Amnesty International schockiert

22. Juli 2019 16:11; Akt: 22.07.2019 17:00 Print

CVP-Mann schwärmt von Pool in Nordkorea-Fabrik

CVP-Nationalrat Claude Béglé weilt derzeit in Nordkorea – und schwärmt auf Twitter über die Zustände im Land. Amnesty International kontert nun die Tweets.

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Nordkoreas Herrscher Kim Jong-un ist wegen seiner Raketentests gefürchtet. Laut Amnesty International reicht der Mindestlohn in einigen Regionen gerade mal für ein Kilo Reis pro Monat. «Wer aufmuckst, dem droht Arbeitslager.» Im kommunistischen Land leiden laut Amnesty International viele unter Mangelernährung. Claude Beglé besuchte eine Seidenspinnerei im Land von Diktator Kim Jong-un. In einem Tweet schwärmt der Waadtländer vom stalinistischen System: «Die Löhne sind tief (50 Franken pro Monat), aber alles wird kostenlos vom Staat zur Verfügung gestellt: der Reis und die wichtigsten Grundnahrungsmittel, die Unterkunft, die Gesundheit, die Bildung. Und es funktioniert um einiges besser, als man es sich hätte vorstellen können.» Das Personal werde laufend fortgebildet, so Beglé. Die Musterfabrik verfügt sogar über einen eigenen Pool für die Arbeiterinnen, eine hübsche Cafeteria, wie Beglé berichtet. Der ehemalige Post-Verwaltungsratspräsident und CVP-Nationalrat Claude Beglé macht derzeit Ferien in Nordkorea. Neben einer Fabrik hat Beglé in Pyongyang den Schülerpalast Mangyongdae besucht. Der Bau besteht laut einem Wikipedia-Eintrag aus 650 Räumen mit einer Fläche von über 100'000 Quadratmetern. Im Prestigebau, den das Regime gerne ausländischen Gästen präsentiert, verbringen nordkoreanische Schüler ihre Freizeit. Beglé ist auch hier angetan: «Das ist die gute Seite des Sozialismus, mit einem wahrhaftigen Effort, das Wissen zugänglich zu machen.» Hier könnten Kinder ihren Interessen nachgehen – von der Kalligrafie bis zur klassischen Musik. Ein Bild mit dem Führer ist Beglé auch ein Foto wert.

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Der ehemalige Post-Verwaltungsratspräsident und CVP-Nationalrat Claude Béglé macht derzeit Ferien in Nordkorea. Auf Twitter dokumentiert er die Reise. So besuchte er eine Seidenspinnerei im Land von Diktator Kim Jong-un. Die Musterfabrik verfüge sogar über einen eigenen «Pool für die Arbeiterinnen» und eine «hübsche Cafeteria», schreibt Béglé. Das Personal werde laufend fortgebildet:


In einem zweiten Tweet schwärmt der Waadtländer vom kommunistischen System: «Die Löhne sind tief (50 Franken pro Monat), aber alles wird kostenlos vom Staat zur Verfügung gestellt: der Reis und die wichtigsten Grundnahrungsmittel, die Unterkunft, die Gesundheit, die Bildung. Und es funktioniert um einiges besser, als man es sich hätte vorstellen können.»


Die Tweets sorgen in der Schweiz für Kopfschütteln. CVP-Ständeratskandidatin Marianne Binder fragt etwa: «Gehackter Account oder Gehirnwäsche?» Sie distanziere sich in aller Form von solchen Aussagen.

Amnesty kritisiert «Schönwetterberichte»

Jetzt schaltet sich auch Amnesty International ein. Béglés «Schönwetterberichte» seien völlig deplatziert, kommentiert die Menschenrechtsorganisation auf Twitter. In dem Land seien noch immer 120'ooo Menschen in Lagern für politische Gefangene inhaftiert und Misshandlungen, Folter und Zwangsarbeit ausgesetzt.

Zum Thema Reis schreibt Amnesty International trocken, der Mindestlohn reiche in einigen Regionen gerade mal für ein Kilo Reis im Monat:


Neben einer Fabrik hat Béglé in Pyongyang den Schülerpalast Mangyongdae besucht. Der Bau besteht laut einem Wikipedia-Eintrag aus 650 Räumen mit einer Fläche von über 100'000 Quadratmetern. Im Prestigebau, den das Regime gerne ausländischen Gästen präsentiert, verbringen nordkoreanische Schüler ihre Freizeit.

Béglé ist angetan: «Das ist die gute Seite des Sozialismus, mit einem wahrhaftigen Effort, das Wissen zugänglich zu machen.» Hier könnten Kinder ihren Interessen nachgehen – von der Kalligrafie bis zur klassischen Musik. Dann sei er in den Genuss eines «erhabenen Konzertes» gekommen.



Für Amnesty zu viel: In einem Tweet weist die Menschenrechtsorganisation auf Mangelernährung und Kinderarbeit hin.



«In die Propaganda-Falle getappt»

«Die Reisen sind geführt und überwacht vom Regime. Wenn man solche Bilder zeigt, ist man in die Propaganda-Falle getappt», sagt Beat Gerber, Sprecher von Amnesty International Schweiz. Man verbreite das Bild, das das Regime zeigen möchte.

Im Gegensatz zu Claude Béglé bekämen weder der UNO-Sonderberichterstatter noch Amnesty International Zugang zu Nordkorea. Béglé war für 20 Minuten bislang nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • TheCapitalist am 22.07.2019 16:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausprobieren

    Am besten probiert er es doch mal aus und bleibt ein paar Monate als Durchschnittbsürger in Nordkorea. Dann kann er uns sagen ob er immernoch vom Sozialismus schwärmt.

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  • Mark am 22.07.2019 16:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Peinlich ...

    ...Mehr gibt's da nicht dazu zu sagen...

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  • äsä am 22.07.2019 16:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    HeyDu

    CVP-ler, dann bleib dich gleich dort, wenn du diese Komunistische Art gut findest! Was für ein Mensch muss man sein, wenn man die Unterdrückung gut heissen kann?!?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • DonHännli am 24.07.2019 13:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oje

    Diese modernen Medien (Twitter und Co) haben auch was Gutes: Es zeigt wie dumm, überheblich, oberflächlich und was weiss ich noch alles unsere doch so hoch gestellte Herrschaft ist. Je wichtiger sich so ein Regierungsverteter nimmt, je mehr er von sich Preis gibt, desto mehr sollte es uns beunruhigen was da so alles in Amt und Würde gewählt wird Weltweit!

  • Peter B. Gröner am 22.07.2019 22:04 Report Diesen Beitrag melden

    Ich sah es mit eigenen Augen

    Ich war vor zehn Jahren in Nordkorea. Auch mir zeigte man all diese "Errungenschaften". Ich sah trotzdem die grenzenlose Armut. Mir wurde sogar verboten, mich frei zu bewegen. Und trotzdem konnte ich feststellen, dass da ein ganzes Volk in Geiselhaft ist. Herr Béglé's Kommentare sind einfach nur dumm. Und solch ein Mensch bekleidete einst wichtige Ämter. Da kann ich nur den Kopf schütteln. Er soll doch gleich in diesem "Paradies" bleiben.

  • Devils Advocate am 22.07.2019 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In dubio pro reo

    Vielleicht wurde er unter Folter zu den Tweets gezwungen? (Ansonsten ist es tatsächlich politischer Selbstmord und kein VR-Mandat mehr denkbar ausser vielleicht in Nordkorea ...)

  • Housi vo Bigetu am 22.07.2019 17:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schrecklich

    Wie Dumm ist der Typ! Aber passt zur CVP, dem Gemischtwarenladen und "möchte gern Christentum"! Ich war schon 2 mal in Nordkorea. Ein sehr schönes Land. Aber den Touristen werden nur extra vorbereitete Läden und Fabriken gezeigt! Man sieht dort klar wie das Volk misshandelt wird! Das so ein Typ solchen Blödsinn schreibt zeigt von grosser Unerfahrenheit! Politisch hat der Typ noch Nie überzeugt! Traurig!

  • Collette Lieberherr am 22.07.2019 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Realitätsfremd...

    Ich hab gerade auf YouTube ein paar flime über NK angesehen...es entspricht wohl nicht der Realität wie es der cvp mann erlebt hat...vorne hui...innen pfui....