Schweizer Imam

15. November 2015 18:58; Akt: 16.11.2015 11:20 Print

«Das geschah nicht im Namen meiner Religion»

von J. Büchi - Der Berner Imam Mustafa Memeti sagt, für die Anschlagsserie seien «kranke Menschen» verantwortlich. Muslime müssten gegen den Terror ankämpfen.

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Imam Mustafa Memeti distanziert sich in aller Form von den Anschlägen in Paris. Der 53-Jährige ist Imam und Leiter des Muslimischen Vereins Bern und Präsident des Vorstandes des Albanisch-Islamischen Verbands Schweiz. (Archivbild) Die IS bekennt sich zu den Anschlägen in Paris: Angehörige trauern um ihre Liebsten (14. November 2015) Der Tag danach: Die Einschüsse in den Scheiben erinnern an die Nacht des Grauens. Stadt in Angst: Bewaffnete Polizisten patrouillieren in der Innenstadt von Paris. (13. November 2015) Mithilfe von sozialen Medien suchen viele Menschen nach ihren Liebsten. Bei der Geiselnahme in der Pariser Konzerthalle Bataclan und der anschliessenden Erstürmung durch die Polizei sind Polizeiangaben zufolge über 100 Menschen getötet worden. Zuschauer werden evakuiert: Bei der Geiselnahme in der Pariser Konzerthalle Bataclan und der anschliessenden Erstürmung durch die Polizei sind Polizeiangaben zufolge über 100 Menschen getötet worden. Präsident Francois Hollande wendet sich nach den Terroranschlägen in einer Fernsehansprache an das Volk und verhängt den Ausnahmezustand (13. November 2015). Französische Feuerwehrmänner helfen einem Verletzten in der Nähe des Bataclan-Clubs. (13. November 2015)A Ein Bus mit einigen der Hunderten geretteten Besucher des Bataclan verlässt den Ort der Geiselnahme. Die Mitglieder der amerikanischen Rockband Eagles of Death Metal um Sänger Jesse Hughes (Archivbild) sollen angeblich in Sicherheit sein. Die Band spielte im Pariser Club Bataclan als die Attentäter den Raum stürmten. Facebook-Statement der Band. Abgesperrt: Polizisten blockieren in der Nähe des Café Bonne eine Strasse. US-Präsident Barack Obama hat die Anschlagsserie von Paris als «einen Angriff auf die ganze Menschheit und unsere universellen Werte» verurteilt. Mit Tüchern bedeckte Opfer der brutalen Anschläge liegen vor einem Pariser Restaurant (13. November 2015). Vor der französischen Botschaft in Berlin werden Kerzen angezündet (13. November 2015). Auch vor der Carillon Bar in Frankreich gedenken Menschen den Opfern. Mit Blumen Kerzen und Kärtchen wird den Opfern und ihren Angehörigen gedenkt. «Terrorangriff»: François Hollande und Frank-Walter Steinmeier waren im Stadion, als sich die Attacken ereigneten. Sanitäter im Einsatz: Beim Place de la Republique in Paris ist es zu einer Schiesserei gekommen. . Unsicherheit macht sich breit: Die Menschen verlassen das Stadium. Vor dem Stade de France ist es zu mehreren Explosionen gekommen. Niemand weiss, wie ihm geschieht. Angst und Verunsicherung: Zuschauer versammeln sich auf dem Spielfeld im Stade de France. Mehrere Personen sind bei den Attacken ums Leben gekommen. Einsatzfahrzeuge vor dem Restaurant Petit Cambodge. Die Lage ist unübersichtlich. Überlebende des Anschlages melden sich bei ihren Angehörigen. Personen rund um die Rue Bichat wurden evakuiert. Unzählige Menschen werden aus der Gefahrenzone in Sicherheit gebracht. Rettungskräfte evakuieren eine Frau aus dem Bataclan Theater und bringen sie in Sicherheit.

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Herr Memeti, Sie kommen gerade vom Mittagsgebet in Ihrer Berner Moschee. Was haben Sie in Ihrer Predigt gesagt?
Es ist schwer, in Worte zu fassen, wie sehr ich das Geschehene verurteile. Es ist einfach schrecklich, dass schon wieder so etwas passiert in Frankreich. Ich habe beim Mittagsgebet gesagt, dass wir als Muslime dem Terror immer und überall die Stirn bieten müssen. Dass es nicht reicht, zu beten und zu fasten. Es ist unsere Aufgabe, zusammenzustehen und unsere Stimme zu erheben. Ich sagte: Das geschah nicht im Namen meiner Religion.

Aber die Terrororganisation Islamischer Staat beruft sich auf Ihre Religion. Wie können Sie da sagen, das Attentat habe nichts mit dem Islam zu tun?
Diese Terroristen sind kranke Menschen. Sie bringen die muslimische Bevölkerung, auch in der Schweiz, in eine schwierige Situation. Sie vermitteln das Bild, der Islam sei gewalttätig. Das ist falsch. Eine wahre Religion tötet keine Menschen.

Haben Sie Angst, dass die Taten auf gemässigte Muslime zurückfallen werden?
Es ist zu befürchten, dass uns gewisse Menschen in denselben Topf werfen wie die gewalttätigen Terroristen. Umso wachsamer müssen wir sein. Wir dürfen jetzt nicht in Angst erstarren oder uns verstecken, sondern müssen ein Konzept finden, um Radikalisierung und Extremismus zu bekämpfen.

Unternehmen die muslimischen Vereine in der Schweiz genug, um die Radikalisierung von Muslimen zu verhindern?
Wir müssen noch stärker miteinander kooperieren und ein gemeinsames Präventionskonzept ausarbeiten. Alle Prediger und Imame in der Schweiz müssen klar signalisieren, dass Gewalt keinen Platz hat in unserer Religion. Dass es für ein solches Verhalten nie eine Rechtfertigung geben kann und darf. Man kann nie ausschliessen, dass es auch schwarze Schafe gibt. Wer so etwas feststellt, muss den Mut aufbringen, die entsprechenden Personen bei den Behörden zu melden. Wir dürfen nie vergessen, dass die Sicherheit der Gesellschaft über allem steht. Nur wenn es gelingt, diese Sicherheit zu gewährleisten, können die Menschen frei leben. Das gilt für Angehörige aller Religionen, aller Nationen und aller Sprachgruppen.