Tochter krank

26. April 2018 12:37; Akt: 26.04.2018 14:28 Print

Edelweiss lässt Familie in Costa Rica hängen

Weil ihre kleine Tochter beim Boarding krank wurde, versprach Edelweiss eine kostenlose Umbuchung. Nun will die Airline nichts mehr davon wissen.

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Susanne D.* ist von der Airline Edelweiss enttäuscht. Am 20. April wollte die Frau mit ihren zwei- und fünfjährigen Töchtern und deren Grossvater von Costa Rica zurück in die Schweiz fliegen. Ihr Mann war bereits früher zurückgereist.

Doch eine halbe Stunde vor dem Boarding wurde die fünfjährige Tochter krank, musste sich übergeben und litt an Durchfall. Das Personal am Gate schickte sie zur Notfallstation des Roten Kreuzes. Dorthin sei auch ein Mitarbeiter der Edelweiss beordert worden, sagt D.

«Edelweiss sicherte Unterstützung zu»

Die Ärzte entschieden, dass ein Flug nicht sinnvoll sei. «Man hat uns für unser Verantwortungsbewusstsein gedankt», so D. Denn mit einem kranken Kind zu fliegen, hätte im schlimmsten Fall andere Passagiere in Gefahr bringen können.

«Edelweiss sicherte uns am Flughafen kostenlose Umbuchung und vollste Unterstützung zu», behauptet D. Die lokalen Mitarbeiter hätten sich immer für sie eingesetzt. Doch der Edelweiss-Kundendienst in der Schweiz habe von den Versprechen nichts mehr wissen wollen. Im Callcenter habe es geheissen, wenn man nicht pünktlich an Bord sei, könnten die Tickets nicht umgebucht werden.

Neue Tickets für 2150 Franken

Die Fünfjährige weine nun täglich, weil sie ihren Vater und ihre Freunde vermisse. Die Tickets des Grossvaters und der Fünfjährigen wurden kostenlos umgebucht, weil es sich um einen anderen Tarif handelte und die Tickets nicht über Edelweiss, sondern über die Swiss gebucht worden waren. Der Grossvater darf aber nicht mit der Enkelin allein ausreisen. Gesetze zum Schutz vor Kindesentführung verbieten das.

Für sich und die ältere Tochter hat D. für knapp 2150 Franken neue Tickets gekauft. So kann die Familie am Freitag zurückfliegen. Von Edelweiss ist D. enttäuscht – insbesondere weil die Airline auf ihrer Internetseite damit werbe, wie kinderlieb sie sei.

«Wer nicht reisefähig ist, darf nicht reisen»

Edelweiss-Sprecher Andreas Meier sagt, es treffe zu, dass es keine kostenlose Umbuchung gegeben habe. Die Mutter und die jüngere Tochter hätten ein «Economy Saver»-Ticket gekauft. Diese Tickets der günstigsten Kategorie seien nicht umbuchbar. Das sei in den Tarifbestimmungen klar festgehalten. Die Tickets, die vom Grossvater und einer der Töchter gebucht wurden, seien an andere Buchungskonditionen gebunden.

Es sei zwar richtig, dass die Familie zur Notfallstation gegangen sei und den Flug nicht angetreten habe. Mit der Umbuchung habe das aber nichts zu tun: «Wer nicht reisefähig ist, darf nicht reisen», sagt Meier. Eine kostenlose Umbuchung sei nicht zugesichert worden.

«Wir sind familienfreundlich. Aber wer den günstigsten Tarif bucht, tut dies im Wissen um die Tarifbestimmungen. Diese Tickets sind aus einem Grund so billig», sagt Meier. Für die Airline sei der Fall abgeschlossen. Zudem springe bei Reiseunfähigkeit in der Regel die Reiseversicherung ein, sagt Meier.

*Name der Redaktion bekannt

(ehs)