Ja-Trend beim Geldspielgesetz

18. Mai 2018 05:44; Akt: 18.05.2018 06:48 Print

«Die Befürworter fahren eine Lügenkampagne»

Nur noch 47 Prozent lehnen das neue Geldspielgesetz ab. Nun bezichtigen die Gegner der Vorlage die Befürworter einer Fake-Kampagne.

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Patt beim neuen Geldspielgesetz: Knapp einen Monat vor der Abstimmung lehnen 47 Prozent der Stimmbürger die Vorlage ab. Genau gleich viele wollen sie laut der neuesten Tamedia-Umfrage annehmen. 6 Prozent machten keine Angaben zu ihren Stimmabsichten. Damit hat sich der Wind gedreht: Bei der ersten Befragung vor drei Wochen sprachen sich noch 53 Prozent gegen das neue Geldspielgesetz aus.

Die Umfrage zeigt, dass in der Diskussion um Online-Casinos und Netzsperren die Fronten nicht dem Recht-links-Schema folgen. Vielmehr spaltet die Vorlage die Basis beinahe sämtlicher grösseren Parteien. Bei den Wählern von SP und FDP kommt etwa kein Lager auf eine absolute Mehrheit. Nach wie vor lehnt eine knappe Mehrheit der SVP-Wähler das Gesetz ab.

«Resultat einer Lügenkampagne»

Dass das Nein-Lager den Vorsprung eingebüsst hat, beunruhigt Luzian Franzini, Co-Präsident der Jungen Grünen: «Es ist das Resultat der millionenschweren Lügenkampagne des Pro-Komitees.» Dieses suggeriere, dass bei einem Nein Sportvereine oder Zoos kein Geld mehr erhielten. Franzini verweist darauf, dass die Befürworter auf einem Flyer vor dem Ende der Elefanten im Zoo warnen.

«Das ist eine Fake-Kampagne. Bei einem Nein bleibt der Status quo erhalten.» Bei einem Ja gingen hingegen 63 Millionen Franken verloren, da Lottogewinne unter einer Million Franken steuerfrei würden. «Ein besseres Gesetz, das auch Konzessionen für ausländische Anbieter vorsieht, könnte zu Mehreinnahmen führen und besser vor Spielsucht schützen.»

«Grosse Summen fliessen in Offshore-Staaten ab»

Damian Müller, FDP-Ständerat und Mitglied des Pro-Komitees, widerspricht: «Wenn ausländische Online-Anbieter weiterhin beliebig wildern können, fliessen grosse Summen unversteuert in Offshore-Staaten wie Malta ab. Ich will aber, dass dieses Geld in der Schweiz bleibt.» Sonst fehle es der AHV, den Sportvereinen oder auch den Zoos. Der Flyer mit dem Elefanten-Sujet sei zugespitzt, um aufzurütteln.

Müller betont, dass das Gesetz ein guter Kompromiss sei, der von links bis rechts abgestützt sei: «Der Bundesrat, 26 Kantone, die Experten des Fachverbandes Sucht oder auch der Pokerverband stehen dahinter.» Die Schweiz müsse wie alle anderen Länder das Online-Geldspiel regulieren, wenn es weiterhin zum Gemeinwohl im Land beitragen soll. «Diese Botschaft müssen wir gerade den jungen Stimmbürgern noch vermitteln.»

Senioren mehrheitlich für das Gesetz

Tatsächlich kommt das Gesetz laut der Tamedia-Umfrage weiterhin bei den Senioren am besten an: 60 Prozent der über 65-Jährigen befürworten es. Dagegen wollen bei den 18- bis 34-Jährigen nur 37 Prozent ein Ja in die Urne liegen.

54 Prozent gegen die Vollgeld-Initiative

Neben dem Geldspielgesetz stimmt die Schweiz am 10. Juni auch über die Vollgeld-Initiative ab. Diese verlangt, dass nur noch die Nationalbank Geld schaffen darf. Laut der Tamedia-Abstimmungsumfrage zeichnet sich ein Nein ab: 54 Prozent lehnen die Vorlage ab – 9 Prozentpunkte mehr als drei Wochen zuvor. Noch 39 Prozent wollen derzeit ein Ja einlegen.

Die Umfrage

9850 Personen aus der ganzen Schweiz haben am 14. und 15. Mai online an der zweiten Welle der Tamedia-Abstimmungsumfrage zu den eidgenössischen Vorlagen vom 10. Juni teilgenommen. Die Befragungen werden in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politikwissenschaftler Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,5 Prozentpunkten. Weitere Informationen zu den Tamedia-Umfragen gibts hier.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mani Motz am 18.05.2018 06:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wehret den Anfängen

    Es geht vorallem darum, Netzsperren, also das Blockieren von Internetseiten durch den Staat, zu verhindern!

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  • MrBlues am 18.05.2018 07:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wie oft hast Du schon gewonnen

    Das Ganze ist doch nicht ehrlich. Eine Netzsperre wegen mutmasslichen Steuerverlusten? So eine Lüge. Was wollen die Befürworter wirklich? Wir spielen seit es online Casinos gibt und haben jedenfalls noch nie eine hohe Summe gewonnen. Gewinn und Verlust hält sich die Waage. Fun ist im Vordergrund. Die Swiss Casino Lobbi möchte doch das ganze Geschäft an sich reissen und wir sollen es ermöglichen auf Kosten der Netzfreiheit? Absolutes no go.

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  • Globi Vogel am 18.05.2018 06:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    NEIN

    Wenn das angenommen wird, ist das der Anfang vom Ende der Netzneutralität! Als Nächstes werden dann ausländische Onlineshops gesperrt, dann Reisebüros, usw...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tigg am 18.05.2018 21:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nein dazu

    15-20 Jahre gings bisher ohne. Seltsam kommen die erst jetzt wenn es den Kasinos nicht mehr so blendend geht. Wenn's um die Staatseinnahmen gehen würde, hätten sie schon vor 10 Jahren reagieren müssen. Lobbyisten eben...

  • Marco Z. am 18.05.2018 20:30 Report Diesen Beitrag melden

    Reiche werden reicher

    Nach dem poker wollen die Casinos jetzt auch den online Vetrieb in ihre Griffe kriegen. Bitte NEIN und später dann ihrgwann entlich wieder Pokern zulassen. Jassen ist schliesslich auch erlaubt.

  • F.K. am 18.05.2018 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das kommt so

    So nach und nach werden sicher alle nicht Schweiz geldeinbringende Internetseiten gesperrt.

  • Franz K. am 18.05.2018 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komplett aufs Geld verzichten

    Wie wäre es mit einem generellen Glückspielverbot? Dann wird niemand mehr süchtig danach.

  • Marco am 18.05.2018 19:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wilkommen in der schweiz...

    Was verwundert euch das? In einem land wo sich leute von 3 minaretten gestört fühlen und diese verbieten, nicht mehr ferien wünschen (initiative) da es ihnen gefählt meisten arbeitsstunden woche und am wenigsten ferien zu haben, eine billag weiterhin zahlen möchten für sender die ich für 10 mal weniger geld im keller produzieren könnte und all dem sollen noch die flüchtlinge schuld sein.