Toter im Gotthard

24. April 2019 20:24; Akt: 24.04.2019 20:24 Print

«So ein LKW-Rad wiegt 100 bis 200 Kilogramm»

Warum löste sich das Rad am LKW? Nach dem Tod eines Lenkers im Gotthard spricht der Transportunternehmer von Sabotage. Fuhrhalter Ulrich Giezendanner schliesst dies nicht aus.

Im Gotthard kam ein Mann bei einem Verkehrsunfall ums Leben. (Quelle: Leser-Reporter)
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Er war zur falschen Zeit am falschen Ort: Ein 65-Jähriger aus dem Kanton Zürich wurde am Mittwoch im Gotthardtunnel kurz nach 9.15 Uhr von einem losen Rad erschlagen. Es hatte sich von einem Lastwagen gelöst, der vor dem Personenwagen fuhr.

«Ein LKW-Rad wiegt je nach Grösse des Lastwagens zwischen 100 und 200 Kilo», heisst es beim Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich. So wird ein loses Rad zum tödlichen Geschoss. Der Chauffeur ist verpflichtet, vor der Abfahrt sein Fahrzeug zu kontrollieren – Räder inklusive. Laut der Urner Polizei klärt die Staatsanwaltschaft nun, wie sich das Rad lösen konnte.

Unfall im Gotthard kostet Menschenleben

Der Lastwagen gehört einem Tessiner Familienunternehmen mit über 90-jähriger Geschichte. Der Chef sagt zum «Blick», es handle sich um Sabotage: «Jemand hat in der Nacht die Schrauben am Doppelrad gelöst. Beide Pneus sprangen ab.» Wer ihm schaden wolle, wisse er nicht. Aber: «Solche fiesen Vandalenaktionen kommen in der Branche häufiger vor.» Gegenüber «20 minuti» wollte er sich nicht mehr zur Sabotage äussern. «Wir sind heute alle erschüttert. Die Untersuchungen der Polizei werden der Unfall klären.»

Giezendanner schliesst Sabotage nicht aus

Fuhrhalter Ulrich Giezendanner sagt, es gebe zwei Möglichkeiten, wie sich ein Rad lösen könne: Ein Radlager könne defekt sein oder der Radbolzen könne sich lösen. Die Polizei werde nun untersuchen, ob kürzlich ein Radwechsel stattgefunden habe. Die Sabotage-Theorie des Tessiner Transportunternehmers hält der SVP-Nationalrat für möglich: «Vor Jahren hatten wir auch Fälle, in denen Räder weggingen.»

Das passiere nicht einfach so: «Leider wurde nie herausgefunden, wer hinter der Sabotage steckte.» Er kenne die Lastwagen des Tessiner Kollegen. «Die Fahrzeuge machen einen soliden Eindruck. So oder so ist der Unfall extrem tragisch.»

Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass sich im Gotthard ein Rad löste. Im November 2013 verlor ein deutscher Reisecar im Tunnel ein Rad. Ein entgegenkommendes Fahrzeug prallte in dieses hinein. Eine Person wurde verletzt.

(daw)