Das Gesetz und die Folgen

31. März 2010 10:51; Akt: 31.03.2010 12:18 Print

«Das Rauchverbot ist ein Berufsverbot»

von Felix Burch - Ab 1. Mai gilt schweizweit ein Rauchverbot - mit teilweise absurden Folgen. So darf im «Tabaklädeli» nicht mehr geraucht werden. Experten sagen: ein Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Oskar Brühwiller (61) führt in St. Gallen seit 35 Jahren ein «Tabaklädeli», und das sehr erfolgreich. Grosse Leute aus Wirtschaft und Politik, nicht nur aus der Schweiz, kaufen bei ihm ein. Als Beweis dafür zeigt Brühwiller Dankesbriefe, öffentlichmachen will er die Liste aus Diskretionsgründen nicht. Brühwiller ist zudem mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet worden, unter anderem darf er sich «1. Habanos Specialist Switzerland» nennen.

Brühwillers Umsatzzahlen sind hervorragend, trotzdem sieht seine Zukunft düster aus. Durch das Rauchverbot wird es ihm verboten, in seinem Tabakshop zu rauchen und rauchen zu lassen. Die Degustation von Raucherwaren im Fachgeschäft ist verboten, wenn nicht ein Fumoir zur Verfügung steht. «Das kommt für mich einem Berufsverbot gleich», sagt Brühwiller.

«Dann höre ich lieber auf»

Im Gegensatz zu den grossen Geschäften konnte er bis anhin seine Kunden an der Tabak-Bar Tabakmischungen zusammenstellen und sie diese probieren lassen, die Mischungen anpassen. «Das war nicht nur eine Dienstleistung, wodurch wir uns von anderen abheben konnten, das Gespräch mit den Kunden, das Mischen, das Rauchenlassen, das bereitete mir ausserordentlich viel Freude.» Ohne diese Freude an seinem Beruf möchte er nicht weitermachen. «Wenn ich meine Kunden ihr Produkt nicht im Laden degustieren lassen kann, dann höre ich lieber auf.»

Er sei ein Vollblutspezialist, für den halbe Sachen keine Sinn machten. Ein Fumoir einzurichten ist in seinem winzigen Laden unmöglich. Brühwiller vergleicht die Situation mit einem Weinhändler, dessen Kunden den Wein nicht mehr degustieren dürfen. Vorerst will er abwarten und schauen, ob und wie oft er kontrolliert wird, und dann allenfalls den Laden schliessen. «Um rechtlich gegen das Gesetz vorzugehen, bin ich zu alt.»

«Ein Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit»

Dabei hätte er durchaus Aussicht auf Erfolg. Professor Thomas Geiser von der Universität St. Gallen ist der Meinung, das Rauchverbot könnte in diesem Fall ein Problem sein. «Tabakläden im gehobenen Segment leben davon, ihre Ware in gepflegtem Ambiente anbieten zu können,» sagt Geiser vom Forschungsinstitut für Arbeit und Arbeitsrecht. In dieser Branche sei das Rauchverbot ein Eingriff in das Grundrecht der Wirtschaftsfreiheit.

Auf der anderen Seite könne man aber auch sagen, das Rauchverbot sei eine vermeintlich sinnvolle, effiziente Massnahme gegen das Rauchen, wenn dem «Tabaklädeli» die Kunden davonlaufen.

Fakt ist, dass das Raucherverbot konsequent durchgesetzt wird und für alle gleich gilt. Es sind keine Ausnahmen für Tabakverkäufer vorgesehen. Die Zukunft für «Lädeli» wie das von Brühwiller ist deshalb höchst ungewiss.

Was meinen Sie? Geht das Rauchverbot zu weit? Schreiben Sie uns, Ihre Meinung interessiert uns.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tom am 01.04.2010 07:39 Report Diesen Beitrag melden

    Alkohol 2

    Sie sagen Rauchen tötet. Was ist denn mit den Autos, dem Alkohol etc. - müssen sofort verboten werden! und die Industrie auch, das Militär sowieso. Ich würde eigentlich die Welt verbieten ;-) Ist ja lächerlich, werde auf jeden Fall Rauchen wann und wo es mir passt - immer!

  • Simon Sieber am 31.03.2010 17:58 Report Diesen Beitrag melden

    AHV-Märchen

    Weiter unten schreibt P.Seglias, dass wir die 3 Mrd. AHV-Beiträge von den Rauchern nie verschmerzen würden. Dazu mein Kommentar: 30% vom Lohn wegen den Zigarettenabgaben??? das kann man ja mit einer Milchbüchleinrechnung widerlegen. Gemäss BFS gibt es in der Schweiz rund 4.5 Mio Beschäftigte. Gemäss Ihrer Rechnung würde demzufolge jeder Beschäftigte einen JAHRESLOHN von 2'222 Fr. nach Hause tragen. Soviel mal zu den Stammtisch- und/oder Raucherargumenten. Alles an den Haaren verbeigezogen.

    einklappen einklappen
  • MarlonM am 31.03.2010 21:26 Report Diesen Beitrag melden

    Geht euch informieren?

    Fumoirs oder Raucherlokale Ausnahmen sind aber möglich. Etwa können weniger als 80 Quadratmeter grosse Restaurationsbetriebe als Raucherlokale zugelassen werden. Grössere Lokale können Fumoirs für Raucher einrichten. Wer in einem Einzelbüro oder im Freien arbeitet, darf ebenfalls rauchen. Schluss mit Rauchen ist hingegen in Einkaufszentren, Schulen, Kinos und Sportanlagen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • renata.nydegger@hotmail.com am 23.04.2010 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    Rauchverbot

    Gottseidank darf man bald in der Schweiz Rauchfrei essen und die Gesundheitsschädigenden Rauchemissionen belästigen einem nicht mehr. Nichtraucher waren bis jetzt die Diskriminierten und Niemand hat realisiert,dass auch wir eine Persönliche Freiheit haben möchten = frei zu atmen ! R.N.

  • Peter Leiser am 22.04.2010 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    Verkauf von tötungsmittel legal?

    Auf jeder Packung Zigaretten steht Rauchen ist Tödlich Wenn das stimmt, Warum darf dan etwas das Tödlich ist Verkauft Werden? Mir Persönlich fehlt der Beweis dass irgend jemand nur wegen dem Rauchen oder Passivrauchen gestorben ist. Rauche selber seit mehr als 40 Jahren ca 60 Zigaretten pro Tag, hatee bis und mit Heute noch NIE gesundheitliche Probleme deswegen, keinen Husten etc. Stelle mich gerne zur Verfügung für einen Medizinischen Test Wenn ich etwas nicht vertrage muss ich es auch nicht tun. Oder werden etwa Erdnüsse verboten weil es Allergien Auslösen kann?

  • Franz Kurz am 22.04.2010 06:57 Report Diesen Beitrag melden

    Rentner

    Es braucht solche drastische Massnahmen wie Rauchverbote usw. Unsere vor allem die Jüngeren kennen keinerlei Anstand mehr. Sie setzen sich im Lokal neben dich, blasen dir den Rauch ungeniert ins Gesicht, ohne vorher zu fragen, ob das Rauchen stört. Durch das Rauchver- bot sollen vor Allem die Jungen vom Rauchen abgehalten werden und in den Lokalen soll das Personal geschützt sein. Alles in Allem eine gute Sache.

  • Rolf F. am 04.04.2010 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    @CUMU

    Ja, genau! Und die Fettleibigen sollen ebenso aus der Krankenkasse geworfen werden, wie die Alkis auch. Nun irgendwann wann wirst auch Du aus der Krankenversicherung geworfen. Vielleicht weil Du ein militanter Nichtraucher bist! Vielleicht weil Du unfähig bist in einer sozialen Gesellschaft zu leben ;-)

  • tim am 01.04.2010 14:09 Report Diesen Beitrag melden

    kein Problem

    Bei uns sind die Club's schon seit längerem rauchfrei, sollten zumindest sein. Ich genehmige mir jedoch zu meinem Bier die Zigarette, auch in der Disco ;-)