gemeinsamer Zeit immer öfter das Handy weglegen, ist unsere Ehe wieder viel harmonischer», sagt sie. Die 17-jährige Anna und ihr Partner stellen das Handy gar auf lautlos, wenn sie zusammen unterwegs sind. «Anrufe nehmen wir dann nicht entgegen, ausser sie kommen von der Arbeit oder Familienmitgliedern.» Streit wegen des Handys habe es dank dieser Regel noch nie gegeben: «Wir stellen das Handy nicht in den Mittelpunkt unserer Beziehung.»

(ehs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hene Michu am 15.03.2019 06:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Volkskrankheit

    Das ist die neue Volkskrankheit, ist traurig zu schauen auf der Strasse im ÖV im Restaurant da hatte ich noch eine schöne Jugend wir hatten zusammen geredet und gelacht anstatt "gechatet"

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  • Frau Meier am 15.03.2019 06:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Handysucht

    Zum Glück habe ich sie noch erlebt, die Handy-lose Zeit. Und es nervt mich schon bei Bekannten, wenn sie während Verabredungen nur am Telefon sind, geschweige denn bei einem Partner. Selber kann ich mein Telefon sehr gut weglegen und vergessen, auch wenn ich allein bin.

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  • Loreley am 15.03.2019 06:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unschöne Entwicklung

    In den letzten 3 Monaten wurden mein Mann und ich unabhängig voneinander in 2 verschiedenen Restaurants von wildfremden Personen angesprochen, dass es so schön sei, uns zuzuschauen, wie wir so intensive Gespräche führen. Fand ich sehr schön und auch bedenklich. Sollte doch einfach selbstverständlich sein, dass das Handy wegbleibt, wenn man zusammen essen geht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Andre am 16.03.2019 22:36 Report Diesen Beitrag melden

    Lautlos

    Und ich habe mein Handy immer auf lautlos. Schon seit ca. 5 Jahren sind meine Handys nie laut, ich weiss nicht mal, was mein eigener Klingelton ist.

  • B.R am 16.03.2019 21:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    dann ist es zu spät

    Wenn euer Partner/in nur am Handy ist, dann ist Er/Sie zu feige euch zu sagen ,dass er euch nicht mehr liebt und Ihr euch auseinander gelebt habt, hart aber wahr

  • I säge nüüt am 16.03.2019 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    Gratuliere zur Problemerkennung

    Gratuliere als rund 50 Jähriger, ohne Handy aufgewachsener, dass die halb so alten und jüngeren dieses Problem selbst erkannt haben. Beim IQ der Personen an den Klimawandel-Demos ist das nicht selbstverständlich. Vielleicht muss ich in Zukunft auf dem Trottoir sogar weniger den Typen ausweichen, die auf ihr Handy starren.

  • Jenny am 16.03.2019 18:32 Report Diesen Beitrag melden

    Selbst erlebt

    Wirklich schräg sind Paare die nebeneinander auf der Couch sitzen und sich Nachrichten schreiben. Wer denkt sowas gibts nicht, irrt leider. Ich hab das bei einem befreundeten Paar ständig erleben müssen. Mittlwerweile sind sie getrennt. Wir haben im Freundeskreis immer gerätselt, ob bei einen der beiden der Akku leer war und es deshalb zur Trennung kam.

    • Dino Saurier am 16.03.2019 20:57 Report Diesen Beitrag melden

      @Jenny

      Wenigstens kommunizierten sie noch elektronisch. Hätte der eine den Wirtschafts- oder Sportteil einer Zeitschrift gelesen und die andere Kreuzworträtsel in einem Modeheft gelöst, hätten sie vielleicht noch weniger miteinander gesprochen.

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  • Te Rasse am 16.03.2019 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Handy

    Bringt zusammen um zu trennen