Abtreibungsdiskussion

11. März 2016 10:14; Akt: 11.03.2016 11:34 Print

«Der Erzeuger müsste ein Veto-Recht haben»

Sollen Männer bei einer Abtreibung mitreden dürfen? Schweizer Männerorganisationen finden, dass eine Debatte über die Rechte des Erzeugers geführt werden müsse.

storybild

Sollen Männer bei einer Abtreibung mitreden dürfen? Die Frage spaltet auch Männerorganisationen. (Bild: colourbox.com)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Eine Idee der schwedischen Jungliberalen sorgt weltweit für Empörung: Diese forderten im Sinne der Gleichberechtigung, dass Männer rechtlich «abtreiben» dürfen. Konkret: Männer sollen sich bis zur 18. Schwangerschaftswoche gegen das Kind entscheiden dürfen. Unterschreibt er eine Verzichtserklärung, tritt er alle Pflichten und Rechte an die Frau ab.

Umfrage
Sollen Männer ein Mitspracherecht auf Abtreibung haben?
37 %
58 %
5 %
Insgesamt 4678 Teilnehmer

Markus Theunert vom Dachverband Schweizer Männer- und Väterorganisationen begrüsst die Diskussion. Innerhalb der Verbände gebe es aber keine einheitliche Position. «Einige sind beispielsweise der Meinung, dass der Mann keine Alimente zahlen solle, wenn ihn die Frau in Sachen Verhütung angelogen habe.» Andere gewichteten die Verantwortung des Mannes an einer Schwangerschaft höher.

Sollen Männer mitreden dürfen?

Nach Ansicht Theunerts sollten Männer aber zumindest das Recht auf Information bekommen. «Es ist stossend, dass der Mann heute nicht einmal über den Schwangerschaftsabbruch informiert werden muss. Der Vater ist doch kein Zuchthengst.» Unter dem Stichwort «Male abortion» (männliche Abtreibung) werde zudem diskutiert, inwiefern Männer in den Abtreibungsentscheid einbezogen werden sollen – etwa mit einem Veto-Recht. Hier konkurrierten die Interessen angehender Väter jedoch mit dem Selbstbestimmungsrecht der Frau.«Diese Diskussion braucht viel Fingerspitzengefühl», sagt Theunert.

Einen weitgehenden Einbezug des werdenden Vaters fordert Leopold Brügger, der die Plattform Gleichstellung.ch betreibt: «Der Mann müsste ein Veto-Recht haben, wenn der Sex einvernehmlich war und er sich verpflichtet, für das Kind zu sorgen.» Abtreibungen seien in schweren seelischen Notlagen erlaubt, sollten aber die Ausnahme bleiben. Wer nicht verhüte, müsse damit rechnen, ein Kind auszutragen.

Brügger hat im Vorfeld der eidgenössischen Wahlen eine Umfrage zum Thema durchgeführt. Von 352 befragten Kandidaten sprachen sich 36 Prozent für ein Veto-Recht aus, wenn die Voraussetzungen plausibel sind und sich der Erzeuger zur Sorge verpflichtet.

«Ein Mann darf niemals über den Körper einer Frau verfügen»

Nichts von einem Veto-Recht hält Anne-Marie Rey, Vorkämpferin für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch. Bei ihr melden sich ab und zu Männer, die eine Frau von einem Abbruch abhalten oder sie dazu drängen wollen. Sie sagt aber: «Eine Gleichberechtigung ist aufgrund der biologischen Unterschiede nicht möglich. Schliesslich trägt der Mann das Kind nicht aus.» Ein Mann dürfe niemals über den Körper einer Frau verfügen. «Das ist ein grundlegendes Menschenrecht, das auch die Gerichte schützen.»

Mehr Verständnis hat sie für die Forderung nach einer Entledigung finanzieller Pflichten für den Fall einer ungewollten Vaterschaft. Die schwedische Idee könne aber nicht die Lösung sein, da ein Kind das Recht auf Kenntnis seiner Eltern habe. «Das Problem liesse sich höchstens über höhere Kinderzulagen lösen», sagt Rey. Am Ende leide das Kind, wenn die Mutter nicht genügend Geld für den Unterhalt habe.

(daw)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Truemoon am 11.03.2016 10:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    finde ich gut

    ich als fraue finde das gut. wieso nur die frau? er hatt kein bestimmungsrecht auf den abbruch selber sondern nur auf einen verzicht. einige werden sagen das sich so jeder aus der affaire ziehen kann... vll aber denkt auch an die männer die ungewollt papa werden und nie gefragt wurden ob sie das überhaupt wollen. genau diese bezahlen ein lebenlang. es wär mehr als fair ihnen ein ausweg zu geben. sollte frau es doch wollen muss sie damit alleine klar kommen. vll verhüten dann die frauen wieder richtig

    einklappen einklappen
  • Kirigaya Kazuto am 11.03.2016 10:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wow es wird mal für uns Männer gedacht.

    Lese ich richtig, es geht mal darum das ein Mann mitentscheiden kann und das etwas zu Gunsten des Mannes geändert wird! Ich finde es mehr als korrekt wenn der Mann mitentscheiden darf, dann immerhin ist es auch sein Kind was da heranwächst... Und wenn er das möchte sollte er es nach der Schwangerschaft bekommen wenn sie es nicht möchte.

    einklappen einklappen
  • Matteo21 am 11.03.2016 10:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwierig...

    Ich finde, der Mann sollte mitreden dürfen und unter Umständen die Alimente nicht zahlen müssen (Bsp: sie hat ihn bezüglich Verhütung belogen) Ist allerdings klar, dass er das Kind wollte, dann muss er auch zahlen. Letzten endes ist es aber immer an der Frau zu entscheiden, es ist ihr Körper, aber eben nicht nur ihr Kind.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • WaleLi am 11.03.2016 16:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Abtreibung geht es nicht

    Da bin ich mir sicher, Verhütungsmittel setzen praktisch alle ein, aber leider meinen zu viele Anwender/innen, diese böten 100%-ige Sicherheit vor ungewollter Schwangerschaft. Leider ist dem nicht so, deshalb spielt die Abtreibung eine zentrale Rolle bei der Geburtenregelung.

  • Belaja am 11.03.2016 15:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mann braucht Mitspracherecht

    Ich kenne so einen Fall, indem der Mann das Kind unbedingt behalten und aufziehen wollte, aber die Frau dann trotzdem abgetrieben hat. Das hat ihn lange Zeit sehr belastet. Für ihn war es Mord an seinem Kind! Der Mann sollte auf jeden Fall eine Stimme haben! Tatsache ist, dass einfach viel zu oft abgetrieben wird! Ups Schwanger geworden... Dann treiben wir halt ab! Ist heute ja völlig normal geworden, wen interessiert da schon das ungeborene Kind? Ich kenne 25 jährige die schon 2-4 abgetrieben haben. Sorry, aber so was kann ich nicht unterschreiben!

  • susan am 11.03.2016 11:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verhütung*

    Wenn ein Mann absolut kein Vater werden möchte dann kann und muss er dies genauso verhindern.!! punkt. oder gar ganz verzichten auf Sex!

  • homer Simpson am 11.03.2016 11:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bin dafür.

    Die Frau hat die "Last" 9 Monate. Der Mann die nächsten 20 Jahre.

  • GBS am 11.03.2016 11:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstbestimmung versus Fremdbestimmung

    Einerseits Selbstbestimmung der Frau, andererseits fremdbestimmung des Mannes durch die Frau...dies ist die realität bei Schwangerschafen. Die 'Lösung' ist völlig unklar und wird immer kontrovers bleiben, ABER die Diskussion darüber muss sein, denn so wie es jetzt ist, ist es nicht optimal, aber, ob's anders besser sein könnte, scheint ungewiss... Bin gespannt, ob sich etwas ändert!