Militärhistoriker

18. Mai 2014 14:34; Akt: 19.05.2014 11:06 Print

«Das Nein zum Gripen ist ein politisches Novum»

von Nicole Glaus - Noch nie hat das Schweizer Stimmvolk ein so grosses Rüstungsgeschäft der Armee abgelehnt, sagt Militärhistoriker Michael Olsansky.

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Michael Olsansky ist Dozent für Militärgeschichte an der Militärakademie der ETH Zürich

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Die Schweizer haben die Beschaffung des Gripen abgelehnt. Seit knapp 30 Jahren ist dies erstmals wieder eine schmerzhafte Abstimmungsniederlage für die Schweizer Armee.

Wo ist das Gripen-Nein in der Geschichte des Schweizer Militärs einzuordnen?
Michael Olsansky:
Es ist das erste Mal, dass das Volk ein so grosses Rüstungsgeschäft versenkt hat. In der Geschichte hatte es zwar schon mehrere brisante Armee-Abstimmungen gegeben, diese Niederlage ist jedoch ein politisches Novum.

Auch CVP-Bundesrat Arnold Koller verbuchte bereits vor 27 Jahren mit der Rothenturm-Initiative eine grosse Niederlage. Die Armee musste danach auf den geplanten Bau des Waffenplatzes im Schwyzer Moorgebiet verzichten. Worin unterscheidet sich das Nein zum Gripen?
Damals ging es vor allem auch um Naturschutz. Das Nein zum Gripen ist von grösserer militärpolitischer Bedeutung: Kampfflugzeuge haben in der Schweiz einen grossen Symbolcharakter. Das ist schon bei der F/A-18 Initiative 1993 so gewesen. Damals wollte die GsoA die Beschaffung von 34 dieser Kampfflugzeuge verhindern. Das Volk lehnte die Initiative ab. Die Kampfjet-Befürworter warben damals erfolgreich mit dem Slogan «Gegen eine Armeebeschaffung auf Raten» für ihr Anliegen. Die damalige Schlussfolgerung des Vokes war: «Ohne F/A-18 keine Luftwaffe, ohne Luftwaffe keine richtige Armee.»

Was hatte die damalige Initiative für Folgen in der schweizerischen Armeedebatte?
Das Pendel schlug damals auf die Seite der Armee-Befürworter um. In den Jahren danach kam die Armee bei Volksabstimmungen stets gut weg. Dies zeigte insbesondere die zweite Armeeabschaffungs-Initiative von 2001. Nur noch 21,9 % der Abstimmenden sprachen sich für eine Abschaffung der Armee aus.

Das heisst, dass nun das Pendel auf die Seite der Armee-Gegner umschlägt?
Das gibt den armeekritischen Kräften sicher Aufwind. Vor allem wenn es um die Frage der Anschaffung künftiger Kampfjets geht. Die gemäss der Luftwaffe in einigen Jahren überbeanspruchte F/A-18-Flotte muss wohl frühzeitig ab 2025 ersetzt werden Nun dauert eine Kampfjetbeschaffung von der Initiierung bis zum Abschluss aber ca. 10 Jahre. Man müsste sozusagen morgen den Ersatz der F/A-18-Flotte einleiten. Es wird interessant zu beobachten sein, wie sich hier das Gripen-ablehnende aber armeebefürwortende Politspektrum verhalten wird.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Soldat Läppli am 18.05.2014 14:47 Report Diesen Beitrag melden

    Armee abschaffen!

    Toll, dann können wir doch gleich die Armee auch abschaffen.

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  • Renato, LW am 18.05.2014 21:31 Report Diesen Beitrag melden

    Facts

    Auch wenn ich anderer Meinung war, kann ich den heutigen Entscheid verstehen. Aber mit einigem Unwissen von Journalisten und Lesern muss ich hier doch noch aufräumen: 1. Unser Luftraum wird nicht nur zu Bürozeiten (hach, wie lustig!) überwacht. 2. Bürozeiten gelten nur für die Jets und weil das Volk es so will (wenig Geld für die Jets, Nachtruhe etc.) 3. Mit Helis, PC-21 oder Lenkwaffen kann man keine fremden Kampfjets kontrollieren, welche - öfters als man denkt - über die Schweiz fliegen! 4. Testpiloten können einen Jet sicher besser beurteilen als jemand, der zuhause Google fragt.

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  • GSoA-Gegner am 18.05.2014 18:20 Report Diesen Beitrag melden

    Die GSoA hat gewonnen

    Bravo Jet-Gegner, jetzt habt ihr der GSoA einen Grund zur Freude gegeben und ihr Stärke verleiht die Schweizer Armee Stück für Stück abzuschaffen! Morgen lehnen wir die Beschaffung neuer Ausrüstung für Soldaten ab, dann neue Fahrzeuge und zum Schluss schaffen wir noch die Kasernen ab, dann braucht es keine Abstimmung über den Erhalt der Armee, die ist dann nämlich schon weg! GSoA dankt euch!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Manu G am 19.05.2014 21:02 Report Diesen Beitrag melden

    Nein Gripen!

    nicht diskutieren...akzeptieren!!!!

  • James am 19.05.2014 20:11 Report Diesen Beitrag melden

    Wann war der Urnengang der anderen Fälle

    Meines Wissens wird höchst selten das Volk zu Rüstungsfragen konsultiert. Der Gripen stellt da eine seltene Ausnahme dar.

  • Michi am 19.05.2014 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    Ja ein schöner Flieger, aber

    Ich habe nein gestimmt, nicht etwa weil ich ein Armeegegner bin, sondern weil mich diese unendlich vielen Ja-Plakate gestört haben. Dort steht: "Sicherheit zuerst", schön...aber etwa zur selben Zeit, als diese Plakate auftauchten wurde bekannt, dass die Bundesregierung wieder 300 Mio Franken beim Grenzwachtkorps einsparen will.

  • Sandro am 19.05.2014 19:01 Report Diesen Beitrag melden

    Selbst ist der Mann

    Ich verstehe nicht, warum die 10 Milliarden nicht dafür genutzt werden, eine eigene Industrie in diesem Bereich aufzubauen? Mit 10 MILLIARDEN kann man ganz schön viel entwickeln. Dann könnten wir selbst Flugzeuge verkaufen und uns unsere Flugstaffel so finanzieren. Aber es ist eben einfacher, dem Steuerzahler das Geld aus dem Sack zu ziehen. Wir bräuchten einfach endlich mal Politiker mit Fantasie statt diesen unmerklich austauschbaren 0/815 - Typen. Egal, von wem wir Flugzeuge kaufen: im Ernstfall gehen uns die Ersatzteile und der Nachschub aus, weil wir auf diese Weise abhängig sind.

  • thomas 73 am 19.05.2014 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    F-22 Raptor

    Wenn nicht der Gripen, welchen dann? Wenn schon viel Geld ausgeben, könnten wir ja die Amis fragen, ob sie für uns die Produktion des F-22 Raptor wieder aufnehmen, welcher ein Stückpreis von 140 Millionen Franken hat. Dann hätten auch die Gegner etwas davon. :P