El-Furkan

01. Juli 2014 10:13; Akt: 01.07.2014 14:36 Print

«Der Dschihad ist im Moment kein Thema»

Im zürcherischen Embrach sorgen die Salafisten von el-Furkan für Wirbel. Jetzt spricht der Vorsteher der Gruppierung.

«Sie haben einfach etwas längere Bärte»: In der Umgebung der Moschee ist el-Furkan ein grosses Thema.
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Als 20 Minuten mehrere Mitglieder der Gruppierung el-Furkan in Embrach kontaktierte, reagierten diese zunächst ablehnend bis gereizt auf Fragen. Am Montagabend nahm der Vorsteher des Vereins doch noch Stellung – wenn auch nur anonym.

Laut Medienberichten ist die Moschee in Embrach ein Treff radikaler Salafisten ex-jugoslawischer Herkunft. Welchen Islam lebt Ihr Verein el-Furkan?
Wir sind ganz normale Muslime, ein kleiner Verein mit rund 60 Mitgliedern, die hier in Frieden beten. Wir leben einen ganz normalen Islam. Dass es in Deutschland eine Organisation mit dem gleichen Namen gibt, die Muslime für den Dschihad rekrutieren soll, ist reiner Zufall. Als wir unseren Verein gründeten, wussten wir nichts vom Verein in Deutschland.

Bei den etablierten muslimischen Dachverbänden wie der Vioz kennt man ihre Gruppierung nicht. Auch dem radikalen Islamischen Zentralrat der Schweiz (IZRS), der wiederholt salafistische Prediger eingeladen hat, waren Sie zunächst nicht bekannt. Warum operieren Sie verdeckt?
Unseren Verein gibt es erst seit einem Jahr, wir sind also noch im Aufbau. Eines unserer Vorstandsmitglieder hatte auch bereits Kontakt mit der Vioz. Vielleicht werden wir bei der nächsten Generalversammlung schon aufgenommen. Was den IZRS angeht, haben wir gewisse Differenzen: Wir suchen nicht das Licht der Öffentlichkeit, sondern wollen einfach in Ruhe unseren Glauben leben.

Auf Facebook bekundeten Mitglieder ihre Sympathie für die Terroristen von Isis, und viele Spuren führen auch zu den deutschen Salafisten um Pierre Vogel, dem die Schweiz schon die Einreise verweigerte.
Am Samstag ist es in unserer Moschee sehr voll, sodass wir nicht jede einzelne Person kennen, die unser Haus betritt. Den Vorwürfen gegen einzelne Mitglieder gehen wir nach. Einen deutschen Prediger haben wir aber nie eingeladen.

Ihr Imam ist aber Selman Ramadani, der bei Koranverteilungsaktionen schon mit deutschen Salafisten zusammengespannt hat.
Ja, das stimmt. Seit er bei uns ist, hat er jedoch keine Korane mehr verteilt.

Distanzieren Sie sich in aller Form vom Dschihad?
Wir beschäftigen uns nicht damit. Ich lebe hier in der Schweiz, gehe meinem Job nach und komme am Abend heim zu meiner Familie. Was im Ausland passiert, interessiert mich nicht gross. Der Dschihad ist momentan kein Thema.

Sie würden also nicht in den Heiligen Krieg ziehen?
Im Moment lebe ich in der Schweiz und habe auch nicht vor, in den Dschihad zu ziehen.

Distanzieren Sie sich von Steinigungen?
Nein. Wie soll ich mich auch von etwas distanzieren, das im Koran steht? Wir leben hier aber in einem Land, in dem die Scharia nicht gilt und so etwas nicht möglich ist. Das akzeptiere ich. Wir halten uns an die hiesige Rechtsordnung.

Mittlerweile hat sich die Polizei eingeschaltet. Warum?
Wir haben uns immer korrekt verhalten, auch von den Nachbarn gab es keine Beschwerden, da können Sie die Polizei fragen. Noch diese Woche gibt es einen runden Tisch mit der Polizei, der Gemeinde und der Immobilienverwaltung. Wir standen schon vorher in Kontakt mit der Polizei.

Im Internet kursieren Propaganda-Videos für die Terrorgruppe Isis. Sie haben makellose deutsche Untertitel und laufen unter dem Namen Al-Furqan Media.
Damit haben wir absolut nichts zu tun – dahinter steckt wohl wieder der deutsche Verein. Wir überlegen uns jetzt ernsthaft, unseren Namen zu ändern.

(daw)