Verkehr

28. Juli 2009 15:55; Akt: 28.07.2009 16:11 Print

«Der Velohelm wird überschätzt»

von Joel Bedetti - Der Bundesrat will weniger Verkehrstote und deshalb die Velofahrer zwingen, einen Helm zu tragen. Pro Velo hält nichts von diesem Vorschlag. Das Fahrrad solle ein niederschwelliges Verkehrsmittel bleiben.

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Sieht nicht gut aus und hilft auch nicht immer: Der Velohelm. (Bild: Keystone/Suva)

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Mit dem Programm Via Secura will der Bundesrat die Strassen sicherer machen. Eine der rund 60 Massnahmen, die er diesen Frühling vorgestellt hat, ist das Helmobligatorium für Velofahrer. Die Radler-Lobby Pro Velo protestiert nun dagegen. Auch der TCS und der VCS stehen dem Obligatorium ablehnend gegenüber.

20 Minuten Online: Velofahrer sollen einen Helm tragen, meint der Bundesrat. Das tönt doch vernünftig. Was hat Pro Velo dagegen?
Christoph Merkli: Das Helmobligatorium in Australien und Neuseeland hat gezeigt, dass es kontraproduktiv ist: Es fahren weniger Leute Velo, wenn man einen Helm tragen muss.

Und das nur, weil man mit dem Helm nicht cool aussieht?
Immer einen Helm mitzunehmen, ist umständlich und manchmal unsinnig. Wenn ich am Sonntagmorgen in der Bäckerei Gipfeli hole, setze ich keinen Helm auf. Wenn ich allerdings eine halbe Stunde lang zur Arbeit radle, dann schon.

Wie fest nützt denn der Helm?
Die Wirkung des Helms wird überschätzt. Mit Werbespots wird suggeriert, dass man ohne Helm völlig ausgeliefert ist, man mit Helm aber sicher unterwegs ist. Tatsache ist: Der Velohelm verhindert keine einzige Kollision. Und wenn es eine schwere Kollision ist, nützt er auch kaum etwas. Andererseits ist Velofahren gar nicht so gefährlich wie angenommen.

Im Auto ist man besser geschützt.
Aber auf dem Velo sieht und hört man die Gefahren schneller und kann auch besser ausweichen.

Was würde denn die Sicherheit der Velofahrer weiter erhöhen?
Tiefere Geschwindigkeiten und sicherere Strassen. Und vor allem: mehr Velofahrer. Je mehr Menschen im Alltagsverkehr auf Fahrrädern unterwegs sind, desto mehr muss man Rücksicht auf sie nehmen. Es wäre ausserdem sinnvoll, in der Oberstufe Velokurse durchzuführen – bevor die Schüler das Alter erreichen, wo sie auf Motorfahrzeuge umsatteln können.

Wird man je eine Mehrheit der Velofahrer dazu bringen, einen Helm zu tragen?
Auf lange Strecken ziehen immer mehr Leute den Helm über. Im Nahverkehr hat der Velohelm kaum Chancen. Das Velo ist ein niederschwelliges Verkehrsmittel, das man ohne grosse Vorbereitung benutzen kann. Das soll auch so bleiben.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • karin - auto-, töff- und velofahrerin am 28.07.2009 17:09 Report Diesen Beitrag melden

    Beim Weggliholen auf den Kopf knallen...

    ... ist genauso gefährlich wie auf einer Tour. Warum also den Helm nicht auch dann anziehen? Es ist kindisch, das Velo verkaufen zu wollen, nur weil man einen Helm tragen müsste. Ich trage auch zum Einkaufen immer den Helm. Er verleitet mich keineswegs zum "Fräsen" - was für eine komische Idee!

  • Peter Ringger am 29.07.2009 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheit geht vor

    Die meisten Unfälle passieren im Haushalt und Fussgänger sind auch gefährdet. Also auch zuhause und auf der Strasse immer Vollintegralhelme, Ellenbogen- und Knieschoner und eine Rückenpanzerung tragen, dann wind wir sicher. Alles andere ist unverantwortlich und belastet die Krankenkassen.

  • Fätuuu am 28.07.2009 22:24 Report Diesen Beitrag melden

    Empfehlenswert aber nicht Pflicht

    Rauchen ist ja bekanntlich "tödlich" aber viele kennen das risiko und rauchen. Das gleiche sollte fürs Velofahren gellten. Helme tragen empfehlenswert. Velofahrer sind aber auch Verkehrssünder!!! Viele wichtige regeln werden ignoriert..... P.S: Ich rauche nicht & trage immer einen Helm

Die neusten Leser-Kommentare

  • anton steuble am 23.09.2010 22:50 Report Diesen Beitrag melden

    velofahrer

    das was der philippe latscha sagt ist völliger unsinn.ich fahre schon seit langen velo. ich nehme rücksicht auf die fussgänger. wenn ich mal auf einem trottoir fahre, das als veloweg gekennzeichnet ist und fussgänger daher kommen, halte ich an und warte bis diese vorbei sind bevor ich weiterfahre. das gilt natürlich nicht für alle velofahrer. jene sollte man daher recht zur kasse bitten,

  • Peter Vogler am 31.07.2009 09:21 Report Diesen Beitrag melden

    Meistens viel Glück gehabt.

    Vor vielen Jahren als es noch keine Velo- Helme gab,hatte ich schon mal einen Salto gemacht wegen nachts nicht sichtbaren Tramschienen.Wenn ich nur schon daran denke,was hätte passieren können,bringt das mich dazu immer einen Helm zu tragen.

  • Philippe Latscha am 31.07.2009 07:32 Report Diesen Beitrag melden

    Der Velofahrer ist rücksichtslos

    Ich habe selten einen Velofahrer gesehen, der sich an die Regeln hält, Rücksicht auf den Verkehr nimmt und auf Autos achtet. Weisst man sie darauf hin, werden sie frech. Von mir aus können sie sich den Kopf einrammen, doch meistens hat dann der Autofahrer "schuld". BÜSST SIE ENDLICH!!!!!

  • paulausbern am 30.07.2009 23:01 Report Diesen Beitrag melden

    selber schuld

    Wenn die Velofahrer aufhören, alle und auch wirklich allle Verkehrsregeln zu ignorierern, dann sind sie auch ohne Helm schon mal viel sicherer unterwegs. Nur sollte die Polizei auch gegen Velofahrer/innen das Gesetz durchsetzen, die sind auch schuld an dem Wildwest auf den Strassen

  • Gerold Guggenbuehl am 30.07.2009 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    Denken

    Ein Velofreak fuhr seine Strecken ohne Helm, und fühlte sich dabei als schlauer Schelm. Da brachen ihm zwei Speichen, bekannt war er nun nicht, für s Schleichen. Nun kann er nie mehr ein Velo lenken, es fehlt ihm wie schon vorher, das kluge Denken!