Hope und Brenda

27. März 2019 18:35; Akt: 27.03.2019 18:35 Print

«Die Boshaftigkeit der Menschen erschüttert»

Er rettete zwei Orang-Utan-Weibchen das Leben: Der Schweizer Chirurg Andreas Messikommer erzählt, wie er in Sumatra Menschenaffen hilft.

In einem langen Gespräch gewährte uns Andreas Messikommer interessante Einblicke in sein Engagement in Sumatra. Im Video spricht er von der Orang-Utan-Dame Hope (bis Minute 00.24) und anschliessend von seiner bisher schwersten Patientin Bolo, welche er vor einigen Jahren behandelt hat. (Video: M. Temel / M. Täuber / S. Brazerol)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Röntgenbilder des von unzähligen Kugeln getroffenen Körper der Orang-Utan-Dame Hope schockierten: Das 30-jährige Tier wurde vorletzte Woche mit 74 Luftgewehrkugeln und einer stark infizierten, offenen Fraktur der Schulter in die Auffang- und Pflegestation des Sumatra-Orang-Utan-Schutzprogramms (SOCP) eingeliefert. Hope erblindete, ihr Kleines überlebte nicht. Nebst Hope erreichte ein zweiter Notfall die Station der Schweizer Stiftung Paneco im Norden Sumatras: Das dreimonatige Orang-Utan-Baby Brenda erlitt in Gefangenschaft einen komplizierten Oberarmbruch.

In einer sechsstündigen Operation half der orthopädische Chirurg Andreas Messikommer (68) den beiden Menschenaffen wieder auf die Beine: «Die Operationen sind gut verlaufen und beiden Orang-Utans geht es den Umständen entsprechend gut», sagt er. Am Dienstag teilte Paneco offiziell mit, dass mit einer schnellen und komplikationslosen Erholung der beider Weibchen zu rechnen sei.

In einem langen Gespräch gewährte uns Andreas Messikommer spannende Einblicke in sein Engagement in Sumatra. Im Video-Interview erzählt er von Hope und seiner bisher schwersten Patientin Bolo.

«Wir müssen unser Bestes geben, um diese Spezies zu erhalten.»

Bereits zum 21-mal tauschte der Humanorthopäde seine menschlichen Patienten gegen unsere tierischen Verwandten, um das Team von Paneco in Sumatra bei chirurgischen Notfällen zu unterstützen. Es sei ihm wichtig, seine eigene Person nicht in den Vordergrund zu stellen: «Zu Beginn meines Engagements ging es einfach darum, eine gewisse Hilfeleistung zu erbringen, was in meinem Beruf ganz normal ist. Es mag vielleicht erstaunen, aber ich bin auch kein besonderer Tiernarr.» Messikommers Motivation hat sich mit den Jahren aber verändert: «Es ist mir wichtig, einer vom Aussterben bedrohten Spezies helfen zu können, die lange vor uns da war.» Der Einsatz sei sinnvoll: «Ich sehe einfach nicht ein, warum wir nicht unser Bestes geben sollten, um diese Spezies erhalten zu können.»

Konflikte zwischen Mensch und Tier häufen sich

Das Schicksal der beiden Orang-Utans ist kein Einzelfall: Durch Regenwaldrodung zugunsten von Holz- und Palmöl-Plantagen wird der Lebensraum des Sumatra-Orang-Utans immer kleiner und Konflikte zwischen Mensch und Tier immer häufiger. Eine weitere Gefahr für die Affen ist laut Paneco der Handel mit Jungtieren.

Messikommer bedauert, dass die von ihm operierten Verletzungen fast ausnahmslos von Menschen stammen: «Diese Boshaftigkeit der Menschen erschüttert mich sehr. Denn häufig, aber sicher im Fall von Hope und Brenda, kann man ganz klar von Tierquälerei sprechen.» Allerdings müsse man auch berücksichtigen, dass in Indonesien grosse soziale Ungerechtigkeit herrsche und der Verkauf eines Orang-Utan-Babies es dortigen Familien ermögliche, ihre Kinder weitere zwei Jahre in die Schule zu schicken.

«Die Boshaftigkeit der Menschen erschüttert»

«Zu 97 Prozent das gleiche Erbgut wie Orang-Utans»

Allzu grosse Unterschiede zwischen einer Operation an einem Menschen und einem Orang-Utan gebe es nicht. «Die DNA des Sumatra-Orang-Utan ähnelt der menschlichen zu 97 Prozent.» Zwar hätten sie längere Gliedmasse und praktisch kein Fett, aber anatomisch würden wir uns kaum unterschieden, so der Chirurg.

Worauf man bei der Operation eines Orang-Utans besonders achten müsse, sei ein möglichst geringer Blutverlust: «Man kann das Blut nicht einfach transplantieren, weshalb man extrem genau arbeiten muss und Gewebe nicht unnötig verletzen darf.» Deshalb arbeite er auch mit stumpfen Instrumenten.

Nicht einmal eine Woche nach seiner Rückkehr aus Sumatra flog Andreas Messikommer vergangenes Wochenende wieder hin. Während seines 48-stündigen Aufenthalts kümmerte er sich um die Oberarmfraktur von Pertiwi. Erfreut schrieb er nach der Operation am Sonntag: «Alles ok. Wieder im Käfig.»

(mm)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kritiker am 27.03.2019 20:18 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso?

    Wieso habe ich bei Tieren bei weitem mehr Mitgefühl als bei Menschen?

    einklappen einklappen
  • Silvie am 27.03.2019 20:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Held des Alltags

    Ich verneige mich vor Herr Messikommer!

  • Sarah am 27.03.2019 20:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Solche Geschichten machen mich so unglaublich traurig. Es ist einfach nur furchtbar, mit grausamer Gewalt fügt der Mensch den Tieren Leid zu. Es ist schön, dass es doch noch Menschen gibt die auch tatsächlich helfen und versuchen damit etwas zu bewegen. Danke

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Gabi Itin am 28.03.2019 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Vor der Tür

    Warum macht ihr / Wir Aktiv ! nichts dagegen ? Unsere hilfe wäre genau so gefragt. !

  • H. Cheng am 28.03.2019 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    Danke dass es Leute wie sie gibt!

    Dank solchen Helden kann man ab und zu doch noch ein bisschen stolz auf die Schweiz sein.

  • Sommerflor am 28.03.2019 11:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mensch

    Einfach hoffnungsvoll,dass es noch gute Menschen gibt.liest man die Zeitung, wird mir einfach schlecht ab dieser Boshaftigkeit,Vergewaltiger,Kinder und Tierschänder, Kriege, Mord und Totschlag an unschuldigen Menschen, und diese Spezi nennt sich Menschen

  • sch. v. am 28.03.2019 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Ja genau

    und der Mensch ist dann das Opfer

  • Isabella Keiser am 28.03.2019 08:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hope u brenda

    Danke danke an alle ärzte mit so grossem herzen ihr seid die wahren schutzengel die unsere bedrohten wunderbaren tiere beschützen. Danke danke