Schüler von Therwil

10. April 2016 14:06; Akt: 11.04.2016 07:08 Print

«Der Handschlag-Dispens ist nur der Anfang»

Schulen sollen nur wenige religiöse Ausnahme-Regeln erlauben, sind sich Kommentatoren einig. Es gelte, die europäische Identität und Kultur zu stärken.

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Elham Manea ist Privatdozentin am Institut für Politikwissenschaften der Uni Zürich. Sie fordert, die Situation um die Islamisten in der Schweiz Ernst zu nehmen und klare Regeln zu erstellen.

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Während sich die Brüder aus Therwil im Interview uneinsichtig zeigen und als Opfer der Medien und Politiker darstellen, gehen die Kommentare in den Sonntagszeitungen in eine ganz andere Richtung. Die Verweigerung des Handschlags sei nur der Anfang, warnt etwa die Politikwissenschaftlerin Elham Manea von der Uni Zürich in der «NZZ am Sonntag». Die salafistische Bewegung habe bereits die Gesellschaft in den islamischen Ländern verändert und deren sozialen Zusammenhalt untergraben.

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Finden Sie es richtig, dass man den muslimischen Schülern entgegenkommt und sie den Handschlag der Lehrerin verweigern dürfen?
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In Grossbritannien könne man sehen, wohin die salafistische Bewegung führe. Dort hätten islamistische Gruppen schon vor mehr als vierzig Jahren Sonderrechte wie Halal-Essen, Verschleierung von Mädchen oder separate Gebetsräume für muslimische Schüler eingefordert und bekommen. Eine fundamentalistische muslimische Parallelgesellschaft sei entstanden. Britischen Lehrer, die sich wehren wollten, habe die Politik allein gelassen.

«Die Handschlag-Debatte ist eine Stellvertreter-Debatte»

Es fange damit an, dass Schüler Lehrerinnen nicht die Hand geben, dann komme der Musik- und Kunstunterricht und separate Gebetsräume. Manea: «Dieser Fundamentalismus wird nicht dadurch verschwinden, dass wir ihn ignorieren oder kleinreden.» Sie fordert, dass man Schulen und Lehrer darauf vorbereiten soll, wie man Muster erkennen könne und sich wehren könne. Die Schulen sollten unterstützt werden, damit sie Verhaltensrichtlinien formulieren könnten, die für alle gelten.

In die gleiche Kerbe schlägt der Kommentar von Chefredaktor Patrik Müller in der «Schweiz am Sonntag». Die Handschlag-Debatte sei eine Stellvertreter-Debatte. Es gehe um die Frage, wie weit sich Angehörige fremder Kulturen und Religionen der unsrigen anpassen sollen und wieviel beidseitige Toleranz richtig sei. Europas Kultur sei zu der geworden, was sie sei, weil sie über die Widersprüche zwischen Religion und Vernunft nachgedacht habe.

«Einen Handschlag zu verweigern, gilt als respektlos»

Ein Erfolg sei, dass die Schulen nicht mehr konfessionell sondern neutral seien. Leider seien aber manche Schulen nicht wertneutral sondern wertfrei geworden. Der Fall Therwil sei dafür ein Beispiel. «Der Dispens ist keine Lösung, sondern eine Ausflucht.» Für Müller ist darum eines entscheidend: «Dass wir wissen, was wir zu verlieren haben.»

Einen Handschlag zu verweigern, werde in der Schweiz als äusserst respektlos empfunden, schreibt auch NZZ-am-Sonntag-Inlandchef Francesco Benini in seinem Kommentar. Dass die Jugendlichen ihrer Lehrerin zudem nicht die Hand geben würden, weil sie eine Frau sei, bedeute, dass sie ihre Autorität nicht respektieren würden. «Das kann die staatliche Schule nicht dulden», so Benini.

«Das schwächt die Schule als Institution»

Auch andere Religionsgemeinschaften würden immer wieder Ausnahmen für die Kinder ihrer Angehörigen einfordern. Es gehe darum um die Frage, wie viele Ausnahmen man religiösen Gemeinschaften in der Schule einräumen solle. Für Benini ist klar: «Möglichst wenige.» Dass Schüler einer Lehrerin den Handschlag verweigerten, schwäche denn auch die Schule als Institution. «Die Schulleitung in Therwil muss darum eine neue Lösung präsentieren.»

(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • antonzum am 10.04.2016 14:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das darf nicht wahr sein!

    Wie lange schauen wir eigentlich noch diesem Possentheater zu? Es kann doch nicht sein, dass wir uns in unserem eigenen Land anders denkenden und -gläubigen Fanatikern anpassen müssen! Toleranz ist ok, aber sie muss immer gegenseitig sein!

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  • Andi Fire am 10.04.2016 16:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fertig

    Meine Akzeptanz ist weg.Null Toleranz bei solchen Sonderrechten.Unsere Werte gelten ohne Ausnahme. Es gibt viele Länder wo sie ihre Vorstellungen leben können.Hier nicht.

  • Emmentaler am 10.04.2016 15:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    anpassen gefälligst

    wer sich nicht anpassen kann, soll und muss die schweiz verlassen. wir müssen uns im ausland auch anpassen. fertig schluss.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Birdyevi am 11.04.2016 08:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ferien

    Ich war letztes Jahr in einem muslimischen Land in den Ferien. Unser Fahrer war auch Muslim und ich war erstaunt, als er mir bei einem gemeinsamen Foto den Arm um meine Schultern legte und mir auch beim Abschied die Hand reichte. Wenn das gläubige Männer im eigenen Land können, frage ich mich, wieso dies in unserem Land plötzlich nicht mehr geht?

  • Chronic am 11.04.2016 07:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Kultur ist wichtig!!!

    Ich bin gerade im Oman und hier muss man sich auch strikte am Islam anpassen, was auch okay ist. Dann soll man sich auch an der Schweizer Kultur anpassen... Und es soll auch durchgesetzt werden!!

  • Jane38 am 11.04.2016 07:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sorry

    ich verstehe das ausmass deswegen nicht. klar soll man sich den gepflogenheiten unseres landes anpassen aber es geht um einen händedruck und nichts anderes. zwei junge männer weigern sich na und? haben wir keine anderen probleme mehr

  • Chris Ritter am 11.04.2016 06:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdig

    Also mal ehrlich,ich will auch nicht jedem die Hand schütteln.Schon aus hygienischen Gründen.Wenn dieser Schuss nur nicht nach hinten losgeht....

  • Pineapple am 11.04.2016 06:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hah!

    Ich denk da an die serie Monk. Menschen mit einem "sauber-tick", solche menschen gibt es, werden die dann auch gleich zur diskussion? Nein, sie werden vlt. schräg angeschaut aber das kümmert weiter keinem. Also chillt doch mal, soll ja ein freies Land sein, wenn man nicht will dann will man nicht, EGAL aus welchen Gründen!