Armee zu Entlassungen

17. April 2019 12:51; Akt: 17.04.2019 13:25 Print

«Jede Zulassung in den Zivildienst schmerzt»

Armeesprecher Daniel Reist nimmt Stellung zur Entlassung von fünf Zivildienst-Interessenten durch einen RS-Kommandanten.

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A. D.* (20) war Soldat in der Rekrutenschule Elektronische Kriegsführung in Jassbach BE – bis Donnerstagmorgen. Dann wurden er und vier andere Soldaten per sofort entlassen. Sie hatten sich für den Zivildienst angemeldet. Im Schreiben begründet der Schulkommandant die Entlassung damit, dass er einen weiteren Einsatz nicht verantworten könne. Dabei sollten die Soldaten die Ausbildung zum Wachtmeister absolvieren. Sie schickten ein Gesuch zur Zulassung zum Zivildienst ab, weil sie damit nicht einverstanden waren. (Symbolbild) Ein Betroffener sagt, er wolle den Entscheid anfechten. Grosse Chancen rechne er sich nicht aus. «Wahrscheinlich wollte der Kommandant ein Zeichen gegen das Wechseln in den Zivildienst setzen», sagt er. (Symbolbild) Besonders bitter sei, dass die Entlassung am Donnerstag erfolgt sei. Anfang nächster Woche hätten die fünf Soldaten nämlich 80 Prozent ihrer Rekrutenschule absolviert. (Symbolbild) Bei einem Wechsel in den Zivildienst hiesse das, dass sie keinen zusammenhängenden Arbeitseinsatz von 180 Tagen mehr absolvieren müssten. (Symbolbild) Gemäss dem Schreiben mit ein Grund für die Entlassung: Im Gesuch zur Zulassung zum Zivildienst muss bestätigt werden, dass ein Gewissenskonflikt mit dem Militärdienst besteht. Erst danach ist der Besuch des Einführungstages möglich. Danach gibt es allerdings eine Bedenkfrist, und Gesuchsteller müssen schriftlich erneut bestätigen, dass sie in den Zivildienst wechseln wollen. Erst dann wird über die Zulassung entschieden.

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Herr Reist, fünf Soldaten wurden entlassen, weil sie nicht weitermachen wollten und sich für den Einführungstag Zivildienst anmeldeten. Sind die Entlassungen rechtmässig und im Sinne des Armeechefs?
Die Fragen, die im Zusammenhang mit der Entlassung der betroffenen Angehörigen der Armee der EKF Schule stehen, werden von der Armee im Detail untersucht. Dies benötigt die entsprechende Zeit. Eine zwingende Entlassung wegen einer Anmeldung zum Einführungstag ist rechtlich nicht vorgesehen. Aber: Wer ein Gesuch zum Zivildienst einreicht, muss darin erklären, dass er den Militärdienst nicht mit dem Gewissen vereinbaren kann. Er kann keinen Einführungstag besuchen, ohne nicht vorher ein Gesuch mit einer solchen Erklärung eingereicht zu haben. Administrative Entlassungen vor der Zulassung zum Zivildienst können unter gewissen Voraussetzungen vorkommen.

Unter welchen Voraussetzungen ist eine Entlassung möglich?
Im Lehrverband Führungsunterstützung ist der Schulkommandant angehalten, eine Lagebeurteilung mit jedem Angehörigen der Armee vorzunehmen, der in den Zivildienst will. Wenn sich im persönlichen Gespräch Hinweise ergeben, dass dem Angehörigen ein weiteres Verbleiben in der Armee nicht zugemutet werden kann – etwa, indem dieser glaubhaft begründet, dass er für sich oder andere eine potenzielle Gefährdung darstellt –, so hat er diese Person zu entlassen.

Ein betroffener Soldat sagt, er wäre bereit gewesen, den Dienst gestückelt zu leisten.
Es ist klar, dass die Armee eine Fraktionierung zulässt. Falls die Aussage, die Weiterausbildung bis 2023 abzuschliessen, zutrifft, hat die Armee dies zu ermöglichen. Sollte dem nicht Rechnung getragen worden sein, wird die Armee dies korrigieren.

Es ist bekannt, dass die Zahl der Zulassungen für den Zivildienst nach absolvierter RS aus Sicht der Armee zu hoch ist. Ist eine Entlassung von Abschleichern kurz vor Ende der RS das richtige Mittel, um das Problem zu lösen?
Nach der Zulassung zum zivilen Ersatzdienst muss die Armee die Angehörigen umgehend entlassen und darf diese nicht länger in der Armee ausbilden und beherbergen. Jede Zulassung von Angehörigen der Armee in den Zivildienst ist hinsichtlich der Alimentierung der Armee schmerzhaft. Insbesondere schmerzen die Abgänge nach absolviertem Grundausbildungsdienst (RS), weil die entsprechenden Armeeangehörigen über mehrere Wochen und teilweise Monate ausgebildet und betreut wurden.

Aus der Kaserne ist zu vernehmen, dass der Kommandant die tiefste Abschleicherquote habe im ganzen Lehrverband. Die Entlassungen würden dazu führen, dass er diese halten könne, weil sie statistisch nicht als Abschleicher erfasst würden. Können Sie das bestätigen?
Nein.

Woher hat die Armee die Information, dass sich Soldaten für den Infotag angemeldet haben?
Die Regionalzentren des Bundesamts für Zivildienst informieren die betroffenen Schulen schriftlich über jedes eingegangene Gesuch um Zulassung zum Zivildienst. Wenn sich ein Angehöriger der Armee für einen Informationstag des Zivildienstes angemeldet hat und diesen auch besuchen will, muss er bei seinem Kommandanten ein Urlaubsgesuch einreichen.

Das Entlassungsschreiben ist voller sprachlicher Fehler. Ist der Schulkommandant, der eine Schlüsselrolle bei der Funkaufklärung innehat, der richtige Mann für diese Position?
Ja, er ist aufgrund seiner Erfahrungen, der Beurteilungen seiner Vorgesetzten während seiner beruflichen Karriere sowie seiner fachspezifischen Kenntnisse der richtige Mann als Kommandant der EKF Schulen 64. Das Schreiben wurde durch die Administration erstellt und wird nun überarbeitet.

Was sind die Folgen für die entlassenen Soldaten? Wie viele Tage müssen sie mehr Zivildienst leisten, weil sie die RS nicht bestanden haben?
Der Zivildienst dauert 1,5-mal so lange wie die Gesamtdauer der noch nicht geleisteten Ausbildungsdienste nach der Militärgesetzgebung. Bei einer vorzeitigen Entlassung müssen die Zivildienstleistenden mehr Zivildiensttage leisten, als wenn sie die RS hätten vollenden können.

Was tut die Armee, um ihre Attraktivität zu steigern und um Übertritte in den Zivildienst zu verhindern?
Die Armee ist per se nicht attraktiv. Sie können nicht auswählen, wann Sie Dienst leisten wollen, Sie können nicht jeden Abend zu Hause schlafen, Sie müssen Nachtarbeit und Sonntagsarbeit leisten, Sie müssen das Zimmer mit 20 anderen Menschen teilen, Sie müssen beispielsweise bei minus 20 Grad das WEF bewachen. Dennoch setzt die Armee permanent Massnahmen zur Steigerung der Attraktivität um. Ich nenne nur einige: Allen stehen zwei Jokertage in der RS zur Verfügung, in denen sie frei Urlaub wählen können. Es gibt ein Programm für die progressive Umstellung vom zivilen auf den militärischen Alltag. Milizkader können von einer Ausbildungsgutschrift profitieren. Oder die Armee gibt ihren Kadern im Praktischen Dienst bei Bedarf bis zu drei Wochen vor dem Ende der Rekrutenschule frei und beurlaubt sie zusätzlich an fünf frei wählbaren Tagen für die Studienvorbereitungen.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hoeloe am 17.04.2019 06:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Versteh ich nicht...

    Sie wollten aus dem Militärdienst entlassen werden und jetzt ist auch nicht recht...

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  • teddy1993 am 17.04.2019 06:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer Spielchen spielt, muss bereit sein zu verliere

    Tragisch für die Soldaten, deren Spielchen nun halt nicht aufgegangen ist. Wer droht, muss auch bereit sein, die Konsequenzen zu ziehen.

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  • Mario am 17.04.2019 06:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Plötzlich...

    Gewissensbisse so plötzlich? Ist doch auch nur vorgeschoben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Koch René am 18.04.2019 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Skandal

    Es ist ein Skandal wenn das stimmen sollte. Das Personal der Armee ist die Hypothek der ganzen Landesverteidigung!!!

  • Max fuir am 18.04.2019 19:16 Report Diesen Beitrag melden

    Ich wollte Dienst leisten

    Ich wollte Dienst leisten sogar durchrdiener und mit Ambition eine Kader Position zu erhalten. Jedoch wurde ich UT gestempelt weil ich in der Kindheit schlafgewandelt bin. Also Rosinen picken wo es nur geht. Diese Miliz Armee gehört abgeschafft!

  • horst am 18.04.2019 19:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weshalb

    es wird das falsche verhalten unterstützt. wenn man kein bock hat und sich keine mühe gibt ist man fein raus. wenn man sich etwas anstrengt, wird man zu weiterem dienst gezwungen. wenn man nicht weiter machen will, einfach 8 wochen die sau rauslassen. ich musste jedes wochenende 4 h nacharbeit leisten. dafür konnte ich immer zu spät kommen und wenn ich die hälfte des gepäcks "vergessen" hatte, sagte niemand etwas. am schluss nur noch wachdienst (3-4h/tag) und restliche zeit filme schauen und kiffen. überhaupt keinen anreiz sich etwas zu bemühen (abgesehen vom eigenen egl)

  • Dani am 18.04.2019 17:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wehr vs Zivildienst

    Ich finde der Dienst an der Allgemeinheit sollte im Zentrum stehen, ob nun Wehr- oder Zivildienst, sollte keine Rolle spielen.

  • Egon Zuppiger am 18.04.2019 16:55 Report Diesen Beitrag melden

    Schafft sie ab, die Armee.

    Schaffen wir sie endlich ab. Diese Armee ist nicht brauchbar und basiert auf veralteten Prinzipien. Eine Erneuerung von innen an die heutigen Anforderungen ist unmöglich. Ein Neubeginn auch nicht. Krieg heisst heute Verlust von technischem KnowHow und Einfluss auf die welweiten Resourcen. Die Rosinen der Schweizer Wirtschaft sind schon lange in internationalen Konzernen einverleibt. Wir sind erpressbar, geworden wie die Unternehmensteuerreformen zeigen. Die Konzerne sagen was geht. Unser Volkwissen ist verscherbelt worden und die Armee täumt von Angreifern die nie kommen werden.