Bankgeheimnis

24. Februar 2009 13:54; Akt: 24.02.2009 14:30 Print

«Der Finanzplatz Schweiz wird wichtig bleiben»

von Lukas Mäder - Die Aufhebung des Bankgeheimnisses hätte volkswirtschaftliche Folgen für die Schweiz, ist Professor Christian Keuschnigg überzeugt. Es drohen sinkende Investitionen, Entlassungen und fehlende Steuereinnahmen. Verschwinden wird der Finanzplatz aber nicht.

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Wie bedeutend ist das Bankgeheimnis für den Finanzplatz Schweiz?
Christian Keuschnigg: Das ist schwierig zu sagen. Ein Teil des Geldes ist sicher aus steuerlichen Gründen hier. Darauf deutet die ausländische Sorge hin, dass das Bankgeheimnis die Steuerflucht erleichtert.

Wie stark würde die Aufhebung des Bankgeheimnisses den Schweizer Banken schaden?
Das Anlagevermögen wird sicher nicht wachsen. Die Frage ist, wie gross der Rückgang ist. Es gibt optimistischere und pessimistischere Varianten. Zahlen gibt es keine.

Was wären die volkswirtschaftlichen Folgen?
Der Finanzplatz ist in der Schweiz sehr wichtig. Er ist doppelt so gross wie in vergleichbaren Ländern, wie beispielsweise Österreich. Ein Rückgang der Vermögen bei den Schweizer Banken hätte deshalb eine Reihe von volkswirtschaftlichen Auswirkungen. Flüssiges Kapital ist für das Wachstum im Land sehr wichtig. Die Schweiz hat im internationalen Vergleich tiefere Zinsen, was Investitionen fördert. Die Zinsen würden also steigen und der Zugang zu Kapital erschwert.

Drohen Entlassungen?
Wenn der Finanzplatz schrumpft, sinkt auch die Anzahl der dort Beschäftigten sowie die Einkommen in der Branche. Zudem nimmt die öffentliche Hand weniger Steuern ein.

Wäre das Ende des Bankgeheimnisses auch das Ende der Vermögensverwaltung in der Schweiz?
Die Finanzbranche wird es allgemein schwieriger haben, aber die Schweiz wird immer ein wichtiger Finanzplatz bleiben. Denn das Swiss Banking hat neben dem Bankgeheimnis noch andere Vorteile.

Welche?
Eine sichere Währung oder die Qualität der Beratung sind zwei Beispiele.

Leidet der Ruf des Schweizer Finanzplatzes unter der Vereinbarung zwischen der UBS und den USA?
Für die UBS gab es kaum Alternativen, als die Informationen preiszugeben. Aber die Vereinbarung ist nicht gut für das Vertrauen, zumindest wenn das Bankgeheimnis auf die Anlageentscheidung Einfluss hatte. Die Branche wird nicht wachsen.

Wie gross ist die Gefahr, dass die Schweiz das Bankgeheimnis aufheben muss?
Das Ausland will den automatischen Informationsaustausch über ausländische Kunden. Das lässt sich vermutlich nur schwer verhindern. Innerhalb der Schweiz könnte aber das Bankgeheimnis bestehen bleiben. Es geht also nicht absolut um die Frage, Bankgeheimnis aufheben oder nicht.

Muss die Schweiz auch Druckmassnahmen fürchten, beispielsweise gegenüber der Exportwirtschaft?
Die Schweiz ist eines der globalisiertesten Länder. Sie muss ihre Exportwirtschaft aufrechterhalten. Bei den Verhandlungen mit der EU schwingt immer mit, dass die bestehenden Abkommen nicht gefährdet werden sollen durch die ungelöste Frage des Bankgeheimnisses. Aber die Sache wird nicht so heiss gegessen, wie sie derzeit diskutiert wird. Das Ausland profitiert auch von der Schweiz.

Würde die EU Massnahmen ergreifen, um Druck auszuüben?
Das würde auf einen Handelskrieg hinauslaufen. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es die Schweizer Politik soweit kommen lässt. Sie hat ja bereits begonnen, die Zinsbesteuerung offensiver anzubieten.

Was kann die Schweiz nun tun, um das Bankgeheimnis zu retten?
Ich sehe zwei Möglichkeiten: Sie könnte die Quellenbesteuerung ausdehnen und lückenloser gestalten. Aber diese Strategie hat keine grossen Chancen, da das Ausland nicht darauf erpicht ist.

Worauf ist das Ausland erpicht?
Auf die zweite Möglichkeit, den automatischen Informationsaustausch. Das haben die Reaktionen der EU auf den UBS-Deal mit den USA gezeigt. Dabei übermitteln die Banken auf Anfrage die Informationen automatisch. Dann gilt das Bankgeheimnis für Ausländer nicht mehr. Für Schweizer könnte es aber weiterhin in Kraft bleiben.

Einige Politiker fordern, die Unterscheidung zwischen Steuerbetrug und -hinterziehung aufzuheben. Würde das nützen?
Wer das sagt, ist mit dem automatischen Informationsaustausch einverstanden. Denn Betrug ist schwer zu belegen und deshalb nur in wenigen Fällen anwendbar. Aus diesem Grund will das Ausland, dass auch bei Steuerhinterziehung Informationen automatisch weitergegeben werden.

Wie lange gibt es das Bankgeheimnis noch?
Die Frage ist falsch gestellt. In der Schweiz kann das Bankgeheimnis weiterbestehen. Die Schweiz muss aber wissen, was sie dem Ausland anbietet. Ausserdem ist das Bankgeheimnis mehr als die Preisgabe von Steuerdaten, obwohl das der wichtigste Faktor ist.

Aber eine wirkliche Wahl hat die Schweiz nicht.
Nein, die EU wird nicht lockerlassen. Der Druck ist massiv geworden. Ich persönlich bin eher skeptisch, dass das Bankgeheimnis in der bisherigen Form noch lange Bestand hat.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Don Luciano am 24.02.2009 14:03 Report Diesen Beitrag melden

    Mafia

    Das weisse Hemd der Schweiz wird langsam aber sicher Pech schwarz!

  • Lena am 24.02.2009 14:29 Report Diesen Beitrag melden

    Info

    Die Info-Grafik habe ich das erste mal gesehen. Sehr speziell und interessant. Supertoll, in was für einer zwielichtigen Gesellschaft sich da die Schweiz befindet. würg. Am besten finde ich den Satz: "..schwierig zu vermittelnde Gesetzeslage.." Haben wir das echt nötig?

  • James am 24.02.2009 14:54 Report Diesen Beitrag melden

    huhu, Entlassungen!

    Ach wenn nur unser Finanzplatz geschwächt wird und es zu Entlassungen kommen wird, dann können wir das Bankgeheimnis mit Hilfe der SP und der Grünen doch abschaffen oder? Die wollen sowieso dem Volk immer nur schaden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • BigMinh am 24.02.2009 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    Der Professor

    Wie immer kommen die Analysen zu spät und haben das gefühl gut zu sein oder Lösungen zu bieten. Was nützt das Bankgeheimnis für Schweizer? Die paar Fränkli sind es echt nicht wert.

  • infowarrior am 24.02.2009 17:55 Report Diesen Beitrag melden

    kein gesetzt... !!

    Die Verfassung der Vereinigten Staaten verbietet eine persönliche Einkommenssteuer. Demnach kann man auch kein Gesetz wegen Steuerhinterziehung brechen. Demnach muss auch die Schweiz keine Amtshilfe gewähren und auch keine Daten der Bankkunden herausgeben

  • Curdin Claus am 24.02.2009 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    Facebook attackiert Schweizer Banken

    Nun regt sich auch bei Facebook Widerstand gegen die Winkeladvokatur Schweiz. Heute ist die FB-Gruppe "Steuerhinterziehung IST Steuerbetrug" gegründet worden.

  • Jacqueline Vallante am 24.02.2009 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Bankgeheimnis,das Wichtigste der Schweiz

    Die Schweiz trumpft hauptsächlich wegen dem Bankgeheimnis. Ohne dies ist die Schweiz nicht mehr interessant.Ein finazielles Disaster.

  • Claude Buhler USA am 24.02.2009 16:03 Report Diesen Beitrag melden

    Bankgeheimnis

    Ich habe vor 20 Jahren schon gesagt, dieses Problem muss geloest werden. Nada nichts...nun ist Obama da der braucht Geld und wird Druck machen und wieder einmal werden die 7 Zwerglein in Bern nicken. Die Schweiz wird in 2 Jahrne anderst aussehen als heute. Die Sozialaemter werden Hockkonjunktur habe