Schlägerei am Berg

29. April 2013 15:49; Akt: 29.04.2013 16:05 Print

«Das war kein simpler Streit»

Ueli Steck wurde am Mount Everest mit dem Tod bedroht. Dahinter steckt ein lang anhaltendes Problem zwischen Westlern und Nepalesen, sagt der Bergsteiger.

storybild

Ueli Steck glaubt, dass viel mehr hinter der Attacke auf ihn steckte, als ein Streit um herabgefallene Eisstücke. (Bild: Ueli Steck)

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Die Attacke kann nicht mit einem simplen Streit erklärt werden», schreibt Ueli Steck in einer ersten öffentlichen Stellungnahme seit dem Angriff mit Todesdrohung auf dem Mount Everest. «Wir glauben, dass viel mehr dahinter steckt und dass dies das Resultat eines lang anhaltenden Problems zwischen Westlern und Nepalesen auf dem Berg ist», schreibt Steck.

Am 27. April kletterte Ueli Steck gemeinsam mit dem Italiener Simone Moro und dem Engländer Jonathan Griffith am Mount Everest ohne Sauerstoff und Seil (20 Minuten berichtete). Nach einer Auseinandersetzung, bei der sie mit Steinen beworfen und mit dem Tod bedroht wurden, brachen sie die Everest-Besteigung ab.

Auseinandersetzungen meist wegen Geld

Jens Röcken von der Bergführer-Organisation Kobler & Partner war selber schon in Nepal. Er weiss, dass es bei Auseinandersetzungen fast immer um Geld geht: «Jeder Sherpa hat eine Gruppe bezahlender Gäste.» Vielleicht hätten einige Sherpas das Gefühl gehabt, sie würden schlecht dastehen, als das Team um Steck ohne Sherpas und Gepäck an ihnen vorbeikletterte, glaubt Röcken.

Einige Sherpas haben laut Röcken über die Jahre einen gewissen Ehrgeiz entwickelt: «Sie wollen mit möglichst vielen Kunden eine Besteigung machen und erfolgreich sein.» Es existiere darum ein manchmal starker Wettbewerb zwischen den Veranstaltern.

Massentourismus am Berg

Laut Bergexperte Röcken sind bei einer solchen Besteigung viele Leute am Limit. «Es ist eine emotionale Situation. Wahrscheinlich hat sich der Streit hochgeschaukelt».

Er sagt, dass so ein Vorfall noch vor 15 Jahren undenkbar gewesen wäre: «Es kam nicht vor, dass man sich so dicht auf die Pelle rückte.» Es sei wahrscheinlich, dass der Vorfall mit dem Massentourismus auf dem Mount Everest zu tun habe. «Je mehr Leute aufeinander sind, desto mehr Konflikte gibt es.»

(sth)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lonewolf am 29.04.2013 16:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht alleine

    "Je mehr leute aufeinander sind desto mehr konflikte gibt es"... Werden wir in zukunft woll öfters hören...

  • patrick h. am 29.04.2013 17:11 Report Diesen Beitrag melden

    runter vom berg

    Ja, Machogehabe ist auch das erste das mir einfällt. Jedoch nicht über die Sherpas sondern über Ueli Steck. Diese Leute tragen die Verantwortung und bei sowas kann man niemanden brauchen der sich vordrängelt. Ganz ehrlich, ich wäre sowieso dafür diese "Sportart" zu verbieten. Es schadet der Natur und offenbar auch der Hirnmasse der Bergsteiger. "Die Menschheit" war ja nun schon oben, mehr gibt es nicht zu beweisen. Sucht Euch ein normales Hobby und spielt mit der Eisenbahn im Keller wie jeder normale Mensch auch.

    einklappen einklappen
  • Freak Brother am 29.04.2013 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Super Ueli

    Ein Wunder, dass die Sherpas den Ueli überhaupt bemerkt haben, als der an ihnen vorbeigerast ist. Er hätte einfach weiter rennen können, die wären ihm nie nachgekommen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Gustav Häberli am 30.04.2013 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Innovation

    Man könnnte die Sherpas durch lastesel ersetzen die man bei der Lokalbevölkerung mietet. Die Region hat ein Einkommen und es riskieren weniger Menschein ihr Leben.

  • Ahnungs Los am 30.04.2013 10:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt

    Vielleicht mangelt es an Respekt der vielen Himalaya Touristen. Die wahren Helden sind nämlich die Sherpas. Sie sind es die die schweren lasten hoch getragen haben. Sie sind mehrmals hoch und runter gegangen während die gefeierten Helden den weg ohne grosse last nur einmal gemacht haben. Die Sherpas setzen jedesmal ihr Leben aufs Spiel weil es ja auch ihre Existenz ist. Wenn jetzt da jemand kommt der ja nicht zum ersten mal da ist und vielleicht für ihr dafürhalten nicht den nötigen Respekt auf bringt weil er ja in eile ist kann man ihren Zorn verstehen. Also gilt auch hier Respkt.

  • Josef Gustafson am 30.04.2013 09:45 Report Diesen Beitrag melden

    Ueli der Böse

    Der Ueli war sicher nicht ganz unschuldig! Dies ist meine Meinung, denn es braucht immer zwei Sträithäne um einen Kampf zu beginnen.

  • Beat F. am 29.04.2013 22:59 Report Diesen Beitrag melden

    Ueli one of the best!

    Also wenn ich die Kommentare hier lese kann ich nur mit dem Kopf schütteln. OK, mag sein dass noch niemand genau weiss was da passiert ist, vielleicht hat Steck oder seine Kollegen wirklich einen Fehler gemacht. Eins sollten aber all die Schlauberger hier wissen: Steck gehört weltweit zu den angesehensten profesionellen Bergsteigern und in Europa zu den Top-Five. Ausserdem gehört er zu den Puristen des Bergsteigens ohne Sauerstoffflasche, in kleinen Gruppen - ohne Sherpas! Da kann man sich ausrechnen dass die Sherpas von dieser Art von "altmodischem" Bergsteigen nichts halten.

    • Raphael, Alpinist am 30.04.2013 01:23 Report Diesen Beitrag melden

      Neid wohin man blickt!

      Meine Rede! Ist aber auch kein Wunder, dass gewisse Bünzlis eifersüchtig sind, weil er seinen Traum lebt, während sie in ihren Büros hocken. Klar geht dann jegliche Objektivität flöten. Steck gehört für mich zu den inspirierendsten Schweizer Persönlichkeiten überhaupt, aber ich rege mich schon gar nicht mehr über Neider auf. Sollen sie doch eifersüchteln, dabei würden sie nicht mal den Pilatus schaffen ;)

    • Lukas im Ausland am 30.04.2013 09:34 Report Diesen Beitrag melden

      Wiso muss es immer Neid sein?

      Schon mal darüber nachgedacht dass für einige Menschen Bergsteigen kein Stellenwert hat, stattdessen sind Tugenden wie, Menschen lieben, unterstützen und auf einheimische Rücksichtnahme das höchste ist. Deshalb sind Extremsportler nicht unbedingt unsere Freunde, Weill wenn du einen gewissen Zenit von Ehrgeiz erreichst wirst du rücksichtslos.

    • Damian Alpinist am 30.04.2013 10:36 Report Diesen Beitrag melden

      Erfolgshunger vs. Respekt

      Vorab: Ueli Steck ist unbestritten einer der besten Kletterer auf der Welt! Doch manchmal geht vor lauter Erfolgshunger das Zwischenmenschliche verloren, hat nichts mit Neid zu tun?! Und so wie ich das (z.B. gem. Alan Arnette) lese, haben sie grobe, zwischenmenschliche, Fehler gemacht. Vielleicht war alles "technisch sauber", aber es gehört auch dazu, dass man die einheimische Kultur, Personen, Traditionen und Gepflogenheiten befolgt und respektiert. Natürlich haben die Sherpas überreagiert, aber die Westler sind in einer ganz anderen Position als die einheimischen Sherpas!

    • Jane Doe am 30.04.2013 11:59 Report Diesen Beitrag melden

      @Damian Alpinist; @Lukas im Ausland

      Sie sagen es - es hat nichts mit Neid oder so zu tun. Die Kultur der Länder darf man nun mal nicht vergessen.

    einklappen einklappen
  • Ruedi G. am 29.04.2013 21:39 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Sherpas geht gar nichts mehr,

    Mich wunderts eigentlich , dass es so lange gedauert hat bis es mal zu einer solchen Konfrontation kam. Da prallen einfach Welten aufeinander . Die Sherpas sind eigentlich diejenigen , welche ihr Leben riskieren , damit sich ein paar verrückte auf dem Gipfel posen können. Auch Steck + Co sind auf diese Leute angewiesen . Denke mit ein wenig Respekt und Anstand wäre das nicht passiert.