4.-Liga-Spiel

11. Juni 2018 15:27; Akt: 12.06.2018 07:30 Print

«Der Fussballspieler wurde fast gelyncht»

Das Spiel zwischen dem FC Versoix 2 und FC Kosova GE 2 artete so sehr aus, dass die Spieler aufeinander losgingen. Nun müssen sie mit harten Strafen rechnen.

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Kick ins Gesicht, Schläge und Stösse: So endete das Finale der Genfer Meisterschaft der vierten Liga zwischen FC Versoix 2 und FC Kosova GE 2 am Sonntag in Versoix GE. Eineinhalb Minuten vor Schluss artete die Partie komplett aus. Die Polizei musste eingreifen, weil die beiden Mannschaften aufeinander losgingen. Ein FC Versoix-Spieler verlor auf dem Feld das Bewusstsein. Er erlitt auch einen Bruch der Augenhöhle. Ein anderer FC Versoix-Spieler musste mit fünf gebrochenen Rippen und einer durchlöcherten Lunge ins Spital. Dort ist er immer noch in Behandlung.

«Es ist umso absurder, denn während des Spiels herrschte eine gute Stimmung. Der Schiedsrichter war sehr gut. Die Verantwortlichen beider Clubs hatten beschlossen, den Teams einen auszugeben», sagt Simon Pidancet, Präsident des FC Versoix.

Als «Neger» beschimpft

Sein Verein führte mit 2:0. Dann schoss der FC Kosova ein Goal. Ein Kosova-Spieler habe schnell den Ball nehmen wollen. Doch ein Versoix-Spieler habe versucht, Zeit zu schinden. Beide Männer seien verwarnt worden. Dann – vor dem Anstoss – sei ein Versoix-Spieler als «Neger» beschimpft worden. Dieser habe mit einer Kopfnuss geantwortet. «Der Schiedsrichter wollte das Spiel stoppen und die beiden Spieler vom Platz stellen», so Pidancet weiter. Plötzlich sei die Situation eskaliert: «Eine weisse Welle (Anm. d. Red.: die Farbe des FC Kosova) rollte von der Bank aufs Spielfeld.»

Hier sehen Sie die Auseinandersetzung der beiden Mannschaften (Video: 20 Minuten / Leser-Reporter)

Mehrere Männer hätten sich auf den Spieler afrikanischer Herkunft gestürzt, ihn auf den Boden gedrückt und ihn mit einer Krücke geschlagen. «Was mich schockiert, ist, dass der Arzt gesagt hat, dass der Spieler innerhalb von wenigen Sekunden hätte tot sein können. Und dies an seinem Geburtstag. Ausserdem wird er in zwei Monaten Papa», sagt Pidancet.

Schläger sollen hart bestraft werden

Pidancet befürchtet, dass nun einige diesen Vorfall nutzen, um die kosovarische Gemeinschaft zu stigmatisieren. «Ich will absolut nicht, dass dies geschieht. Es ist die Dummheit des Einzelnen, die ersichtlich wird. Und Stigmatisierung ist genauso dumm. Die Frage, die sich alle Clubs stellen müssen, ist: Wenn sie wissen, dass sie unkontrollierbare, aggressive Personen in ihren Reihen haben, sollten sie sie spielen lassen? Sollten sie sie akzeptieren, um sie zu sozialisieren oder sollten sie sie ausschliessen, weil sie andere gefährden?»

Pidancet hofft, dass die Schläger hart bestraft werden. «Sie sollen fürs Leben vom Fussball suspendiert werden.»

Die Polizei bestätigt, dass zwei Spieler verletzt wurden. Am Sonntag wurde keine Anzeige erstattet. Auch gab es keine vorläufige Festnahme.

«Weder entschuldbar noch gerechtfertigt»

Selajdin Salihu, Präsident des FC Kosova, ist erschüttert: «Ich war noch nie in einer so schwierigen Situation.» Er bestätigt den Ablauf der Dinge, jedoch nicht die rassistische Äusserung. «Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass der Spieler ‹Neger› gesagt hat.» Salihu gibt an, dass er das Verhalten der Spieler und des Publikums nicht nachvollziehen könne: «Wir sind ein Amateurclub. Wir können nicht alles managen. Wir können keine Sicherheitsleute rund ums Stadion aufstellen.» Salihu verurteilt das Handeln der Streitenden. Es sei «weder entschuldbar noch gerechtfertigt, selbst im Falle von Provokationen».

Das Club-Komitee werde sich heute Abend treffen. Doch bereits jetzt kündigt es an, dass «sehr strenge Sanktionen» folgen werden, sogar bis zum Ausschluss. «Was geschehen ist, darf unsere Bemühungen, diesen Club aufzubauen, nicht gefährden. Wir gehören zu den Fairsten im Kanton. Das ist überhaupt nicht unsere Mentalität. Seit heute Morgen werden wir in den sozialen Medien angegriffen. Für mich ist das kein Problem der Nationalitäten, sondern der Gesellschaft. Ich bin traurig. Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden.»

«Selten ein solches Mass an Gewalt gesehen»

Pascal Chobaz, der Präsident des kantonalen Fussballverbands Genf (ACGF), ist besorgt. Zwar war er am Spiel nicht anwesend, habe aber – wie viele andere – die Bilder der Szene gesehen. «Es ist gravierend, katastrophal. Wir haben selten ein solches Mass an Gewalt gesehen. Der Spieler am Boden (Anm. d. Red.: der Spieler afrikanischer Herkunft) hätte auch nicht mehr aufstehen können. Er wurde fast gelyncht. Wenn man auf jemanden einschlägt, der bereits am Boden liegt, ist das beunruhigend. Und sogar das ist milde ausgedrückt.»

Während der ACGF in den letzten Jahren die Sanktionen für Gewalttätigkeiten deutlich verschärft habe, stelle der Verband fest, dass sie sich heute anders manifestieren würden. Chobaz: «Vor dreissig Jahren waren es isolierte Elemente. Nun sind nicht nur die Spieler, sondern auch die Fans. Sie betrachten sich in einem fast exterritorialisierten Umfeld, wo sie sich etwas erlauben, was sie woanders nicht zulassen würden. Das ist beunruhigend.»

«Wir werden mit den Spielern rücksichtslos sein»

Die Disziplinarkommission des ACGF treffe sich normalerweise am Mittwoch. «Wir werden den Spielbericht bereits an die Polizei schicken. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es keine Strafverfahren gibt. Von unserer Seite wird der Prozess mindestens noch eine Woche dauern. Wir werden die Clubs unterweisen und sie bitten, diese zu bestimmen. Die Bandbreite der Sanktionen ist gross. Mit den Spielern werden wir sowieso rücksichtslos sein. Den Vereinen wird es darum gehen, die richtige Sanktion zu finden.»

Die Spieler riskieren eine Suspendierung auf unbestimmte Zeit – ein lebenslänglicher Ausschluss ist nicht möglich. Den Clubs drohen Abzüge der Punkte, die Degradierung oder der Ausschluss einer Mannschaft an einer oder mehreren Meisterschaften.

«Wie Tiere benommen»

Ein Leser-Reporter, der dabei war, hofft, mit seinen Bildern etwas bewirken zu können: «Ich bin mir sicher, dass einige Spieler stolz sind. Ich wünsche mir, dass sie sich auf den Bildern sehen und die Kommentare lesen. Sie sollen erkennen, dass sie sich wie Tiere benommen haben.»

Die beiden Mannschaften spielten am Sonntag nur um die Ehre. Beide wurden in die 3. Liga befördert. Das Spiele endete mit 2:1 für den FC Versoix.

(jef/qll)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cartman1993 am 11.06.2018 15:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hmm

    wieso wundert mich diese Meldung nicht besonders?...

    einklappen einklappen
  • g.a. am 11.06.2018 15:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wegsperren

    Bedauerlicherweise scheint bei gewissen Individuen die Hemmschwelle zur Gewalt sehr niedrig zu sein! Die Schuldigen gehören hart bestraft. So wie es geschildert wird, ist das versuchte fahrlässige Tötung. So einfach ist das.

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  • schiri sg 86ebe am 11.06.2018 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so die Herren,

    deswegen habe ich als Schiedsrichter der 3 Liga aufgehört einen Spiel mit lienienrichter zu leiten. ich Schiri nach 5 min musste 2 dummheiten vom Platz schicken und dann kammen die die 2 guppierungen von zuschauern und das Theater gung los. ich Spielabruch und sofort richtung garderobe um die Polizei zu verständigen. dann sagte eine person zu mir sie müssen die hier alle beruhigen sie sind der schriri. ja stimmt schiri doch nur für 22 spieler und nicht gegen 250 schläger. so die spieler die das getan haben können sich entschuldigen jedoch nicht akzeptabel punkt. sie haben dies bewusst gemacht. es war nicht ein schlag sondern massenschlägerei. weg damit sofort

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ephraim Lercher am 11.06.2018 22:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Integration geglückt

    So Nockenschuhe voll ins Gesicht fägät eben schon. Genau das Richtige um einen gegnerischen Spieler zur Raison zu bringen. Der mit den roten Adidas-Schuhen scheint ein besonders vitaler Spieler zu sein.

  • Real1394 am 11.06.2018 22:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heisenberg

    Die nummer 16 sollte Kickboxer werden

  • C.L. am 11.06.2018 22:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Integriert?

    Wäre es nicht besser, der FC Kosova würde im Kosovo spielen?

  • Markus K. am 11.06.2018 21:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ok

    Warum erstaunt mich diese Meldung nicht?

  • Realist am 11.06.2018 21:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja klar

    Die sollen für Kosovo (oder Albanien) spielen, solche haben hier nichts verloren... immer sind es die gleichen... aber trotzdem werden sie immer wieder als Opfer dargestellt!!!