Video mit Jihadist

30. November 2015 07:17; Akt: 30.11.2015 09:19 Print

«Den IZRS verbieten, bevor es zu spät ist»

Der Islamische Zentralrat Schweiz hat ein Interview mit einem Al-Qaida-nahen Jihadisten veröffentlicht. Jetzt mehren sich die Stimmen, die ein Verbot des IZRS fordern.

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Naim Cherni vom Islamischen Zentralrat Schweiz (IZRS) hat auf einer Reise nach Syrien Abdallah al-Muhaysini befragt – einen Jihadisten mit Verbindungen zur Terrororganisation al-Qaida. Dass der IZRS einer solchen Person eine Plattform bietet, sorgt für Empörung. Saïda Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, sagt, Abdallah al-Muhaysini wolle dasselbe wie der IS: «Auch er möchte die Scharia einführen und einen islamischen Staat schaffen – wenn der IZRS das unterstützt, ist er der Ideologie des IS sehr, sehr nahe.»

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Dass der IZRS einer solchen Person huldige, sei entlarvend. Und es sei brandgefährlich: «Damit will er Muslime aus der Schweiz für den Jihad begeistern – und sorgt dafür, dass noch mehr Leute sich auf den Weg nach Syrien machen.» Auch Oscar Bergamin, Syrien-Kenner und bis 2011 selber IZRS-Vorstandsmitglied, sagt zur «Sonntagszeitung»: «Damit heroisiert der IZRS den Jihad.»

«Verbot des IZRS ist im Interesse der Muslime»

Die jüngste Aktion bestärkt Keller-Messahli in ihrer Meinung, dass der IZRS verboten werden müsse: «Ich sehe keinen anderen Weg als ein Verbot dieser Organisation.» Das sei auch im Interesse der gemässigten Mehrheit der Schweizer Muslime: «Der IZRS sät Misstrauen und Zwietracht, und er vertritt eine Ideologie, die nicht mit einer freiheitlichen, demokratischen Gesellschaft vereinbar ist.» Es zeige sich, dass der IZRS die Grenzen immer weiter ausreize, wenn man ihm keinen Einhalt gebiete.

Auch Walter Wobmann, Initiant des Minarett-Verbots und SVP-Nationalrat, verlangt, dass die Behörden aktiv werden – ein Verbot des IZRS müsse geprüft werden. «Diese Islamisten geniessen in der Schweiz Narrenfreiheit – damit muss endlich Schluss sein. Man muss eingreifen, bevor es zu spät ist.» Der IZRS vertrete Ansichten, die den grundlegenden Werten der Schweiz widersprächen. «Dass diese Organisation ungehindert Propaganda für den Jihad macht, dürfen wir nicht weiter dulden.»

IZRS: «Wir sind keine Al-Qaida-Anhänger»

Oscar Bergamin dagegen sagt zu 20 Minuten: «Der IZRS ist klein und unbedeutend – der schweizerische Rechtsstaat ist stark genug, um solche Grüppchen auszuhalten.» Und Extremismus-Experte Samuel Althof sagt: «Man muss diesen Leuten entschlossen mit Argumenten begegnen, nicht mit Verboten.» Dabei verweist er auf den Umgang der Schweiz mit Rechtsradikalen: «Auch die Pnos wurde nie verboten.» Das Problem lasse sich nicht über die Kriminalisierung des IZRS regeln, sondern nur über einen «aufgeklärt-kritischen Gesellschaftsdiskurs». Dass der IZRS al-Muhaysini eine Plattform bietet, hält aber auch Althof für besorgniserregend: «Das ist ein Mann, der Gewalt propagiert und die Demokratie ablehnt. Dass der IZRS in ihm ein Vorbild sieht, ist bedenklich.»

IZRS-Generalsekretärin Ferah Ulucay sagt auf Anfrage, al-Muhaysini stelle selbst in Abrede, Verbindungen zu al-Qaida zu haben. Dies gelte natürlich auch für den Islamischen Zentralrat: «Wir haben selbstverständlich weder Beziehungen zu al-Qaida noch sind wir Anhänger ihrer Ideologie.» Zu den Verbotsforderungen sagt Ulucay: «Dann kann man den Rechtsstaat gleich mit abschaffen.» Eine solche Forderung widerspiegle die «grassierende Islamophobie in unserer Gesellschaft».

«Putin soll die Leichensäcke bereitmachen»

Auf seiner Syrien-Reise hat IZRS-Mann Cherni nicht nur al-Muhaysini interviewt, sondern auch einen Film gedreht. Am 5. Dezember lädt der IZRS zur Premiere – der Veranstaltungsort ist noch geheim. Ein Trailer bietet bereits einen Vorgeschmack auf den Film: Cherni spricht von «säkularer Oktroyierung» – und Jihadisten stossen Drohungen gegen die russischen Streitkräfte aus: Putin solle die Leichensäcke bereitmachen, man werde ihm die Köpfe seiner Soldaten zurückschicken.

(lüs)