BDP-Kritik an «Arena»

18. April 2015 15:47; Akt: 18.04.2015 18:33 Print

«Das neue Konzept ist schlicht unmöglich»

von D. Waldmeier - «Katastrophal» sei die neue «Arena», heisst es bei der BDP. Andere Politiker loben die längere Redezeit der Gäste, die eine vertiefte Diskussion ermögliche.

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Neues Studio, weniger Gäste und Politiker auf dem «Prüfstand»: Das SRF hat der «Arena» ein neues Konzept auferlegt (siehe Bildstrecke). Dadurch sollen die Debatten tiefgründiger werden. Nach der ersten Sendung – Thema war die Neutralität der Schweiz – fallen die Reaktionen in den sozialen Netzwerken gespalten aus. Doch was sagen Politiker und Experten zum Relaunch?

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SVP-Fraktionschef Adrian Amstutz, der selbst als Gast in der Sendung war, schätzt am neuen Format, dass man «mehr Möglichkeiten hat, die eigene Argumentation auf den Punkt zu bringen.» Als störend empfand der Berner, dass die Gäste neuerdings sitzen müssen: «Dieser Barhocker ist nicht sonderlich bequem. Man ist regelrecht blockiert und kann weniger lebendig diskutieren.»

Auch SP-Nationalrätin Jacqueline Badran gefällt, dass die einzelnen Gäste mehr Redezeit erhalten und so ihre Haltungen besser herleiten können. Die Redner würden aber noch zu stark unterbrochen. Sie wünscht sich, dass die Sendung weniger stark nach Drehbuch abläuft und dynamischer wird.

BDP: «Befürchtungen sind eingetroffen»

Im Vorfeld hatte es heftige Kritik am neuen Sendekonzept gegeben. Vor allem die Mitte-Parteien befürchteten, dass sie künftig kaum mehr zu Wort kommen würden, weil weniger Gäste eingeladen werden. Die BDP-Nationalräte Lorenz Hess und Hans Grunder wechselten aus Protest gar kurzerhand ins Nein-Lager bei der kommenden Abstimmung über das Radio- und TV-Gesetz.

Nach der ersten Sendung sieht sich Grunder bestätigt. «Diese Sendung hat nichts mehr mit einer Arena zu tun. Es ist jetzt einfach eine Diskussionssendung mit vier Gästen.» Er frage sich, wieso der Moderator nicht auch sitze und stattdessen im Studio herumtigere. Der ehemalige BDP-Präsident geht davon aus, nur noch zweimal pro Jahr in der «Arena» vertreten zu sein. Dass mitten in einem Wahljahr die Spielregeln zulasten der kleinen Parteien abgeändert würden, sei «schlicht unmöglich» und «katastrophal». «Das hat nichts mehr mit Service Public zu tun.»

Auch an den neuen Instrumenten lässt Grunder kein gutes Haar: Die Experten, die sich neu per Buzzer in die Diskussion einschalten können, würden ebenfalls eine politische Haltung vertreten und spielten sich als Schiedsrichter auf.

«Vieles muss noch optimiert werden»

Positive Ansätze sieht dagegen Kommunikationsexperte Marcus Knill. «Dass die Sendung weniger Diskussionsteilnehmer hat, bringt inhaltlich mehr Tiefgang und verhindert, dass nur Parteiparolen heruntergebetet werden. Das ist ein klarer Gewinn», sagt er. Auch die Aufwertung der Expertenrolle mache Sinn, da die Fachleute faktenwidrige Aussagen richtig stellen könnten. Allerdings müssten die Experten sehr sorgfältig ausgewählt werden.

Moderator Jonas Projer hat gemäss Knill mit sicherer Hand durch die Sendung geführt. «Er darf aber noch etwas lockerer werden. Die Sendung hatte etwas von Schulunterricht.» Der Fachmann sieht denn auch noch viel Verbesserungspotenzial. «Die Studioarchitektur ist nicht ideal: Eine Arena sollte wie im alten Rom rund sein, sodass sich die Kontrahenten ins Gesicht schauen. Auch die Kameraführung war oft holprig und die Lichteffekte zu stark.»

«Es war nur die erste Sendung»

Ob der Relaunch der Diskussionssendung langfristig aus dem Quotentief verhilft, hängt laut Knill nun davon ab, ob die Verantwortlichen die richtigen Schlüsse aus der ersten Sendung ziehen.

Redaktionsleiter und Moderator Jonas Projer ist gespannt, wie die neue «Arena» beim Volk ankommt: «Ich bin zuversichtlich. Einiges hat zwar noch nicht ganz so funktioniert, wie wir es uns vorstellen – aber es war ja nur die erste Sendung». Es sei viel Potenzial vorhanden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Thurgauer am 17.04.2015 23:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Durchgefallen

    Inhaltlich spannend, lehrreich und interessant. Design unterirdisch schlecht, für richtiges "Arena-Streiten" sind die Gäste zu weit auseinander. Das Salz in der Suppe fehlt! Der Moderator als Oberbefehlshaber und Herrscher über die Sendung viel zu mächtig und zu prominent, dazu kommen unzählige (zu viele!!!) Einblendungen auf dem Hochbildschirm. Schlussfrage wurde beibehalten, gut! Zusammenfassend: Inhalt informativer, Stil langweiliger, Spannung um Null rum... Schade, ich habe mir da mehr erhofft!

  • ein zuschauer am 18.04.2015 00:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schlimm

    na ja der zug ist abgefahren, aber das neue studio mit diesen grauen blöcken und den horizontalen roten streifen, einfach schrecklich. auch die zuschauer/gäste im hintergrund im dunkeln ist ebenfalls schade.

  • Rolf am 18.04.2015 00:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Passt alles prima zusammen!

    Abgesehen von Adrian Amstutz passten die Gäste voll ins neue Konzept und dass passt prima zum neuen Studio. Nein, liebe Arena, da ist etwas ganz schief gelaufen! Die beiden "Gesprächstörer" im Hintergrund sind gerade so nutzlos wie das Show-Einzelverhöhr.... Schade, schade.... Aber ich vertraue darauf, dass ihr die Grösse habt, die Fehler einzugestehen und vorallem zu korrigieren... Merci

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Die neusten Leser-Kommentare

  • partei los am 19.04.2015 07:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die bdp fragen?

    wieso fragt man eine mini-partei mit noch weniger ausstrahlung und inhalte als die bdp? würde das studio nach der bdp gestaltet, sähe jede sendung anders aus, wäre an die aktuelle grosswetterlage angepasst und munzig klein.

  • Willhelm Teller am 19.04.2015 03:10 Report Diesen Beitrag melden

    Arena gone Hart aber Fair

    Ich verfolge die Arena seit mehr als einer Dekade ( wöchentlich ) und muss sagen,;seit dem neuen Moderator ist die Arena nicht mehr ernst zu nehmen ist. Leute dürfen nicht ausprechen, vorallem wenn sie einen heiklen Punkt ansprechen. Arena ist peinlich und einseitig geworden.

  • Hausi am 19.04.2015 00:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Von der Arena zum Schulzimmer!

    Der Moderator (Lehrer) steht und sagt wo's lang geht und die Teilnehmer ( Schüler) sitzen. Vorschlag: damit das undiszipliniert Drein-und Durcheinandereden aufhört, sollten Teilnehmer welche unaufgefordert etwas sagen möchten inskünftig die Hand aufheben müssen.

  • MightyKiesselstein am 18.04.2015 23:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Nun; leider habe ich die Sendung verpasst; da ich im Ausland weile. Allerdings finde ich es äusserst kindisch von der BDP, dass sie 1. ihre Meinung zue Billag wegen einer einzigen Sendung ändern und 2. die Sendung einfach mal schlecht finden, weil sie mal nicht dabei waren.

  • H. P. am 18.04.2015 23:19 Report Diesen Beitrag melden

    Kurzkritik

    Moderator: kompetent, fasst nach, griffig, agiert und reagiert blitzschnell. Experten: aus der bisherigen Arena übernommen, Unterbruch würgt Fluss ab, wirkt aufgesetzt, vorher besser. Neue Bühne: unterkühlt, steril. Zuschauer im Studio: gehen völlig unter, reine Statisten. Prüfstand: gut, hier müssen Politiker Farbe bekennen. Was fehlt: Kurzes Direkt-Feedback (Twitter), einige eingestreute Zuschauer-Fragen an die Politiker, evtl. anstelle der Strassen-Interviews oder alternierend.