Untersuchungsleiter

07. Februar 2020 15:36; Akt: 07.02.2020 15:39 Print

«Der Sessel lag am Boden neben Mast 7»

Philippe Thürler leitet die Untersuchung des Sessel-Absturzes auf dem Stoos. Im Interview erklärt er, wie es zum Unglück kam.

Philippe Thürler ist stellvertretender Leiter Bahnen und Schiffe der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust). (Video: juu/nk)
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Herr Thürler, welches Bild haben Sie an der Unfallstelle angetroffen?
Wir sind um 9 Uhr mit dem Helikopter gelandet. Am Boden neben dem Mast 7 lag der Sessel – dort ist es relativ flach, ansonsten ist das Gelände aber steil. Wir haben dann während mehreren Stunden den Unfall rekonstruiert, die Position des Pistenfahrzeugs und des Sessels aufgenommen.

Was haben Sie herausgefunden?
Die Seilwinde des Pistenfahrzeugs, mit der die Maschine im steilen Gelände gesichert wird, kam mit dem Seil des Sessellifts in Berührung. In der Folge stürzte ein Sessel rund zehn Meter in die Tiefe. Wie der Sessel das Windenseil genau berührt hat, müssen wir anhand der Spuren noch auswerten, ein Seil ist jedenfalls nicht gerissen.

Wer hat den Unfall verschuldet?
Für diese Frage sind die Polizei und die Staatsanwaltschaft zuständig. Wir werden einen Bericht zur Sicherheitsuntersuchung verfassen, den die Ermittler ebenfalls bekommen.

Wie gross war die Gefahr für die sechs Personen, die in den beiden Sesseln vor und hinter dem Absturz-Sessel sassen?
Dazu kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts sagen. Dazu müssen wir erst den Unfallhergang genauer rekonstruieren.

Sie haben schon viele Unfälle untersucht. Haben Sie schon einen vergleichbaren Unfall gesehen?
Es kommt ab und zu vor, dass ein Sessel abstürzt. Der letzte bekannte Fall mit Personenschäden war die Bahn «Fallboden» bei Grindelwald, wo Windböen zum Absturz eines Sessels führten. Einen Unfall, in den ein Pistenfahrzeug involviert war, habe ich zum Glück noch nie gesehen.

So sieht es auf der Unfallstelle aus:

Schon 2016 fiel ein Sessel am gleichen Ort in die Tiefe, glücklicherweise waren keine Personen drin. Müssen Skifahrer jetzt Angst haben, wenn sie auf einen Sessellift gehen?
Sicher nicht! Der Unfallhergang ist ein völlig anderer, damals waren prekäre Wetterverhältnisse die Ursache. Wie gesagt, ohne Ausseneinwirkung hätte sich der Unfall gestern Abend nicht ereignet.

Als Untersuchungsleiter sehen Sie viele Unglücksstellen. Verfolgen Sie die Bilder auch im Schlaf?
Wir fokussieren uns auf die Spurensicherung, die Unfalluntersuchung. Man darf nichts vergessen und hat so viel zu tun, dass man alles andere ausblenden muss. Ich untersuche auch Zugunfälle, das ist nicht leicht. Aber wir sind vorbereitet und entsprechend ausgebildet.

(daw)