Pisa-Studie

07. Dezember 2016 05:44; Akt: 07.12.2016 11:07 Print

«Das Schulschwänzen ist ein riesiges Problem»

von Marco Lüssi - Die Zahl der Schulschwänzer in der Schweiz ist gemäss der neuen Pisa-Studie doppelt so hoch wie vor drei Jahren. Schweizer Lehrer bestätigen das Problem.

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«Hast du in den letzten zwei Wochen einen Schultag geschwänzt?» Das war eine der Fragen, die die Teilnehmer der neuen Pisa-Studie beantworten mussten. Bei den Schweizer Resultaten zeigt sich ein deutlicher Anstieg: Gaben 2012 noch fünf Prozent der befragten 15-jährigen Schülerinnen und Schüler an, in den letzten zwei Schulwochen einmal gefehlt zu haben, waren es 2015 bereits rund zehn Prozent.

Umfrage
Haben Sie jeweils die Schule geschwänzt?
21 %
31 %
11 %
37 %
Insgesamt 7818 Teilnehmer

Der Schweizer Lehrerverband (LCH) hat zwar gewisse Zweifel, ob die aktuellen Ergebnisse mit jenen der vorherigen Pisa-Studie verglichen werden können. Dennoch mache dieser Unterschied hellhörig, sagt Jürg Brühlmann, Leiter Padägogik des LCZ, zu 20 Minuten. «Wir müssen das Thema Schwänzen genau im Auge behalten.»

«Eltern tolerieren das Schwänzen vermehrt»

Lilo Lätzsch, Präsidentin des Zürcher Lehrerverbandes, sagt gar: «Schwänzen ist an unseren Schulen ein riesiges Problem.» Es sei wichtig, dass die Lehrer konsequent dagegen vorgehen und niemanden damit durchkommen lassen würden.

Fragwürdig sei hierbei auch die Rolle vieler Erziehungsberechtigter: «Es gibt leider vermehrt Eltern, die das Schwänzen ihrer Kinder tolerieren und es ihnen erlauben, sich mit einer Ausrede wie etwa ‹Kopfschmerzen› zu entschuldigen.»

«Schweizer Lehrer haben eine strikte Linie»

Wichtig ist das Vorgehen gegen das Schwänzen laut Brühlmann, weil es «ein frühes Anzeichen für spätere Probleme des Jugendlichen» sei. Seiner Meinung begegnen Schweizer Lehrer dem Problem jedoch bereits heute mit einer strikten Linie – gerade im internationalen Vergleich.

Brühlmann: «Dass ein Schüler tagelang nicht zur Schule gehen kann, ohne dass es Folgen hat, ist eine absolute Ausnahme.» Einzelne Kantone hätten zudem die Regelungen in den letzten Jahren verschärft, indem sie beschlossen hätten, unentschuldigte Absenzen im Zeugnis zu vermerken.

In der Agglo wird am meisten geschwänzt

Doch warum schwänzen Schüler? Betroffen sind laut Brühlmann vor allem schwächere und frustrierte Schüler. «Sie erkennen keinen Sinn mehr im Unterrichtsbesuch und gehen irgendwann einfach nicht mehr hin.»

Das Problem sei lokal sehr unterschiedlich ausgeprägt. «Am häufigsten kommt es in Agglomerationen mit geringer sozialer Kontrolle vor, in denen es viele Familien gibt, in denen beide Elternteile arbeiten.» Und in Klassen, die von vielen verschiedenen Lehrpersonen unterrichtet würden, falle das Schwänzen weniger rasch auf.

Im internationalen Vergleich sind Schweizer brav

Auch wenn es gemäss der Pisa-Studie zunimmt: Schwänzen ist in der Schweiz deutlich weniger verbreitet als in den meisten anderen Ländern. Den Länder-Durchschnitt von 20 Prozent unterbieten die Schweizer Schüler klar. Betrachtet man die Nachbarländer, sind nur die Deutschen braver, in Italien, Frankreich und Österreich wird häufiger geschwänzt als bei uns.

Italien liegt weltweit mit einer Schwänzer-Quote von über 55 Prozent gar weltweit auf dem zweiten Platz – hinter Montenegro (60 Prozent) und vor Uruguay (52 Prozent). Am seltensten bleiben Schüler dem Unterricht in Taiwan, Südkorea und Japan fern. Dort liegt der Anteil der Schwänzer nur wenig über einem Prozent.

Sind Sie eine Schülerin oder ein Schüler und schwänzen gelegentlich oder gar häufig? Wo statt in der Schule halten Sie sich dann auf? Warum schwänzen Sie? Und welche Tricks wenden Sie an, damit Ihre Eltern und Lehrer nichts merken? Erzählen Sie uns darüber per Mail. Ihre Angaben werden anonym behandelt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • 666777 am 07.12.2016 06:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heute wie ein roter Faden durch die ganze Erziehun

    Da musste die ch schon sehr krank sein das ich zu Hause bleiben durfte. Alles Sache der Erziehung!

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  • Donevan am 07.12.2016 07:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Guten Morgen

    Wir haben alle schon mal die Schule geschwänzt. Die Sache ist das die Eltern solcher dauerschwänzer mitbestraft werden sollten.

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  • Leherin am 07.12.2016 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    Eltern geben es weiter

    Auffallend ist, wenn gewisse Kinder vermehrt freitags oder montags fehlen und am Dienstag quietsch fiedel erzählen, sie waren am Wochenende in Berlin gewesen oder ähnliches. Erst als dies raus ist, merken sie, ah nein es ging ihnen schlecht mit Kopf- und Bauchschmerzen. Schlimm wenn Eltern ihre 5 Jährigen zum Lügen zwingen...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • GiGa am 09.12.2016 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Von Eltern gutgeheissen

    Wir haben unserem Ältesten auch schon erlaubt einen Tag aus zu setzten und ihm die Absenz unterzeichnet. Kinder werden selbst in der Unterstufe teilweise an ihre Stressgrenze gebracht, ohne dass das oft überforderte Lehrpersonal es wahrnimt. Ich denke es liegt dann in der Verantwortung der Eltern dem entgegen zu wirken. Zudem kann die Definition eines Absenzgrundes sehr weit gedehnt werden und man sollte dabei nicht nur auf die physischen Leiden eingehen. Stress und die damit einhergehende Überforderung sind Faktoren die leider viel zu oft vernachlässigt werden. Auch bei Erwachsenen.

  • Sador am 09.12.2016 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Besonders schlimm wenn Eltern dies noch befürworten. Genau diese Leute haben es danach wesentlich schwieriger in der realen Arbeitswelt.

  • Simply_Pero am 09.12.2016 08:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    BMS

    habe in der vollzeit BMS damals mehr als die erlaubten 44 unentschuldigten Fehllektionen pro Semester gehabt (jeweils ca 50-60). Keine Konsequenzen - Man muss nur wissen wie. Bei manchen Lehrern wussten wir, dass sie keine Absenzen eintragen. Diese wurden oben nicht hinzugezählt. Habe die technische BMS vor einem halben Jahr mit einem Schnitt von ich glaube 4.6 oder so bestanden.

    • Lehrer am 09.12.2016 08:58 Report Diesen Beitrag melden

      @ Simply_Pero

      Sorry ein Schnitt von 4.6 ist auch nicht wirklich gut.

    • Simply_Pero am 09.12.2016 09:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lehrer

      Es braucht nicht mehr. Ab 4.0 kann man studieren, wenn man nicht in mehr als zwei Fächern zusammen 2 Noten unter der 4 hat. Vielleicht hättr ich eine 5 wenn ich mal gelernt hätte, aber wenn man glück hat reicht das, was man im Unterricht noch so mitbekommt.

    • Professor am 09.12.2016 10:16 Report Diesen Beitrag melden

      @Lehrer

      Eine 4.6 ist nicht wirklich gut sondern hervorragend. Im späteren Arbeitsleben braucht man sowieso für jeglichen Müll ein Diplom, also ist die Abschlussnote in keinster über 4.0 in keinster Weise von Bedeutung. In 10 Jahren ist es dann sowieso notwendig einen Diplomkurs fürs Aufstarten des Computers zu besuchen. Die Ausbildung ohne Weiterbildung ist heutzutage wertlos.

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  • bruno am 09.12.2016 07:58 Report Diesen Beitrag melden

    darum brauchts das 10te schuljahr nicht

    genau einer der Gründe. .. herausgeworfenes Steuergeld, mehr nicht. wer 9 jahre zuvor nichts gelernt hat wird es auch im 10ten nicht....

    • Simply_Pero am 09.12.2016 09:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @bruno

      es geht um die Reife. Bei manchen muss es einfach "Klick" machen und das geschieht oft im 10ten Schuljahr, weil es das wahrscheinlich erste Schuljahr ist, das sie freiwillig besuchen und somit diese Möglichkeit eher zu schätzen wissen.

    • Jasmin am 09.12.2016 10:30 Report Diesen Beitrag melden

      @bruno

      Ich hatte nie schlechte Noten aber nach meinen 9 Jahren Schule, trotzdem keine Lehrstelle erhalten da ich zu schüchtern war. Das 10. Schuljahr hat mir geholfen an mir zu arbeiten und selbständiger zu werden.

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  • Bruno am 09.12.2016 07:40 Report Diesen Beitrag melden

    Geld regiert die Welt

    Viele Schüler sind heute einfach überfordert.Kein Wunder,bei diesen komplizierten Lehrmittel.Früher hatte man für jedes Fach ein Buch.Heute will man mehr Geld verdienen.Das ist leider der Hauptgrund, für die Überforderung der Schüler.Wieder einmal kann man sagen: