Absturz in Muhen AG

21. September 2015 10:08; Akt: 22.09.2015 11:18 Print

«Der Pilot hat wohl seine Lage falsch eingeschätzt»

Ein 70-jähriger Pilot ist mit seinem Kleinflugzeug abgestürzt und in ein Auto geprallt. Aviatik-Experte Olav Brunner erklärt, wie es zu einer solchen Situation kommen konnte.

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Herr Brunner, am Sonntag ist in Muhen AG ein Flugzeug abgestürzt. Gemäss der Polizei hat der Pilot noch versucht notzulanden. Stattdessen krachte er zuerst in eine Leitplanke und dann in ein Auto. Ein Zeuge gab an, das Flugzeug habe in der Luft noch seltsame Klopfgeräusche gemacht und geraucht. Was könnte vorgefallen sein?
Am ehesten könnte ich mir eine Motorpanne vorstellen. Dass er zuerst noch in eine Leitplanke und dann in ein anderes Auto geprallt ist, liegt wohl daran, dass der Pilot die Lage falsch eingeschätzt hat. In einem solchen Moment gibt es nur eine Richtung und zwar nach unten. Der Pilot dachte wohl, er hätte noch genügend Zeit und Höhe, um die Wiese zu erreichen.

Was sollte man bei einer Notlandung beachten?
Eigentlich gibt es nur zwei Schritte, die in einem solchen Moment wichtig sind: Einerseits sollte man das Gelände beurteilen und abchecken, welche Hindernisse, aber auch Chancen gegeben sind. Andererseits sollte man Flughöhe und Distanz zum Notlandeplatz in die richtige Relation stellen und überprüfen, ob man den ausgewählten Platz im Gleitflug erreichen kann.

Welche Bedingungen müssen Piloten erfüllen, um fliegen zu können?
Privatpiloten müssen alle zwei Jahre einen medizinischen Test bestehen. Diese Tests sind umfangreicher als Prüfungen zum Autofahren. Ein ausgebildeter Flieger-Arzt muss die Flugtauglichkeit feststellen. Er checkt sowohl Sehkraft als auch Reaktionsfähigkeit und Gehör. Es werden alle Sinne und körperlichen Funktionen getestet, die es zum Fliegen braucht. Zudem kommt ein EKG-Test hinzu.

Der Pilot in diesem Fall ist 70 Jahre alt. Nach einem solchen Crash stellt sich die Frage, ob Piloten in diesem Alter noch fliegen sollten.
Ein 70-Jähriger kann sehr gut unterwegs sein, aber auch gesundheitliche Defizite aufweisen. Das ist von Mensch zu Mensch verschieden. Nicht das Alter, sondern andere Faktoren wie der Gesundheitszustand oder die Flugpraxis entscheiden über die Flugtauglichkeit.

Reichen diese Bedingungen aus, um die Sicherheit im Flugverkehr zu gewährleisten, oder wie könnte man diese erhöhen?
Die zur Ausweiserneuerung geforderte Flugpraxis in der Schweiz ist sehr tief. Es wird ein Minimum von nur zwölf Stunden pro Jahr vorausgesetzt. Ich plädiere dafür, dass die Behörden mehr Stunden verlangen sollten. Dadurch haben die Piloten mehr Praxiserfahrung. Eine andere Idee wäre, Privatpiloten auch in obligatorischen Kontrollflügen zu bewerten, wie es in der Linienfliegerei üblich ist.

(qll)