Politiker über CS-Manager

01. Oktober 2019 15:23; Akt: 01.10.2019 15:23 Print

«Das sind aus meiner Sicht Kindsköpfe»

Die Parteien von links bis rechts üben scharfe Kritik an der CS-Führungsriege. Die SVP wünscht sich bald wieder einen Schweizer CEO.

Alois Gmür (CVP) kritisiert die CS-Spitze scharf. (Video: Bettina Zanni / Tamara Hanimann)
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Bei der Credit Suisse überschlagen sich die Ereignisse: Die rechte Hand des CS-Konzernchefs Tidjane Thiam, COO Pierre-Olivier Bouée, und der Sicherheitschef sind weg. Sie zogen die Konsequenzen aus der aufgeflogenen Beschattung von Iqbal Khan, dem Ex-Chef der internationalen Vermögensverwaltung bei der Credit Suisse (CS). Zudem wurde bekannt, dass ein Mittelsmann, der die Bespitzelung arrangierte hatte, Suizid begangen hat.

Aus Sicht der Grossbank ist die Affäre bereits abgehakt. Am Dienstagmorgen sprach der Verwaltungsrat CEO Tidjane Thiam das Vertrauen aus, nachdem eine Anwaltskanzlei den Fall untersucht hatte. Thiam soll nichts von der Überwachung gewusst haben. Wirtschaftspolitiker von links bis rechts sparen dennoch nicht an Kritik an der Führungscrew der Grossbank.

«Da ist irgendetwas krank»

So sagt CVP-Nationalrat Alois Gmür (64) zu den Vorgängen bei der Grossbank: «Das sind von mir aus gesehen Kindsköpfe. Dass man auf der Teppichetage miteinander einen solchen Krach hat und einander überwacht, ist ein Misstrauen, das ich fast nicht verstehen kann. Daher finde ich es unwürdig.» Zum Suizid des Mittelmannes sagt der Bierbrauer: «Es ist nicht zu glauben, was da abgeht. Da ist irgendetwas krank.»

Unwürdig sei es gerade für das Unternehmen CS, das Vertrauen schaffen sollte und dem man einen Haufen Geld anvertraut. Das Geld als CS-Kunde einfach so abzuziehen, wäre wahrscheinlich eine Überreaktion. «Wäre ich CS-Kunde, würde ich die Sache aber weiterverfolgen. Ginge es so weiter, würde ich das Geld abziehen», sagt Gmür.

CS zieht aus der Bespitzelungsaffäre Konsequenzen

SP: Bezeichnend für Kulturproblem bei der Grossbank

Für SP-Fraktionschef Roger Nordmann ist die Affäre wie aus einem Film. «Die Geschichte ist bezeichnend für eine Bankenwelt, die ausser Rand und Band geraten ist und bei der alle 10 bis 20 Jahre einmal der Staat eingreifen muss.» Nordmann diagnostiziert ein riesiges Kulturproblem bei den Grossbanken: «Es ist peinlich für die ganze Branche.»

Die Banken seien eine geniale Erfindung, stünden aber komplett neben den Schuhen. Mit dem Suizid des Mittelsmannes bekomme die Geschichte noch eine tragische Note. «Ein Grund mehr, dass sich die Banken wandeln», sagt Nordmann. Es brauche dafür mehr Eigenmittel und weniger Rendite, damit die Exzesse aufhörten. Ob die Credit Suisse an der Spitze weitere personelle Konsequenzen ziehen muss, will Nordmann nicht beurteilen: «Ich bin zum Glück nicht zuständig. Sie sollen selber schauen.»

SVP: Ein Schweizer soll übernehmen

SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi verfolgt die Affäre als ehemaliger CS-Mitarbeiter – er arbeitete von 2004 bis 2006 für die Bank – aufmerksam: «Es ist speziell, was unter Thiam so für Sachen laufen», sagt er zur Überwachung von Ex-CS-Manager Iqbal Khan. CEO Thiam sage, er habe davon nichts gewusst. Ob das stimme, wisse er nicht, sagt Aeschi. «Der Sicherheitschef, der nun gehen muss, ist aber ein enger Weggefährte Thiams.» Es sei die Aufgabe eines CEOs, informiert zu werden. «Er trägt letztlich die Verantwortung.»

Es tue weh, die einst so stolze, von Alfred Escher gegründete Bank in diesem Zustand zu sehen. «Der Aktienkurs hat bereits gelitten.» Die Führung müsste dafür sorgen, dass die Bank in ruhigere Gewässer steuere, wie das der UBS unter dem Tessiner Sergio Ermotti gelungen sei. Bei der CS gebe es ein ausländisches Management, das nicht zur Bank schaue. «Statt mit strategischem Weitblick zu agieren, trägt man persönliche Fehden aus.» Er hoffe, dass bald ein neuer CEO übernehme – «am liebsten ein Schweizer».

(daw/bz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • No Dealer am 01.10.2019 17:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Äusserst seltsam . . .

    Die CEOs der CS haben zwar unerhört hohe Gagen, wissen aber scheinbar nicht was in ihrem Laden läuft. Schon der Vorgänger von Thiam der liebe Mr. Dougan litt an einer art Gedächtnissverlust, denn auch der wusste nichts von den Geschäften seiner Untergebenen in Amerika. Ich Glaube, dass diese "Krankheit" die CS schon sehr viel Geld kostete.

  • Indie1 am 01.10.2019 17:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Daumen aber sowas von runter!

    Und der CEO übernimmt mal wieder - wie üblich - nicht die Konsequenzen, worauf aber sein horrendes Gehalt gestützt ist. Unfassbar, dass es reicht, nichts davon gewusst zu haben. Ich vermute mal, ihn springt der Spiegel morgens an....

  • Who Am I am 01.10.2019 17:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fehler im System

    Ermotti als po-sitiv Beispiel. Die Herren Vorsitzende unserer ehemals Schweizer Banken sind Marionetten kranker Wirtschaftsspiele und wir Büezer und KMU Chefen unterstüzen diese Gefilde weil die beiden Banken 70% des inländischen Zahlungsverkehr ausmachen. Unfassbar

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tschovanni am 02.10.2019 20:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Amnesie und Verantwortung?

    Sollten die beiden "Topshots" tatsächlich nichts übet die Bespitzelung gewusst haben, bedeutet das, dass sie den Laden nicht im Griff haben und ihre Millionen "Vergütungen" erst recht absurd sind. Hat schon Jemand die zwei Herren gefragt was für sie "Verantwortung übernehmen" bedeutet? Herrn Grübel fragen wenn das nicht klar sein sollte .....

  • Eigentlich egal am 02.10.2019 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CEO: Ich weiss alles und trotzdem nichts

    Immer wieder das alte Lied. Die Chefs verdienen viel, weil sie die Verantwortung tragen. Und ist es soweit, will keiner diese tragen und trotzdem das grosse Salär kassieren.

  • Schämu am 02.10.2019 19:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es lebe die Politik

    Wenn nur CS-Manager Kindsköpfe wären? Genau diejenigen die sowas erzählen sind es oft selber.

  • Yvonne am 02.10.2019 19:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Globalisierung

    Naja. Afrika hat die Schweiz erreicht. Schon lange. Aber jetzt wurde der Beweis erbracht, für alle und jeden sichtbar.

  • Rolf Oehen am 02.10.2019 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    Gibt es die FINMA noch?

    Es schmerzt! Von einstigen "Grossbank-Bänkern"mit Stil, Sachverstand, Fachwissen, (etwas) Ehrlichkeit &. Würde, ist in der CS, wenigstens f. Aussenstehende, kaum noch etwas übrig. Seit Jahren liesst man über Pleiten, Pech & Pannen! Viel öfters liest man jedoch über veritable "CEO-Theater-Stücke"! Wenn diese Bank weiter auf Rohner & Co im VR - und auf all diese Exoten im operativen Management setzt, wird dieses "ehrenwerte Haus" bald der KESP unterstellt werden müssen... BTW, was macht eigentlich da die FINMA?