Toter Pannenhelfer

05. April 2019 15:02; Akt: 05.04.2019 16:05 Print

Das droht Lenkern am Handy, die Unfälle bauen

von B. Zanni - Ein Pannenhelfer starb, weil der Unfallverursacher offenbar durch das Handy abgelenkt war. Ein Verkehrsanwalt rechnet mit bis zu drei Jahren Haft.

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E.A.* starb am Mittwoch, nachdem er von einem Auto erfasst wurde. G.M.*, der vor Ort war, sagt, der Unfallverursacher P.W.* sei sofort zur Hilfe geeilt. «Er war sehr nett und hat sofort den Krankenwagen gerufen». Verkehrsanwalt Yann Moor erklärt, mit welchen Konsequenzen der Unfallverursacher nun rechnen muss.

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Herr Moor, ein Autofahrer erfasste am Mittwoch Pannenhelfer E. A. auf der A1 in Oberbüren SG, das Opfer erlag seinen Verletzungen. Offenbar war der Autofahrer am Handy gewesen. Welche Strafe droht einem solchen Unfallverursacher?
Dem Autofahrer droht eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung und Verletzung der Verkehrsregeln. Wenn er abgelenkt war und seine volle Aufmerksamkeit nicht dem Strassenverkehr widmete, ist eine Sorgfaltspflichtverletzung gegeben und der Tatbestand der fahrlässigen Tötung wohl erfüllt.

Muss der Fahrer auch mit einer Gefängnisstrafe rechnen?
Fahrlässige Tötung kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bestraft werden. Liegen keine entsprechenden Vorstrafen oder erschwerende Umstände vor, ist eine Gefängnisstrafe aber unwahrscheinlich. In diesem Fall gehe ich davon aus, dass der Lenker mit einer Geldstrafe auf Bewährung davonkommt.

Für die Familie des Hinterbliebenen ist das wohl eine zu milde Strafe.
Das Strafrecht bezweckt vor allem die Resozialisierung eines Täters. Zudem muss der Lenker ohnehin genug leiden: Er muss für den Rest seines Lebens mit der Schuld leben, einen Menschen wegen einer Unachtsamkeit getötet zu haben.

Wird bei einem Unfall routinemässig abgeklärt, ob Handykonsum eine Rolle gespielt hat?
Besteht bei einem Unfall der Verdacht, dass der Verursacher das Handy benutzt haben könnte, wird es in der Regel sofort beschlagnahmt. Die Polizei prüft dann zum Beispiel, ob mit dem Handy zum Unfallzeitpunkt ein Anruf getätigt oder eine Nachricht verschickt wurde.

Angenommen, der Pannenhelfer hat während seines Einsatzes den Pannenstreifen überschritten: Würde sich dies strafmildernd auf den Fahrer auswirken?
Nein. Fahrzeuglenker müssen auf der Strasse immer mit etwas Unerwartetem rechnen und daher beide Hände am Steuer haben. Es ist möglich, dass Gegenstände plötzlich auf die Strasse fallen, sich unvermittelt ein Stau bildet, ein Geisterfahrer entgegenkommt oder auch plötzlich Menschen und Tiere auf der Strasse auftauchen. Legendär in diesem Zusammenhang ist das sogenannte Stuhlurteil (siehe Box). Wenn man nur schon eine Sekunde auf das Handy statt auf die Strasse blickt, kann dies fatale Folgen haben.

Gemäss dem Touring Club Schweiz benutzen 40 Prozent auf Schweizer Strassen am Steuer das Handy. Gegen das Handy am Steuer wurden schon diverse Kampagnen lanciert. Warum greifen Autofahrer trotzdem immer noch zum Handy?
Weil das Handy im Alltag unser ständiger Begleiter geworden ist, unterschätzen die Leute dessen Gefahr beim Autofahren. Um zu telefonieren, sollte man im Fahrzeug unbedingt eine Freisprechanlage einrichten. Wer sich am Steuer gern dazu verleiten lässt, Nachrichten ins Handy zu tippen, sollte es am besten auf Flugmodus stellen – oder das Handy gleich in den Kofferraum sperren.


*Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Morillo am 05.04.2019 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    Tragisch

    Krass, rast jemand mit dem Auto ohne jemandem zu schaden ist die Strafe härter...töte ich jemanden, ist das Ganze milder.. Da muss sich was ändern. Viel Kraft den Angehörigen...

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  • Küdi Delmonte am 05.04.2019 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    wenn schon, denn schon...

    Hauptsache das Gesetz schlägt dann wieder mit voller Härte zu, wenn jemand 15 km zu schnell fährt auf der Autobahn !

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  • Mo am 05.04.2019 15:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    machen, nicht quatschen

    Fahrausweis weg, und das Problem ist gelöst!! Was gibt es da noch lange zu diskutieren?!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kritiker am 08.04.2019 20:39 Report Diesen Beitrag melden

    Wie war das doch schon wieder?

    Als hier die Kamera der australischen Polizei gezeigt wurde die Handybenutzer automatische fotografiert hat? Etwa 90% negative Meldungen hier. Dumm ist das Volk...

  • Hzwo am 06.04.2019 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte wass?

    Die Strafe besteht zur Hauptsache daraus dass der sein Leben lang damit leben muss, einen Menschen totgefahren zu haben? Da ist wirklich Hopfen und Malz verloren. Da bleibt einem nur noch den Pass auf der Stelle abzugeben wenn man mit dieser verkehrten Welt nichts zu tun haben will.

  • Eve Staub am 06.04.2019 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    Gesunder Menschenverstand

    Es braucht gesunden Menschenverstand um zu verstehen, dass ein Handy während dem Fahren nicht benutzt werden darf. Aber gesunder Menschenverstand ist selten geworden, zum Glück besitze ich ihn noch. Viele nehmen lieber Unfälle mit Todesfolge etc. in Kauf, nur weil das Telefonat/SMS nicht warten kann.

  • frankyBoy am 06.04.2019 11:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Konsequenz"

    Drei Jahre Haft sind zu wenig. Immerhin hat er einen Menschen umgebracht. Der Verursacher kann ins hohe Alter kommen. Durch einen dummen Leichtsinn hat er einem anderen Menschen das Leben genommen. Unbedingt müssen strengere Strafmaßnahmen vollzogen werden, damit solche Menschen vernünftiger werden. Wird ein Autofahrer am Handy erwischt, muss ihm der Führerausweis für mindestens ein Jahr entzogen werden.

  • Sugus am 06.04.2019 10:28 Report Diesen Beitrag melden

    Für d'Füchs

    Wir sind Weltmeister im neue Gesetze schaffen, leider nützen die uns nichts. Keine Kontrollen, keine Strafen....leider ist es in der Schweiz so.