FDP für Atomausstieg

25. Dezember 2011 09:04; Akt: 25.12.2011 09:27 Print

«Das Restrisiko ist zu gross»

Jetzt schwenkt auch die FDP um: Der einzig mögliche Weg in der Energiefrage sei der Atomausstieg. Präsident Fulvio Pelli findet, es sei «insgesamt zu gefährlich, so weiterzugehen wie bisher».

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In welche Richtung soll die Schweizer Atompolitik gehen? FDP-Präsident Fulvio Pelli hat seine Meinung geändert. (Bild: Keystone)

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Langfristig soll sich die Schweiz von der Atomkraft verabschieden. Diese Meinung vertritt jetzt auch die FDP. Deren Präsident Fulvio Pelli bekräftigt im Interview mit der Zeitung «Der Sonntag»: «Es ist insgesamt zu gefährlich, so weiterzugehen wie in der Vergangenheit.» Schliesslich findet Pelli klare Worte: «Das Restrisiko ist zu gross».

So tönt es von Seiten der FDP zum ersten Mal. Noch im Sommer enthielt sich die Partei aus Ratlosigkeit geschlossen der Stimme, dann versuchten mehrere Exponenten unter dem Vorwand «Nein zum Technologieverbot» den Ausstieg vom Ausstieg einzuleiten. Bei einer Abstimmung in der Fraktion vor drei Wochen trat die Spaltung innerhalb der Partei deutlich zutage: 13 Fraktionsmitglieder sprachen sich für einen Ausstieg aus, zehn dagegen. Unter den Gegnerinnen befand sich auch Fraktionschefin Gabi Huber. Pelli selbst hatte an der Abstimmung nicht teilgenommen.

Strafen für Viel-Verbraucher

Jetzt also die Kehrtwende. Grundsätzlich sei die Partei mit dem Ziel Atomausstieg einverstanden, so Pelli im «Sonntag» weiter. «Wir wehren uns aber gegen den von der Regierung eingeschlagenen Weg.» Denn dieser werde nicht zum Ausstieg führen, sondern nur zu einer starken Erhöhung der Energiekosten.

Pelli sieht für den Ausstieg einen liberalen Ansatz, der auf Anreizen basiert. So möchte er zum Beispiel den Hausbesitzer vorschreiben, wie viel Energie sie bis 2035 verbrauchen dürften. Wer das Ziel nicht erreicht, wird bestraft. «Er zahlt ab dann für den Energiekonsum den fünffachen Preis. Jeder kann so selber entscheiden, wie er den Zielwert erreicht», sagt Pelli. Nun sucht der FDP-Präsident nach Verbündeten für seinen Weg. Offenbar hat die Parteispitze mit den Grünliberalen und den Grünen entsprechende Gespräche geführt.

(jam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • S. Tromer am 26.12.2011 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    Mir graut....

    So, so. Jetzt fängt auch die FDP an vorzuschreiben und zu büssen. Fertig liberal, fertig Eigenverantwortung! Oder fängt sie an Stimmen für die nächsten Wahlen zu sammeln, damit sie nicht zur Bedeutungslosigkeit verkommt? Und wo sind die Rezepte für den stetig steigenden Mehrverbrauch in Sachen Strom? Immer mehr Menschen, immer mehr stromabhängige Geräte, Elektroautos, Wärmepumpen anstatt Oel usw. Dafür Gaswerke mit Ablasshandel (Zertifikaten), Strom aus maroden, ausländischen Meilern an der Grenze. Der Wahnsinn hat einen Namen: Atomhype. Profitieren wollen alle davon - ob sinnvoll oder nicht!

  • Boit am 25.12.2011 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Richtiger Weg

    Der Ansatz über die Kosten den Energieverbrauch zu steuern, finde ich richtig. Das Konzept - wie beschrieben - scheint mir allerdings noch ein wenig unausgereift ...

    einklappen einklappen
  • Danny am 28.12.2011 07:27 Report Diesen Beitrag melden

    Fuku - what?

    Der Hype um Fukushima ist vorbei. Ist ja nix mehr passiert in den letzten paar Monaten. Der Mensch hat ein kurzes Gedächtnis. Energiestrom sei zu teuer, heisst es. Weder Firmen noch Private wollen die paar Franken Differenz bezahlen. Motto: "warum werden an dieser gefährlichen Kreuzung, wo's dauernd Tote und Verletzte gibt, keine Signale aufgestellt?" Antwort: "hatten wir 5 Jahre lang, aber weil nie was passierte, haben wir sie wieder abgebaut."

Die neusten Leser-Kommentare

  • Danny am 28.12.2011 07:27 Report Diesen Beitrag melden

    Fuku - what?

    Der Hype um Fukushima ist vorbei. Ist ja nix mehr passiert in den letzten paar Monaten. Der Mensch hat ein kurzes Gedächtnis. Energiestrom sei zu teuer, heisst es. Weder Firmen noch Private wollen die paar Franken Differenz bezahlen. Motto: "warum werden an dieser gefährlichen Kreuzung, wo's dauernd Tote und Verletzte gibt, keine Signale aufgestellt?" Antwort: "hatten wir 5 Jahre lang, aber weil nie was passierte, haben wir sie wieder abgebaut."

  • Jr am 27.12.2011 22:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was wenn nuklear sicher gemacht werden koennte?

    Woher sollen eigentlich die techniker kommen, die unsere atomkraftwerke bis kurz vor der abschaltung bedienen, wenn wir einen sehr kurzfristigen atomausstieg mit technologieverbot durchziehen. Herr pelli hat recht: das restrisiko ist zu gross, wir muessen aus der atomenergie, so wie jetzt ist, raus. Aber gesichert und geplant. Da muessen nocht viele technologische errungenschaften gemacht werden, bis wir die stromlücke auch nur ansatzweise schliessen können, ohne krasse einschnitte zu machen. Darum muss man der wissenschaft und wirtschaft platz lassen zum forschen. Auch im nuklearen bereich!

  • W. Aehler am 27.12.2011 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    FDP = Rest und Risiko

    Das sehe ich genau so! Das restliche Risiko in Zukunft noch FDP wählen zu dürfen (können) ist eindeutig zu gross. Was wurde nur aus der einst so grossartigen und wegweisenden Partei, der die Schweiz so viel zu verdanken hat? Eben - ein Restrisiko!

  • elmex am 27.12.2011 09:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Windfahne?

    Oha, der Wind hat kurzfristig gedreht! Das ist doch normalerweise das Markenzeichen der CVP. Die FDP braucht sich nicht "neu" zu erfinden. Bräuchte aber an der Spitze jetzt eine charismatisches Aushängeschild.

  • R.Lüthi am 26.12.2011 23:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Zweck heiligt offenbar die Mittel...

    Politisch betrachtet ist diese Haltung mittlerweile sexy und die FDP bzw. Fulvio Pelli weiss ganz genau, dass nur damit der Wählerschwund einigermassen aufgehalten werden kann. Ob dies auch innere Ueberzeugung ist, wage ich zu bezweifeln, genau so wie ich bezweifle, ob der A-Ausstieg langfristig Sinn macht.