Stimmen zu Meyers Rücktritt

04. September 2019 17:14; Akt: 04.09.2019 17:14 Print

«Der Druck ist hoch, das Personal unzufrieden»

SBB-Chef Andreas Meyer hat seinen Rücktritt angekündigt. Das sind die Reaktionen aus der Politik.

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Simonetta Sommaruga, SP-Bundesrätin

SBB-Chef Andreas Meyer habe sie schon im Frühling über seine Rücktrittsabsichten informiert, sagte Bundesrätin Simonetta Sommaruga am Mittwoch. Sie habe «Verständnis dafür, dass er nach 13 Jahren an der Spitze der SBB nun noch etwas Anderes tun möchte».

«Andreas Meyer hat grosse Verdienste für die SBB und den öffentlichen Verkehr in der Schweiz», heisst es in einer Erklärung der Verkehrsministerin. Er habe die SBB modernisiert und mehr Geld für den Unterhalt beschafft. Unter seiner Führung hätten die SBB das Angebot stark ausgebaut und gleichzeitig dafür gesorgt, dass die Preise stabil geblieben seien.

Andreas Meyer habe sich ausserdem« erfolgreich für eine starke, integrierte Bahn eingesetzt, in der alles aus einer Hand gesteuert wird», erklärte Bundesrätin Sommaruga. Es liege nun in der Zuständigkeit des Verwaltungsrates, die Nachfolge vorzubereiten und zu bestimmen.


(Quelle: Keystone)

Giorgio Tuti, Gewerkschaftspräsident

Für Giorgio Tuti, Gewerkschaftspräsident des Verkehrspersonals (SEV), kommt der Rücktritt nicht komplett überraschend. «Seit einem Monat ist der Druck sehr hoch. Das Personal ist sehr unzufrieden», so Tuti.

Vor allem die ständigen und in seinen Augen unnötigen Reorganisationen und Sparprogramme, würden die Mitarbeiter verärgern. Daher sei ein Wechsel in der Kultur und Kommunikation unumgänglich. «Das bringt auch eine Imageaufbesserung und Beruhigung der Situation. Jetzt ist Konzentration auf das Kerngeschäft angesagt, also auf gute und sichere Dienstleistungen zu angemessenen Preisen. Das ist die Aufgabe der SBB!»


(Quelle: Keystone)

Karin Blättler, Präsidentin Pro Bahn

Karin Blättler, Präsidentin von Pro Bahn, schliesst sich Tuti an: «Die SBB war in den letzten Jahren sehr auf Digitalisierung bedacht. Der laufende Bahnverkehr geriet dabei etwas aus den Augen.» Dabei spielt sie vor allem auf Themen wie Personal und Pünktlichkeit an. Bei Pro Bahn wünscht man sich, dass der Bahnbetrieb künftig wieder zuverlässiger und sicherer funktioniert. «Man sollte zuerst den Fokus auf einen stabilen Bahnbetrieb legen. Erst danach sollten Zukunftsprojekte realisiert werden», so Blättler.

Edith Graf-Litscher, Kommissionspräsidentin

Andreas Meyer habe sie am Mittwochmorgen über seinen Rücktritt vorinformiert, sagte die Präsidentin der Verkehrskommission des Nationalrates (KVF), Edith Graf-Litscher (SP/TG), auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. In der KVF sei Meyer nie zum Rücktritt aufgefordert worden. Sie nehme Meyers persönlichen Entscheid zur Kenntnis und wünsche ihm für die Zukunft alles Gute.

Nun sei wichtig, dass die künftige Leitung der SBB «eine hohe Affinität und Freude» habe, ein Service-public-Unternehmen zu führen, sagte Graf-Litscher. Die neue Führung dürfe nicht Reorganisation um Reorganisation machen, sondern müsse eine Konsolidierung anstreben und dem Personal Wertschätzung entgegen bringen, «damit die guten Mitarbeitenden dem Unternehmen erhalten bleiben».

Erst am Montag hatte Graf-Litscher vor den Medien in Bern erklärt, die Verkehrskommission des Nationalrates erwarte, dass das Management der SBB «endlich seine Hausaufgaben macht». Dies erwarte man natürlich nach wie vor, sagte sie am Mittwoch.


(Quelle: Keystone)

Martin Candinas, CVP-Nationalrat

«In meinen Augen hat Andreas Meyer eine sehr gute Arbeit geleistet», sagt CVP-Nationalrat Martin Candinas. Dabei betont er, dass die SBB in den letzten Jahren ihr Angebot gesteigert und diverse Grossprojekte realisiert hat. «Im Vergleich zu den Bahnunternehmen im Ausland, stehen wir, trotz allen Vorfällen der letzten Zeit, gut da», findet Candinas. Als Nachfolger wünsche er sich jemanden, der das «System des Schweizer ÖV» verstehe. Zudem braucht die neue Führungsperson viel Feingefühl: «Es ist eine Balance zwischen Wirtschaftlichkeit und Service public.»


(Quelle: Keystone)

Philipp Hadorn, SP-Nationalrat

«Meine Trauer hält sich in Grenzen», sagt SP-Nationalrat Philipp Hadorn offen. Laut ihm hat Meyers Führungsstil schon des Öfteren Fragen aufgeworfen. Zudem habe er eine schwierige Ausgangslage gehabt. «Dass die Schlinge immer enger wird, war klar. Daher haben die Negativ-Schlagzeilen wohl auch mit in seine Kündigung reingespielt.» Hadorn glaubt, dass die Umstellung dem Unternehmen gut tun wird.


(Quelle: Keystone)

Walter Wobmann, SVP-Nationalrat

«Für mich kam der Rücktritt überraschend. Nach all den Sachen, die in letzter Zeit passiert sind, will er sich wohl herausziehen und flüchten», sagt Walter Wobmann, SVP-Nationalrat. Er habe schon länger den Eindruck gehabt, dass man bei der SBB eher in den Ausbau investiere und dabei den Unterhalt des Bahnbetriebs vernachlässige. «Man hat sich zu sehr auf die Führungsebene und zu wenig auf die Pendler konzentriert», so Wobmann. Laut ihm trifft die Schuld aber nicht Meyer allein: «Hinter ihm stehen auch ein Verwaltungsrat und eine Bundesrätin. Diese hätten beispielsweise beim Türen-Defekt intervenieren müssen.»


(Quelle: Keystone)

(woz/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dagobert am 04.09.2019 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht mehr tragbar

    es hätte nicht mehr lange gedauert und er wäre zum Rücktritt gezwungen worden ... dieser Schritt ist überfällig, das gibt Platz für Neues!

    einklappen einklappen
  • Tinu Tobler am 05.09.2019 08:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur Meyer schuld?

    Alle schimpfen über A. Meyer. Warum nicht über die Politik(er/innen), die die SBB in eine AG umwandelten, zum sparen zwingt, und die Gelder gibt, oder eben auch nicht?

  • Tina am 04.09.2019 19:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jawohl

    Danke Walter Wobmann! Endlich einer der es ausspricht was wir alle denken!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sulj am 05.09.2019 18:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das alles kann niemand alleine bewerkstelligen.

    Herr Wobmsnn hat insofern recht, dass er den Unterhalt die ganze Infrastruktur und das Personal immerhin über 33'000 Angestellte Schlitten liess, er war schlichtweg total überfordert und der VR und BR schaut diesem nicht tun quasi interessenlos zu, da liegt der Hase begraben, statt Meyer tatkräftig zu unterstützen mit 1-2 weiteren fähigen Chefs lässt man ihn nun in's Verderben laufen.

  • André Gubelmann Brasilien am 05.09.2019 18:09 Report Diesen Beitrag melden

    Goldener Absprung

    Klar,wenn man als überbezahlter CEO seine Hausaufgaben schlampig ausführt,ist der Druck sogar berechtigt.Dass Frau Somaruga und etliche Politiker diesen CEO in Schutz nehmen und Ihm noch einen goldenen Fallschirm schenken lassen,sagt schon Alles was sich in der Politik abspielt.

  • Sandro am 05.09.2019 09:13 Report Diesen Beitrag melden

    Personal unzufrieden?

    Die SBB verfügt über eine "Goldene Pensionskassen Lösung" von der normale Arbeiter nur träumen können. Bundesangestellte sollte mal in die Privatwirtschaft wechseln, dann sehen Sie wie es wirklich ist zu arbeiten.

  • Urs am 05.09.2019 08:52 Report Diesen Beitrag melden

    Taschen voller Geld

    Zu späte Einsicht, leider musste erst ein Mensch sterben.

  • michii am 05.09.2019 08:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Medien haben auch ihren Beitrag geleistet

    Die Medien sind an der Unzufriedenheit des Personals auch nicht ganz Unschuldig....