Andreas Meyer

18. August 2019 04:29; Akt: 18.08.2019 10:53 Print

SBB-Chef war nicht an Beerdigung von Bruno R.

Die SBB steht derzeit nicht nur wegen des Todesfalls eines Mitarbeiters in der Kritik. Deren Chef Andreas Meyer sagt, er sei noch der Richtige auf dem Posten.

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Nach dem Unfalltod eines Zugchefs haben die SBB bei Wagenkontrollen mindestens 20 Türen mit defektem Einklemmschutz entdeckt. Bislang seien 250 Wagen und damit Tausend Türen untersucht worden, erklärte SBB-Chef Andreas Meyer in einem Interview mit dem «SonntagsBlick».
Insgesamt sind in der Schweiz 493 Wagen des betreffenden Wagentyps EW IV im Einsatz. Der 58-jährige Bahnmanager betonte, die Sicherheit sei gewährleistet. Es würden nur Wagen wieder in den Verkehr gegeben, die sicher seien. Zudem hätten die Zugbegleiter eine erhöhte Aufmerksamkeit bei dem vom Defekt betroffenen Wagentypen.

Warum genau der SBB-Mitarbeiter vor zwei Wochen am Bahnhof Baden AG in der Tür eines Interregio-Zugs eingeklemmt und mitgeschleift wurde, wird weiter untersucht. Meyer erklärte erneut, der Abfertigungsprozess sei sicher.

Zu Berichten über weitere Zwischenfälle mit Zugtüren und Verletzten erklärte Meyer, er habe von dem Defekt an den Türen nichts gewusst. «In einem so grossen Unternehmen, wo Menschen zusammenarbeiten, können immer Fehler passieren.» Man müsse diese ins Verhältnis setzen zur Gesamtzahl der Türschliessungen setzen, das seien jährlich rund 200 Millionen. Meyer betonte, die Eisenbahn sei das sicherste Verkehrsmittel. Die Sicherheit habe sich über die letzten Jahre laufend verbessert.

Nicht selber an Beerdigung

Meyer räumte ein, dass sich das Bahnunternehmen in einer schwierigen Situation befinde. «Wir spüren, dass unsere Mitarbeitenden teilweise verunsichert sind. Das ist in der aktuellen Situation völlig normal.» Der tödlich verunfallte Mitarbeiter sei erst am Freitag beerdigt worden. «Wir sind noch in Trauer.» Meyer nahm nicht persönlich an der Beerdigung teil sondern Konzernleitungsmitglied Toni Häne als oberster operativer Chef des Verstorbenen. Aber: «In Gedanken war ich beim verstorbenen Kollegen.»

Trotz teils harscher Kritik von Politikern will Meyer an der Spitze der SBB weitermachen. «Auch diese anspruchsvolle Situation werde ich mit meinem Team meistern», sagte er. «Das hier ist nicht meine erste Krise.»

Lokführermangel wie noch nie

Die SBB muss sich auch Kritik von ihren Lokführern anhören lassen. Weil sie dem Betrieb fehlen, müssen die Mitarbeiter immer öfter Extraschichten schieben und auf freie Tage verzichten, damit die Züge nicht stehen bleiben, schreibt die «SonntagsZeitung». Fast täglich werden Bettel-SMS verschickt. Lokführer werden in ihrer Freizeit auch persönlich angerufen, wenn Personalbedarf besteht. Hans-Ruedi Schürch, Zentralpräsident des Lokomotivpersonalverbands und seit 30 Jahren Lokführer sagt: «So schlimm wie dieses Jahr war es noch nie.»

Allein in Zürich fehlen bis Ende Oktober mehr als 20 Lokführer pro Tag, an Spitzentagen sind es gar 56. Die Lokführer häufen Überstunden an, die sie wegen der Unterbesetzung kaum kompensieren können. Die SBB will nicht von einem Lokführermangel sprechen: Der planmässige Bestand reiche lediglich aktuell nicht aus, um die Zusatzleistungen von Mai bis Oktober zu decken.

Die Probleme bei der SBB - neben den Ausfällen, dem Unglück hat die SBB auch Ärger mit Pannenzügen - werden nun auch Thema im Bundeshaus. Ständeräte wollen am Montag das Ganze in der Verkehrskommission ansprechen. In der Schwesterkommission des Nationalrats ist bereits ein Hearing mit der SBB geplant. «Für uns Verkehrspolitiker sind die Sicherheit von Personal und Passagieren sowie die Zuverlässigkeit der SBB sehr wichtig», sagt Präsidentin und SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher gegenüber der «SonntagsZeitung». Daher verlange man Antworten.

Erstmals in der laufenden Krise stellen Politiker sogar die SBB-Spitze und damit indirekt auch Chef Andreas Meyer infrage. Die SBB-Führung habe zuletzt «einiges an Glaubwürdigkeit verloren», sagt FDP-Nationalrat Thierry Burkart. «Der Eigner, also der Bundesrat, muss zusammen mit dem Verwaltungsrat überprüfen, wie Verbesserungen erzielt werden können und ob das SBB-Management noch richtig zusammengesetzt ist.»

(20 Minuten/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kurt am 18.08.2019 06:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Türen

    Wusste nichts ist immer gut für den Chef . Was weiss er denn.

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  • posti am 18.08.2019 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    er sei noch der Richtige auf dem Posten?

    Er war es nie!!!

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  • Joe am 18.08.2019 09:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Denn sie wissen von nichts

    Das ist halt leider heute an der Tagesordnung. Die sogenannten Spitzenmanager, oder man könnte auch Abzocker sagen rechtfertigen ihr Milionensalär mit hoher Verantwortung usw. aber wenn etwas schief läuft wissen sie von nichts. Die SBB ist nur ein Beispiel von vielen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Elisabeth Grimm am 20.08.2019 21:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pietätlos und Egoistische Chefs ruinieren Unterneh

    ich kann es nicht fassen wie taktlos Andreas Meier ist. Er geht nicht mal zur Beerdigung und schickt die 2. Garde. Eiskalt, Empathielose Chefs denken nur an sich selbst und ruinieren selbst die solidesten Unternehmen.

  • Immer am 19.08.2019 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Staune

    Öfter und frage mich ob die unzufriedenen bei der SBB in dem Betrieb angebunden werden..und nicht Wechseln können!

  • Luca am 19.08.2019 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Service

    Trenitalia 1000mal Besser als SBB.Saubber Züge Schmeckt immer Fein.SBB Kastroffe.

  • Luzern HB am 19.08.2019 18:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Saustall

    19.10 Zug nach Züruch HB ab Luzern Fällt aus.Abtretten Häne Meyer Abstandlos auch die Leitung P in Zürich ist ein Saustall immer Defekte Züge stellt mann her.

  • SBB am 19.08.2019 18:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Laden

    Der IR 19.10 von LUZERN NACH Zürich HB fällt wider aus Saustall SBB Kassensturz inforiren Leute.Das geht hir nicht unter Anton Häne und Meyer Saustall diser Meyer.