SBB-Chaos

07. Juni 2016 20:04; Akt: 08.06.2016 00:58 Print

«Das war kein Streich, sondern Sabotage»

Ein Kabelbrand hat am Dienstag zu Chaos im Zürcher ÖV geführt. Laut Experten und ehemaligen SBB-Mitarbeitern ist es sehr einfach, den Bahnbetrieb massiv zu stören.

Bildstrecke im Grossformat »
Am Dienstagmorgen verursachte ein Kabelbrand in Gleisnähe ein Pendler-Chaos im Raum Zürich. Bahnexperte Walter von Andrian: Den Nerv getroffen. (7. Juni 2016) Auch Anlagen der SBB wurden dabei beschädigt. Die Strecke ist für den Bahnverkehr unterbrochen, Der Reiseverkehr wurde über andere S-Bahnen und den ÖV umgeleitet. Diese Meldung erwartete die Leute am Morgen am Zürcher HB. Viele S-Bahnen fielen aus oder fuhren mit Verspätung. Am HB sind viele Pendler gestrandet. SBB-Mitarbeiter versuchen, den Leuten weiterzuhelfen. Um an den Flughafen zu kommen, mussten die Reisenden auf andere Verkehsmittel umsteigen. Auch in Oerlikon sammeln sich vor den Tramstationen Menschenmassen. Darunter sind auch viele Touristen, die zum Flughafen wollen. Sie hatten laut einem 20-Minuten-Reporter, der vor Ort ist, Probleme, die richtige Haltestelle zu finden. Gabriel (19) und Marius (20) müssten eigentlich zur Arbeit in Rümlang. Doch in Oerlikon fanden sie im Tram schlicht keinen Platz. Die Haltestellen selbst waren für die vielen Menschen zu klein. Die Trams waren vollgestopft. Als ausnahmsweise ein achttüriges Tram bei der Haltestelle vorfuhr, jubelten plötzlich alle. In Glattbrugg warteten unzählige Pendler auf eine Verbindung. Viele wollten nach Zürich. Doch Platz hatten nur die wenigsten. Die Menschenmassen sammelten sich am Bahnhof. Auch auf den Perrons standen viele Menschen. Kam ein Tram, war es oft schon voll. Am Flughafen Zürich zeigte sich ein ähnliches Bild. Viele Reisende versuchten stadteinwärts zu kommen. Hier nahm alles seinen Anfang. In Gleisnähe kam es am Dienstagmorgen zum Brand. Spezialisten der SBB waren vor Ort, um die Situation einzuschätzen. Die Stadtpolizei Zürich geht von Brandstiftung aus.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Am Dienstag ging auf der Strecke zwischen dem Flughafen Zürich und Zürich-Oerlikon nichts mehr: Ein Kabelbrand sorgte für den Ausfall der Stellwerksysteme und der Signale. 100 Menschen verpassten Ihren Flug, viele weitere kamen zu spät in die Schule, zu Prüfungen oder zur Arbeit. Die Trams auf der Strecke waren hoffnungslos überfüllt. Nun kritisieren Bahnexperten und ehemalige Mitarbeiter die Sicherheitsvorkehrungen der SBB.

Umfrage
Müssen die SBB jetzt die Kabelkanäle besser schützen?
30 %
36 %
34 %
Insgesamt 7723 Teilnehmer

«Wenn man mit Absicht ein System schädigen will, gibt es immer wieder Wege dazu. Das hat auch dieses Beispiel gezeigt», sagt Kurt Schreiber von Pro Bahn Schweiz. Das genaue Vorgehen will Schreiber im Hinblick auf Nachahmungstäter jedoch nicht erläutern. Andere angefragte Bahnexperten wollen sich nicht zitieren lassen, sagen aber, es sei kein Geheimnis, dass es nicht sehr schwierig sei, einen Kabelbrand zu verursachen. Eine ehemalige SBB-Mitarbeiterin, die ebenfalls anonym bleiben will, sagt gar: «Das kann jedes Kind.» Ein Kabelbrand würde laut Experten aber nur die Züge stillstehen lassen, eine Gefahr von Kollisionen bestehe nicht.

«Das war Sabotage»

«Man müsste hier dringend mehr Sicherheit schaffen, indem man zum Beispiel die Kabelkanäle mit Schlössern ausstattet», so Schreiber. Das sei aber teuer und würde zulasten der Billettpreise gehen. «Ausserdem schafft auch das keine absolute Sicherheit, dafür müsste man alle 500 Meter einen Polizisten hinstellen.»

Auch über die Täterschaft ist man sich einig. «Das war kein Bubenstreich, das war Sabotage», sagt Schreiber. «Ich vermute hinter dem Täter einen Ex-SBB-Mitarbeiter, der genau wusste, welche Schwachstelle im Gesamtsystem er damit treffen kann», sagt die ehemalige SBB-Mitarbeiterin. Die Täterschaft müsse nun mit der «vollen Härte des Gesetzes» bestraft werden, fordert Schreiber. «Auf diese Weise ist absichtlich Tausenden von Menschen geschadet worden und es wurde ein massiver wirtschaftlicher Schaden angerichtet.»

Bei den SBB will man sich zum Thema der Sicherheit der Kabelkanäle und der Täterschaft nicht äussern.

(the)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Art am 07.06.2016 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jedes Kind könnte...

    Nicht jeder kann irgend einen Brand legen. Einige können es aufgrund Gewissens nicht.

    einklappen einklappen
  • Felix Heinzer am 07.06.2016 20:16 Report Diesen Beitrag melden

    Erpressung ?

    Werden unter Umständen die SBB erpresst ? In Deutschland gab es bereits solche Fälle gegen die DB. Bleibt zu hoffen der oder die Täter werden rasch ermittelt. Danke an alle die an diesem Tag gute Arbeit gemacht hatten und all betroffenen einen guten erholsamen Abend.

    einklappen einklappen
  • Andreas Gasser am 07.06.2016 20:18 Report Diesen Beitrag melden

    Sabotage ist immer einfach

    Es ist eigentlich ein Wunder, dass nicht mehr und Schlimmeres passiert. Die Bahn ist extrem leicht angreifbar. Und Schutz ist definitiv unmöglich.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • mini5156 am 08.06.2016 10:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dankeschön

    Ich war gestern auch eine "Geschädigte", ich habe sogar 2x drn Anschlusszug verpasst und mich - ehrlich? - geärgert! Aaaaaaaaaber was die Leute, die das flicken, organisieren, Frage beantworten u.v.m. geleister gaben? Hut ab!!! Danke an Alle!

  • Cavi33 am 08.06.2016 07:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Risikomanagement

    Typische Expertenaussagen, es muss der Wille da sein den SBB Schaden zu zufügen. Neuralgische Stellen könnten auch Video überwacht werden, wie bei den Strassen. Somit hätte man zwar keine 100% Sicherheit aber wenigstens ein System mit dem man nicht wieder mit höheren Preisen drohen müsste.

  • Eduard J. Belser am 08.06.2016 07:26 Report Diesen Beitrag melden

    Konsequent und hart verfolgen

    Nun muss alles daran gesetzt werden, die Täter zu finden und dann ist die Justiz gefordert nicht mit einem Kuscheljustizurteil Nachahmungstäter zu ermuntern. Hier muss das Möglich Strafmass nach oben ausgeschöpft werden, damit das Urteil dem hohen Mass an krimineller Energie und dem Schaden gerecht wird und entsprechend auch richtig einfährt.

  • Baslerbebbi am 08.06.2016 07:10 Report Diesen Beitrag melden

    Entlassene Mitarbeiter?

    Hat die SBB in den letzten Wochen Mitarbeiter entlassen? Dann schaut mal dort...

  • Chris am 08.06.2016 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rache?

    Vielleicht war es auch Rache für die verlorene Milchkuhinitiative. Der Zeitpunkt ist doch sehr verdächtig. Wegen der LAP glaub ich weniger. Ist ja klar das man sie trotzdem machen muss. Das Motiv war auf jedenfall: Zleidläbe