Medienmonitor 2017

13. November 2018 16:23; Akt: 13.11.2018 16:23 Print

«Das Resultat nimmt 20 Minuten in die Pflicht»

von D. Pomper - 20 Minuten leiste einen wichtigen Beitrag zum politischen Informationsstand bei den Jungen dieses Landes, sagt Studienautor Stefan Thommen.

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Herr Thommen*, Publicom hat die Meinungsmacht Schweizer Medien analysiert. Wie definiert sich diese Meinungsmacht genau?
Wir wollten das Meinungsbildungspotenzial verschiedener Medien aufzeigen. Das heisst, wie erfolgreich Medien sind als Gefässe, die Meinungen zu den Leuten transportieren können.

Wie sind Sie dafür genau vorgegangen?
Wir haben einerseits Schweizer gefragt, inwieweit sie ihren genutzten Medienmarken die zentrale Leistungsattribute Glaubwürdigkeit, Kompetenz, Relevanz und Sympathie zuschreiben, und andererseits, welche Bedeutung die Angebote als individuelle Informationsquellen erlangen. Dann haben wir diese qualitative Markenleistung als Informationsmedium mit der offiziellen täglichen Reichweite der Medienmarke verrechnet und in die Meinungsmacht-Indexzahl von 1 bis 100 überführt.

20 Minuten ist das Schweizer Medium mit der grössten Meinungsmacht. Warum?
20 Minuten punktet einerseits mit seiner Reichweite: Es ist das einzige Medium, das in allen drei Landesteilen präsent ist und dabei ein sehr grosses Publikum erreicht. Andererseits schneidet es auch bei der Markenleistung mit einer Punktezahl von 64 auf einer Skala von 100 ansprechend ab. Das heisst, 20 Minuten wird zum Beispiel als glaubwürdiges, kompetentes und relevantes Medium wahrgenommen. Zum Vergleich: SRF 1 erreicht einen Wert von 77, der «Blick» kommt auf 53 Punkte.

20 Minuten wurde und wird auch heute von vielen belächelt. Hat Sie das Resultat nicht entsprechend erstaunt?
Nein. Ich wusste, dass 20 Minuten ein grosses Publikum hat. Und eben auch mit seinem Inhalt zum Publikum durchdringt und Erfolg hat. Das inhaltliche Konzept von 20 Minuten stimmt. Das Medium berichtet zwar auch über leichte, streitbare Themen. Aber es erfüllt eben auch seine Informationsfunktion bei der politischen Berichterstattung. Es gibt andere Studien, die in Alarmismus verfallen und die sinkende Qualität beklagen. Sie verkennen aber eine weitere Stärke von 20 Minuten.

Welche?
20 Minuten ist das mit Abstand grösste Medium in der Schweiz, das die unter 30-Jährigen erreicht und damit eine gesellschaftlich wichtige Informationsleistung erbringt. Das Medium leistet einen wichtigen Beitrag zum politischen und kulturellen Informationsstand bei den Jungen dieses Landes.

Soziale Medien wie Facebook, Youtube, Instagram oder Snapchat dürften das junge Publikum aber mindestens so gut, wenn nicht sogar besser erreichen als 20 Minuten.
Leider gibt es keine offiziellen Reichweitenzahlen dieser Medien. Ich behaupte dennoch, dass ihre Meinungsmacht nicht übermässig ist. Gehen wir mal davon aus, dass Facebook und Youtube etwa die gleiche Reichweite haben wie 20 Minuten und bei der Markenleistung einen Wert von gut 40 erreichen, dann würden die beiden sozialen Plattform knapp in den Top Ten landen. Instagram und Twitter würden es, aufgrund der geringeren Reichweiten, knapp ins erste Drittel der 170 untersuchten Marken schaffen. Snapchat haben wir nicht untersucht.

Eine grosse Meinungsmacht geht mit einer hohen Verantwortung einher. Wo besteht Handlungsbedarf?
Tatsächlich nimmt das Resultat 20 Minuten in die Pflicht. Das Medium muss weiterhin viel Kraft in den redaktionellen Bereich stecken, damit es auch in Zukunft gerade junge Nutzer über Schweizer Politik und Wirtschaft kompetent informieren kann.

Auch eine ausgewogene Berichterstattung ist zentral.
Absolut. Allerdings haben wir zur Ausgewogenheit von Schweizer Medien keine Resultate erhoben. Man kann aber sagen, dass die Zeit der Parteiblätter längst vorbei ist. Eine politisch einseitige Berichterstattung ist von den Verlagen nur schon aus medienökonomischen Gründen nicht erwünscht. Schliesslich will man mit den Titeln eine möglichst grosse Reichweite erzielen. Dies gilt insbesondere auch für Tamedia mit der Pendlerzeitung 20 Minuten.

Was in der Studie auffällt: Tamedia erreicht mit einer Wirtschaftsmacht von 15 Prozent eine Meinungsmacht von 17 Prozent. Ringier dagegen erreicht mit einer Wirtschaftsmacht von 12 Prozent eine Meinungsmacht von nur 7 Prozent. Wie erklären Sie sich dieses Gefälle?
Die Meinungsmachteffizienz ist bei Tamedia tatsächlich deutlich höher. Bei Ringier fliessen etwa 40 Prozent des Umsatzes nicht in publizistische Angebote. Bei Tamedia sind es nur 25 Prozent.

Der Medienmonitor 2017 zieht ein positives Fazit zur Medienlandschaft Schweiz, ruft aber auch zur Wachsamkeit auf. Welche Gefahren sehen Sie für die Zukunft?
Wir können sagen, dass es in der Schweiz im Jahr 2017 noch immer genug verschiedene Informationsquellen gibt. Es gibt nach wie vor eine Medienvielfalt, ohne dass ein bestimmter Konzern dominiert. Dennoch nimmt eine Vereinheitlichung zu. Das mag aus medienökonomischer Sicht Sinn machen. Darunter leidet aber die Mediendiversität. Und: Gerade das Fernsehen, viele Radios und auch klassische Zeitungen müssen sich ernsthaft Gedanken darüber machen, wie sie die junge Leserschaft für sich gewinnen können. Die Zeiten, in denen sich die Schweizer Familie um halb acht für die «Tagesschau» vor dem TV versammelte, sind definitiv vorbei.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beat am 14.11.2018 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    Funktioniert nicht wirklich

    Was hat eine Meinungsmacht mit neutraler Information zu tun? Sie ist daran interessiert die Meinung der Leute zu beeinflussen. Also hat sie nichts mit Information zu tun. Mal alle Umfrageergebnisse weglassen und neu beurteilen.

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  • Globi20 am 13.11.2018 17:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fazit?

    Das Fazit muss also lauten: Mehr politische Berichterstattung, weniger People und Entertainment.

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  • Leonie. am 14.11.2018 08:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Transparenz, bitte!

    Jedes Jahr zahlt der Bund 50 Millionen Franken für die Presseförderung. Mit dem Geld gewährt die Post zahlreichen Verlagen und Vereinen Vergünstigungen auf den Versand ihrer Zeitungen und Zeitschriften. Welche Medienunternehmen wie stark finanziell entlastet werden, bleibt geheim. Weder die Verlage selbst, noch die Post und das Bakom als Aufsichtsbehörde geben Auskunft. Die «Medienwoche» verlangt nun Einsicht in die entsprechenden amtlichen Dokumente auf Grundlage des Öffentlichkeitsgesetzes.

Die neusten Leser-Kommentare

  • ROLAND am 14.11.2018 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    Positives Fazit? - Ein Witz!

    Die Aussage, er ziehe ein positives Fazit über die Medienlandschaft der Schweiz ist wohl ein Witz. Absolut politisch gesteuert und die Bevölkerung beeinflussend. Nicht Neutral, wie es deren Pflicht wäre.

  • estelle am 14.11.2018 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    naja...

    welche pflicht denn? es geht alles so weiter wie bis anhin... die meinungen sind angeblich gebildet ....zumindest die der teenies....und der leichtgläubigen.

  • Remo am 14.11.2018 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    Was zählt, sind Klickzahlen

    und die Interessen der Werbepartner. Der Rest ist Nebensache.

  • Beat am 14.11.2018 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    Funktioniert nicht wirklich

    Was hat eine Meinungsmacht mit neutraler Information zu tun? Sie ist daran interessiert die Meinung der Leute zu beeinflussen. Also hat sie nichts mit Information zu tun. Mal alle Umfrageergebnisse weglassen und neu beurteilen.

    • Toni K. am 14.11.2018 11:03 Report Diesen Beitrag melden

      @Beat

      Putin hat die Manipulationen von Georg Soros im westlichen Mainstream in Helsinki angesprochen. Das liest man natürlich nicht in unsern Zeitungen. Kennedy warnte uns am27 April 1967 genau vor dieser Entwicklung der Beeinflussung von den Medien. Q ist das grosse erwachen und sie können es nicht mehr stoppen.

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  • Leonie. am 14.11.2018 08:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Transparenz, bitte!

    Jedes Jahr zahlt der Bund 50 Millionen Franken für die Presseförderung. Mit dem Geld gewährt die Post zahlreichen Verlagen und Vereinen Vergünstigungen auf den Versand ihrer Zeitungen und Zeitschriften. Welche Medienunternehmen wie stark finanziell entlastet werden, bleibt geheim. Weder die Verlage selbst, noch die Post und das Bakom als Aufsichtsbehörde geben Auskunft. Die «Medienwoche» verlangt nun Einsicht in die entsprechenden amtlichen Dokumente auf Grundlage des Öffentlichkeitsgesetzes.