Land unter

10. Oktober 2012 09:31; Akt: 10.10.2012 17:49 Print

«Der Regen verwüstet hier alles»

Meister Herbst beschert uns gerade vor allem eines: Sehr, sehr viel Regen. Mancherorts sind Bäche über die Ufer getreten und wo vorher flache Wiesen waren, bilden sich riesige Seen.

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Überflutete Felder an der Thur bei Gütighausen/Thalheim an der Thur. Fribourg: Die Stadt steht am Mittwochabend unter Wasser. Der Altwiserbach hinterlässt seine Spuren: Hochwasser im Luzernischen Mosen. «Man kann den vielen Regen auch so nützen ;) wir padeln im künstlichen See vor dem Haus», schreibt Leser-Reporterin Anouk Bühler aus Rellikon bei Egg, ZH. Der Herbst zeigt sich diese Woche nicht von seiner goldenen Seite - im ganzen Land giesst es wie aus Kübeln. Die Thur ist nach diesen regenreichen Tagen doppelt so breit wie sonst. Bild: Brücke zwischen Altikon und Niederneunforn. Die Ergolz in Füllinsdorf BL ist über die Ufer getreten. Die Bünz in Hendschiken AG ist randvoll. Land unter in Rapperswil-Jona. Wenn der (Alb-) Traum vom Biotop im Garten wirklich wird: Reichenbach SZ. In Ziegelbrücke sammeln sich die Niederschläge zu riesigen Seen. Die Zürcher Reppisch ist bereits über die Ufer getreten. «Hoffentlich erkenne ich die Gegend wieder, wenn ich heute Abend zurückkomme», sagt Manuela Maurer aus Stallikon. In Gelfingen AG fliessen Sturzbäche die Strassen runter. Zürich Alt St. Johann steht praktisch unter Wasser. Wasser-Pingpong in der Badi in Aesch LU. In Hombrechtikon entstehen Wasserstrassen. Das Auto könnte bald mit einem Motorboot getauscht werden. Und das Velo gegen ein Pedalo (Lindenberg AG/LU). Rifferswil ZH: Strassen werden zu Bächen... ... und Parkplätze zu Seen (Lausen BL). In der Nähe der Gemeinde Baar ist ein Fischweiher über die Ufer getreten und setzte ganze Strassen unter Wasser. Baar glich zeitweise selbst einem Weiher. Baar ZG Auch die Nachbargemeinde Neuheim ZG trafen die Überschwemmungen. Neuheim ZG Doch nicht nur die Gewässer im Kanton Zug schwollen an - der Aare in Bern ging es ähnlich. Der Fluss trat zeitweise leicht über die Ufer. Bern Einsiedeln, SZ. In Zürich-Altstetten stand am 9. Oktober die Flurstrasse unter Wasser. Schuld war aber ausnahmsweise nicht der Regen - sondern ein Rohrbruch.

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Nicht goldene Oktobersonne und farbenprächtige Wälder prägen den diesjährigen Herbst, sondern viel, viel Regen. Nachdem es bereits gestern wie aus Kübeln geschüttet hat, fallen in den nächsten Tagen noch einmal beachtliche Wassermengen. Ein gewaltiger Schub liess heute vielerorts Bäche und Flüsse über die Ufer treten. Leser-Reporter Fabian A. meldet aus Ziegelbrücke: «Der Regen verwüstet hier alles.»

Andernorts entstehen plötzlich Seen, wo vorher saftige Wiesen waren. So in Reichenbach SZ. «Jetzt haben wir halt einen zweiten Weiher», sagt Andrea H. Im Dorf pumpe die Feuerwehr gerade einen Keller aus. «Mein Haus ist glücklicherweise noch trocken.» Mehr Grund zur Sorge hat Manuela M. aus Stallikon ZH. Dort ist die Reppisch über die Ufer getreten. «Das passiert etwa dreimal im Jahr.» Das letzte Mal sei dabei ihre Garage überflutet worden. «Wir hatten Reppisch-Forellen im Haus», erzählt sie. So verheerend ist die Überschwemmung nicht - bis jetzt. «Ich hoffe einfach, ich erkenne das Dorf wieder, wenn ich heute Abend zurückkomme», so die Leser-Reporterin.

50 Einsätze in drei Stunden

Schutz und Rettung Zürich hatte alle Hände voll zu tun. Allein zwischen 10 und 13 Uhr waren rund 50 Feuerwehreinsätze nötig, um die Wassermassen in Schach zu halten. Der Personalbestand musste gar kurzzeitig aufgestockt werden. Auch in den Kantonen Schwyz und Glarus gingen zahlreiche Meldungen wegen überfluteter Strassen und Wassereinbrüchen in Häuser ein, in Siebnen SZ verschüttete ein Erdrutsch eine Strasse. In Basel wurden neben der Grossschifffahrt auch der Fährbetrieb und die Kleinschifffahrt eingestellt.

Kein Wunder - die Zahlen zu den Wassermengen sind beeindruckend: Allein in den letzten 48 Stunden fielen örtlich mehr als 130 Liter Regen pro Quadratmeter - mehr als sonst im ganzen Montag Oktober. Besonders betroffen war der Kanton Glarus. In der Glarner Gemeinde Niederurnertäli wurde denn auch der Höchstwert von 134 Litern gemessen. Sehr nass war es auch in anderen Regionen der Schweiz. Im Engelbergertal OW und in den Waadtländer Alpen wurden über 70 Liter Niederschlag gemessen.

Mildes Herbstwetter

Geht bald das ganze Land unter? Noch nicht: «Ein Zwischenhocheinfluss bremst ab Donnerstag die Wetterverschlechterung – vor allem im Osten», beruhigt Klaus Marquart, Meteorologe bei Meteonews. Es wird also wieder trockener. Das ist auch bitter nötig. «Im Moment liegen die Wassermassen noch im üblichen Rahmen», so Marquart. «Regnet es aber weiter so stark, wird es vor allem in der Voralpen-Region prekär.»

Bereits jetzt sind die Pegel der Flüsse und Seen angestiegen. «Bei den Zu- und Abflüssen könnte die Hochwasserlage kritisch werden», sagt Marquart. Mit ein Grund für die gestiegenen Wasserstände ist die Schneefallgrenze, die mit 2800 Metern über Meer eher hoch ist. «Es ist mild. Noch immer fliesst Wasser von den Bergen in die Täler», so der Meteorologe. Erst am Wochenende fallen die Temperaturen unter 15 Grad Celsius.

Die Regenmassen sind zwar unerträglich, aber nicht unüblich. «Der Herbst hat viele Gesichter – jetzt zeigt er uns halt gerade seine Regenseite», wägt Marquart ab. Kritisch werde die Hochwasserlage erst, wenn es mehrere Tage so weiterregne. «Das Land geht nicht unter.» Noch nicht.

In Ettingen BL verwandelt sich die Strasse in einen Bach:

(rey/dwi/bat)


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Saja B. am 10.10.2012 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    Keller steht unter Wasser :(

    Ich wohne Gebiet Flühli/Sörenberg. Mein Keller steht unter Wasser ca. 10 cm schon, hier regnet es seit 4 Tagen non stop! Fluss Kleine Emme läuft bald über und dann gibts grosse Katastrophe :(

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  • Andrea S. am 10.10.2012 20:18 Report Diesen Beitrag melden

    Leider kommts anders als wir glauben

    Auch wenns jetzt nicht danach aussieht, aber unsere Flüsse und Seen werden bald viel zu wenig, oder gar kein Wasser mehr führen/beinhalten. Jetzt wird das restliche Eis/der Ewige Schnee runtergespühlt. Und dann ist fertig mit fliessendem Wasser!

  • pizza am 11.10.2012 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Down Under

    Da sage ich "liebe Grüsse aus Australien" 30 Grad und trocken. ;-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sugusli am 12.10.2012 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    das kommt davon

    ... wenn Flüsse und Bäche begradigt werden, da reichen auch kleine Renaturierungen nicht aus...

  • pizza am 11.10.2012 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Down Under

    Da sage ich "liebe Grüsse aus Australien" 30 Grad und trocken. ;-)

  • nina am 10.10.2012 21:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schnee

    wenn der regen schnee wäre, wäre ich total zufrieden :D

    • Sugusli am 12.10.2012 14:48 Report Diesen Beitrag melden

      haha... ich auch...

      ... ist nur noch ein bisschen zu früh für Schnee...

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  • Peter K. am 10.10.2012 20:33 Report Diesen Beitrag melden

    Romandie auch nicht viel besser

    auch in der Westschweiz sieht's ähnlich aus wie auf den Bildern. Hab zwar keinen Fluss an dem ich vorbei komme, (es hat die Saane aber die lieg grad nicht auf meinem Weg), aber von den Wiesen kamen gute Sturzbäche, die Leute haben die Gullideckel entfernt, weil das Wasser einfach drüber hinweg ist. Lief auch durch's Dorf, es hat viel Schlamm und Steine von der Wiese.

  • Andrea S. am 10.10.2012 20:18 Report Diesen Beitrag melden

    Leider kommts anders als wir glauben

    Auch wenns jetzt nicht danach aussieht, aber unsere Flüsse und Seen werden bald viel zu wenig, oder gar kein Wasser mehr führen/beinhalten. Jetzt wird das restliche Eis/der Ewige Schnee runtergespühlt. Und dann ist fertig mit fliessendem Wasser!