Schlecht behandelt

24. November 2017 05:58; Akt: 24.11.2017 07:40 Print

«Der Arzt belächelte mich, weil ich Veganer bin»

von B. Zanni - Bei einem Husten wird ein Steak empfohlen: Veganer und Vegetarier berichten, dass sie von Ärzten kritisiert statt angemessen behandelt werden.

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An die Sprechstunde vor dem Bluttest erinnert sich Dominique Röthlisberger noch genau. «Mein Hausarzt belächelte mich nur, als ich mich als Veganer outete», erzählt der 32-Jährige. Der Arzt habe mit schlechten Werten gerechnet. Nach dem Test stellte sich jedoch das Gegenteil heraus. «Er sagte, es sei alles gut, aber noch besser wären die Werte, wenn ich mich auf den Fleisch- und Käsekonsum zurückbesinnen würde.» Danach wechselte Röthlisberger seinen Hausarzt. «Mein neuer Hausarzt ist zwar auch der Meinung, dass Veganismus nicht gesund sei, nimmt es aber etwas sportlicher.»

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Ähnliche Erfahrungen machte N. K.* (23). «Mein Arzt lachte mich aus und sagte, es gebe nichts Besseres als ein gutes Steak», schreibt sie. Veganerin J. A.* wechselte zu einem Naturheilarzt. Dieser finde eine vegane Ernährung super und unterstütze sie. «Mein Hausarzt dagegen empfahl mir, einmal pro Woche Fleisch zu essen und Milchprodukte zu konsumieren.» Die Betroffenen bedauern, dass die Ärzte wenig über ihre Ernährungsweise wissen. Veganer M. K.* berichtet: «Als meine Ärztin erfuhr, dass ich Veganerin bin, schaute sie bei Wikipedia nach, welche Stoffe kritisch sind.»

«Einen Arzt zu finden, ist ein Glücksfall»

Auch eine nicht repräsentative 20-Minuten-Umfrage mit rund 700 Teilnehmern zeigt, dass sich über 100 Vegetarier und Veganer vom Arzt ungenügend behandelt fühlten. Laut der Online-Arztpraxis Vegmedizin ist der Wunsch nach einer kompetenten Betreuung gross. In einem Inserat sucht Vegmedizin Ärzte für den Aufbau des ersten Ärztezentrums mit vegetarisch-veganem Schwerpunkt in der deutschsprachigen Schweiz. «Vegetarier und Veganer haben bei der ärztlichen Versorgung oft mit Vorurteilen zu kämpfen und werden in der Folge fachlich ungenügend behandelt», führt Vegmedizin im Inserat aus.

Auch der Verein Swissveg bestätigt, dass Vegetarier und Veganer Mühe haben, Ärzte zu finden, die ihnen eine angemessene Behandlung bieten. «Es gibt leider auch viele Ärzte, die keine Ahnung von Veganismus und Vegetarismus haben», sagt Renato Pichler, Geschäftsführer des Vereins Swissveg. «Einen Arzt zu finden, der etwas von diesen Ernährungsweisen versteht, ist ein Glücksfall.»

Patienten müssen Ärzte anweisen

Oft interpretieren sie Symptome laut Pichler falsch und messen Werte, die zu unzuverlässigen Diagnosen führen. «Es ist tragisch, wenn Patienten dann die Arbeit von Ärzten übernehmen müssen, indem sie ihnen erklären, welchen Wert sie messen müssen.»

Häufig reagierten Ärzte mit Kritik. Pichler: «Kommen vegane oder vegetarische Patienten mit einem Husten, steht für Ärzte manchmal gleich fest, dass die fleischlose Ernährung schuld daran ist.» Pichler warnt: «So besteht die Gefahr, dass ernste Krankheiten übersehen werden.» Dank eines Ärztezentrums könnten sich die Patienten auf kompetente Beratung verlassen. «Schön wäre aber, wenn Ärzte im Allgemeinen für diese Patientengruppe entsprechend ausgebildet wären.»

«Dafür gibt es Ernährungsberater»

Arzt und SP-Nationalrat Angelo Barrile hingegen vertritt die Ansicht, dass Hausärzte keine Experten für vegane, vegetarische oder sonstige spezialisierte Ernährung sein müssten. «Dafür gibt es Ernährungsberater.» Betreuten Ärzte hingegen solche Patienten, sollten sie sich das nötige Wissen aneignen. «Deshalb sind Weiterbildungsangebote in diesem Bereich wichtig.»

Barrile betont, es sei Aufgabe des Arztes, jeden Patienten seinen Bedürfnissen entsprechend so gut wie möglich medizinisch zu unterstützen. «Behandlungen darf er nicht von seiner persönlichen Meinung abhängig machen.» Er gehe jedoch davon auf, dass nur eine kleine Minderheit der Hausärzte solche Patienten nicht ernst nehme und grundsätzlich von einem Fleischkonsum überzeugen wolle. Vermittle der Patient jedoch den Eindruck, naiv einem Trend zu folgen, sei sehr wichtig, dass der Arzt informiere. «Auf diese Weise werden Mangelerscheinungen verhindert.»


*Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sandra Berger am 24.11.2017 06:08 Report Diesen Beitrag melden

    Man kann es kaum ernst nehmen

    Man kann diese selbstauferlegte Ersatzreligion auch nicht ernst nehmen. Grundsätzlich soll jede und jeder essen können war er/sie möchte, aber dieses Missionieren und immerwährende Herausstreichen, dass man Veganer ist, nervt einfach nur. Nein, ihr seid keine besseren Menschen, lebt weder gesünder noch länger und der Umwelt tut ihr auch keinen Gefallen. Unsere Grosseltern würden sich ab solchem Schwachsinn im Grab umdrehen, im WW2 waren Ressourcen knapp und der Food rationiert. Auf die Idee sich selbst so einzuschränken wäre niemand gekommen. Und als Frau möchte ich keinen Körnchenpicker....

  • Verschwöribus am 24.11.2017 06:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fleisch im Masse ist ok

    Oha, vielleicht hat der Arzt ja recht?

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  • Mel S am 24.11.2017 06:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eogentlich eher so

    Wenn alle Ärzte sagen es sei nicht gesund könnte was dran sein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • S@m.W am 24.11.2017 18:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit

    Ich bin der Meinung das jeder Arzt seine Patienten angemessen behandelt und auch akzeptieren wie ihre Ernährung ist.

  • Severin M. am 24.11.2017 18:20 Report Diesen Beitrag melden

    Risk&Fun = Fortschritt

    No Risk, No Fun. Menschen haben die Eigenschaft, dass Sie sture Holzköpfe sind und neue Sachen ausprobieren wollen... Ohne all die komischen Vögel, die nichts neues Ausprobieren (also Testkaninchen spielen) wären wir noch heute im Mittelalter... Niemand soll zu solchen Sachen gezwungen werden, aber es ist voll OK das Menschen neue Ernährungsformen ausprobieren. ... Fortschritt kommt nicht Top down durch irgendwelche EU-Kommissionen, sondern aus dem Zusammenspiel von Enthusiasten und interessierten Akademikern... Das betrifft Soziales, Sexuelles und technisches (Auto, Gamer, Motorrad) Genauso..

  • Daniel Düsentrieb am 24.11.2017 18:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur so viel

    Wenn ich die Post lese muss ich feststellen dass Fleischesser bedenklich intoleranter sind als Veganer. Auch in Bezug auf die Gesundheit dieser Ernährungsweise besteht extrem wenig Ahnung. Und nein ich bin kein Veganer interessiere mich jedoch für gesunde Ernährung.

  • Owl am 24.11.2017 18:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein Arzt hat auch keine Ahnung

    Der meint ich solle mit dem Rauchen aufhören weil es ungesund ist. Wechsle wahrscheinlich auch.

  • MamaKartoschka am 24.11.2017 18:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts Neues

    In den 30er Jahren und auch schon früher, war es sehr in Mode sich nur bon einfacher Nahrung und Rohkost zu ernähren. Die "Birchermüesli-Bewegung" war unter den gutbürgerlichen Leuten sehr verbreitet. Also, soooooo neu ist das Konzept nicht. Mir ist schleierhaft, warum sich manche Fleischkonsumenten immer gleich angegriffen fühlen. Noch bevor man überhaupt was sagt....^^ Ein schlechtes Gewissen, von dereigenen Haltung nicht ganz überzeugt? Esst doch was ihr wollt und lasst andere in Ruhe. Steht einfach drüber.