Mutmasslicher Dschihadist

10. April 2015 17:04; Akt: 10.04.2015 17:04 Print

«Das war eine Routinekontrolle»

Die türkische Polizei meldet, sie habe einen Schweizer IS-Sympathisanten verhaftet. Vieles deutet daraufhin, dass es sich um Ex-IZRS-Mann Oscar Bergamin handelt. Der wehrt sich.

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Türkische Medien haben am Mittwoch vermeldet, dass ein Schweizer zusammen mit anderen Ausländern in Gaziantep an der Grenze zu Syrien verhaftet wurde. Die Gruppe habe die Grenze illegal überqueren wollen. Der Schweizer sei wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation verurteilt worden und soll am Dienstag von Istanbul nach Zürich geflogen sein. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bestätigte, dass ein Schweizer in der Türkei angehalten wurde und mittlerweile zurückgekehrt ist.

Den Namen des Schweizers haben die Behörden in Gaziantep nicht herausgegeben. Lediglich die Initialen O.A.M.B. sind bekannt. Laut dem «Tages-Anzeiger» stehen sie für den Namen «Oscar Assadullah Mukhtar Bergamin». Der Bündner Konvertit ist ehemaliges Vorstandsmitglied des Islamischen Zentralrats Schweiz (IZRS) und Präsident einer internationalen Hilfsorganisation für Soforthilfe- und Wiederaufbaumassnahmen.

Visum läuft ab

Bergamin lebt tatsächlich seit mehreren Monaten in der Türkei und wohnt in einem kleinen Haus in der Altstadt von Gaziantep. Und der Bündner ist am Dienstag in die Schweiz zurückgekehrt. Allerdings nicht, weil er von den Behörden ausgeschafft worden sei, wie er 20 Minuten erklärt. «Es stimmt, dass ich am Montag von der Polizei kontrolliert wurde. Das war eine Routinekontrolle. Das kommt regelmässig vor, unsere Organisation pflegt ein gutes Verhältnis zur Polizei von Gaziantep.»

Er habe an diesem Tag mit den Polizisten Tee getrunken. Bei der Kontrolle hätten die Beamten bemerkt, dass Bergamins Visum in wenigen Tagen abläuft. «Sie haben mich darauf hingewiesen und mich aufgefordert, schnellstmöglich in die Schweiz zu fliegen und das Visum zu erneuern. Das habe ich dann auch getan.»

Bergamin betont, dass er weder verhaftet noch verurteilt worden sei. Von einer entsprechenden Polizeimeldung habe er erst in der Schweiz durch die Medien erfahren. «Am Flughafen in Zürich hat mich niemand angehalten, ich bin ganz normal eingereist.» Selbst das EDA habe ihm keine Informationen bezüglich eines Verfahrens gegen seine Person geben können. Sobald er ein neues Visum habe, wolle er wieder nach Gaziantep reisen. Dass ihn die türkischen Behörden nicht mehr einreisen lassen, glaubt Bergamin nicht.

«Es muss ein anderer sein!»

In der Vergangenheit hat sich Bergamin in der Öffentlichkeit stets gegen den «Islamischen Staat» ausgesprochen. 2014 soll er etwa genaue Koordinaten von IS-Gefechtsstellungen getwittert haben. Dazu schrieb er laut «Blick»: «Sprengt sie einfach in die Luft!» und «Keine Zivilisten in der Nähe dieses Bunkers». Auch im Gespräch mit 20 Minuten betont Bergamin, dass er keinen Kontakt zu IS-Anhängern pflege.

Wie erklärt sich Bergamin dann, dass ausgerechnet seine Initialen in Zusammenhang mit einem verhafteten Schweizer gebracht wurden? Es müsse sich um einen anderen Schweizer handeln, sagt er. Oder dann seien auf der Liste mit überprüften Personen nebst seinem Namen einige dubiose Personen aufgeführt gewesen, die dann bei der Polizei zu einer falschen Schlussfolgerung geführt hätten.

Die Schweizer Behörden wollen nun der Frage nachgehen, ob es sich bei dem in der Türkei festgenommenen Schweizer um einen Dschihadisten handelt: «Die Bundeskriminalpolizei klärt in Zusammenarbeit mit der Bundesanwaltschaft und dem Nachrichtendienst des Bundes die in den Medien vorgebrachten Anschuldigungen mit in- und ausländischen Behörden ab», teilt das Fedpol mit.

(vro)