Durchfall in der Armee

26. Juli 2019 12:47; Akt: 26.07.2019 17:58 Print

Alle 91 Patienten können in den Wochenendurlaub

Die Armee sucht fieberhaft nach der Ursache für den Massen-Durchfall in der Kaserne Sion. Armeeangehörige haben das Geflügel im Verdacht.

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In Jassbach im Emmental kommen Anfang Juli 43 Soldaten per Ambulanz oder Helikopter ins Spital. Der Grund: Schwerer Durchfall und Erbrechen. Vier befinden sich in kritischem Zustand. Es wird eine Quarantäne verhängt. In Sion VS haben 90 Soldaten Durchfallprobleme. Sie machen gerade die Militärpolizeischule. Der Grund für die Beschwerden ist nicht bekannt. Ein Virus als Ursache wird ausgeschlossen, dafür wird über verdorbenes Poulet als Auslöser spekuliert. Ein ehemaliger Rekrut kritisierte die Zustände in der dortigen Küche. «Dasselbe Poulet wurde uns dreimal hintereinander aufgetischt.» In Bière VD leiden 30 Soldaten unter Durchfall. Ursache ist offenbar ein kalter Salat, der zu warm geworden war. 73 Rekruten der Infanterie-Kompanie in Chur liegen flach. Sie leiden unter Magen-Darm-Beschwerden, Durchfall und Erbrechen. Die Rekruten werden unter Quarantäne gestellt, das Norovirus als Ursache ausgeschlossen. Der Truppenarzt geht aber von einem Infekt aus. In Zuchwil SO klagen 40 Rekruten über Magen-Darm-Beschwerden. Ein Armeeangehöriger muss ins Spital. Er hat das Norovirus. Die Magen-Darm-Grippe grassiert in der Rekrutenschule der Sanitäter in Airolo TI. Mindestens 50 Personen erkranken daran. 39 Angehörige der Flab-Rekrutenschule in Emmen leiden unter Brechdurchfall und Fieber. Ausgelöst wurden die Magen-Darm-Probleme durch Rotaviren. In der Kaserne Birmensdorf leiden 70 Angehörige der Infanterie-Durchdiener-RS unter Brechdurchfall. 15 Angehörige der ABC-Abwehrschule leiden an Durchfall und Erbrechen. Die Armee geht vom Norovirus als Ursache aus. Für die Hygiene in den Kasernenküchen sind die kantonalen Lebensmittelinspektoren zuständig. Sie können jederzeit während der Betriebszeiten der Küche Kontrollen durchführen. «Die Kontrollen erfolgen in der Regel unangemeldet», heisst es im Reglement «Lebensmittelhygiene in der Armee». Zusätzlich überwacht das Lebensmittel-Hygieneinspektorat der Armee die Küchen. Armee-Sprecherin Delphine Allemand erklärte 20 Minuten nach dem Vorfall in Jassbach, dass Mängel sofort behoben würden. «Fehlbare Personen können diszipliniarisch bestraft werden.»

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In der Militärkaserne in Sion leiden 91 Soldaten an Durchfall. Es ist der dritte Fall innert eines Monats: Anfang Juli hatten Armeeangehörige in Bière VD und in der Kaserne in Jassbach im Emmental mit Magen-Darm-Problemen zu kämpfen.

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20 Minuten hat mit einem Armeeangehörigen in Sion gesprochen. Er sagt: «Einigen Soldaten geht es wirklich schlecht.» Die Krankenstation sei überlaufen. Andere hingegen würden simulieren, weil morgen eine schwere Übung anstehe. Diese sei bei der aktuellen Hitze besonders heftig. Den Armeeangehörigen sei nun ein Mundschutz verteilt worden. Die WCs würden desinfiziert.

«Ich esse lieber Snickers und Mars»

Soldaten spekulieren, inwiefern die Zustände in der Küche für die Erkrankungen verantwortlich sind. Ein Armeeangehöriger sagt: «Es wird unhygienisch gekocht hier.» Er sagt, am Montag sei am Mittag Poulet auf den Teller gekommen. «Es war zum Teil noch roh.» Am Montagabend habe es überdies Poulet-Cordon-bleu gegeben. Am Donnerstag seien dann die Pouletreste vom Montag aufgetischt worden, behauptet er. Er frage sich, wo die Lebensmittelinspektoren bleiben würden.

Er selbst sei bislang nicht betroffen, da er wohlweislich nur den Reis und den Couscous gegessen habe. «Ich esse lieber Snickers und Mars. Der Zucker ist nicht gesund, aber es ist alleweil besser, als krank zu werden.» Ein 20-Minuten-Leser, der vor Ort ist, glaubt ebenfalls ans Poulet als Ursache: «Ein Rekrut hat nur Couscous gegessen und hat keine Probleme.»

Untersuchungen laufen

Armee-Sprecher Daniel Reist sagt zu 20 Minuten, Ärzte der Armee untersuchten den Fall vor Ort. Was die Magen-Darm-Probleme ausgelöst habe, lasse sich noch nicht sagen. Zu den Vorwürfen des Soldaten, dass halbgares Poulet Tage später wieder aufgewärmt worden sein soll, äussert sich Reist nicht.

Reist sagt, es gebe im Juli tatsächlich eine ungewöhnliche Häufung von Magen-Darm-Fällen. Einen Zusammenhang zwischen den Vorkommnissen gebe es aber nicht. Dass die Schweizer Armee ein Hygieneproblem in der Küche habe, könne man nicht sagen. «Klar ist, dass es beim Zusammenleben auf engem Raum bei grosser Hitze mehr Hygieneprobleme gibt.»

Nach dem Vorfall in Jassbach BE wurde ebenfalls über Poulet als Auslöser spekuliert. Die Untersuchung dazu läuft noch, wie die Militärjustiz auf Anfrage mitteilt. In Bière hatte ein verdorbener Salat den Durchfall ausgelöst.

Kontrollen möglich

Für die Hygiene in den Kasernenküchen sind die kantonalen Lebensmittelinspektoren zuständig. Sie können jederzeit während der Betriebszeiten der Küche Kontrollen durchführen. «Die Kontrollen erfolgen in der Regel unangemeldet», heisst es im Reglement «Lebensmittelhygiene in der Armee».

Zusätzlich überwacht das Lebensmittel-Hygieneinspektorat der Armee die Küchen. Armee-Sprecherin Delphine Allemand erklärte 20 Minuten nach dem Vorfall in Jassbach, dass Mängel sofort behoben würden. «Fehlbare Personen können disziplinarisch bestraft werden.»

Alle Patienten aus Sion können am Samstagmorgen in den Wochenendurlaub entlassen werden. Dies teilte das VBS am Freitagabend mit.

(daw/pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Phillip Gerber am 26.07.2019 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Beschwerden

    Es sind nicht 90 Rekruten, sondern ungefähr 150. Bin selber vor Ort, zum Glück jedoch nicht betroffen

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  • Zäpfli am 26.07.2019 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Besserung

    Die sind nicht zu beneiden, Magen-Darm-Problemen bei dieser Hitze ist wie wenn man dem Teufen einen Besuch macht.

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  • Petra am 26.07.2019 09:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Magen-Darmprobleme

    Was ist denn mur los mit der Hygiene los? Ich würde im Militär gar nichts mehr essen! Das jann doch nicht sein, dass alle paar Wochen so viele Menschen mit Magen-Darmproblemen kämpfen müssen?! Ich würde die Massnahmen betreffend der Hygiene massiv ändern. Zeige es euch gerne!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Putzteufel am 26.07.2019 22:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer die Anderen

    Wiso sind immer die Köche Schuld? Wenn ich dies so in meinen letzten WK zurückblicke wird vielmals das Putzen der Kaserne von den eigene Leute immer als übertrieben angeschaute. Doch vielleicht sollten nun die einen oder andern mal doch den Besen und Wischmob zur Hand nehmen und die Zimmer wie Toiletten mehrmals täglich putzen.

  • Andreas am 26.07.2019 22:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Handy ist eine Bakterien Schleuder

    Kein wunder wenn alle das Natel mitnehmen sogar auf Toilette, anschliessend betretet man die Küche natürlich ist das Natel immer griffbereit und packt den weiten sich aus. Nimmt das Handy weg es ist eine Bakterien Schleuder.

  • aw55 am 26.07.2019 21:48 Report Diesen Beitrag melden

    Lebensmittel

    Ich glaube nicht, dass die Armee soooo schlechte Küchenchefs hat.

  • Chief Operating Officer bei Umbrella Cor am 26.07.2019 21:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schachmatt

    Ist ja bedenklich, das es in der glooreichen schweizer aarme nicht möglich ist, anständig zu kochen und die halbe armee flachzulegen.

  • Sergio Marquina am 26.07.2019 21:29 Report Diesen Beitrag melden

    Gschieder Ravioli

    Wie wärs, wen die Armee einfach jegliches Gericht mit Poulet von der Menü Karte streichen würde!