Protest gegen Andreas Glarner

28. Mai 2019 21:50; Akt: 29.05.2019 17:57 Print

«Die Frauen führten sich wie Hyänen auf»

von B. Zanni - Frauenstreik-Aktivistinnen blockierten den Zutritt zu einem Referat von SVP-Politiker Andreas Glarner. Dieser spricht von heftigen Szenen.

Vor dem Glockenhof kam es wegen des angekündigten Referats von SVP-Nationalrat Andreas Glarner zum Eklat. (Video: Facebook)
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SVP-Nationalrat Andreas Glarner beobachtete mit Schrecken, wie seine Gäste am Montagabend vor dem Eingang des Zürcher Glockenhofs um den Zutritt zu seiner Veranstaltung kämpften. «Ich erschrak sehr, als ich sah, was da draussen passierte», berichtet der SVP-Nationalrat. «Die Frauen führten sich wie Hyänen auf. Einen alten Mann zerrten sie zu Boden, und einem weiblichen Gast kreischten sie ins Ohr, dass sie als Frau hier nicht rein dürfe», schildert der Politiker die Szenen. Auch hätten die Unruhestifterinnen Rauchpetarden gezündet. «Den Leuten, die sich wehrten, drohten sie mit einer Anzeige.»

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Am Montagabend hatte das rechte Magazin «Schweizerzeit» im Glockenhof zu einem Referat mit Andreas Glarner zum Thema «Unionsbürgerrecht oder Einwanderungs-Beschränkung?» geladen. Doch linke Chaotinnen und Chaoten verweigerten laut Glarner den Besuchern den Zutritt. Einen Tag später machte Glarner auf Facebook seinem Ärger Luft. «Die wahren Feinde unserer direkten Demokratie sind links und Anhänger des ‹Frauenstreiks›.»

Glarner hetze gegen Frauen

Die Revolutionäre Jugend Zürich RJZ unterstützt die Aktion. In einem Facebook-Post schreibt die Gruppe: «Wir Frauen haben uns am 27.05. dem Sexisten und Rassisten Andreas Glarner und seinen AnhängerInnen in den Weg gestellt» Glarner sei für seine fremdenfeindliche und hetzerische Politik bekannt.

«Glarner hat es geschafft, dass seine Bonzengemeinde Oberwil-Lieli keine Asylsuchenden aufnehmen muss – sie haben sich kurzerhand freigekauft», nennt die RJZ als «hässliches Beispiel». Zudem hetze er auf Facebook und Twitter gegen Frauen, Ausländerinnen und alle, die nicht in sein reaktionäres Weltbild passten. «Er schreckt dabei auch nicht davor zurück, Menschen den Tod zu wünschen.» So solle Glarner gesagt haben: ‹Wenn ein Schiff mit Migranten im Mittelmeer versinkt, dann finde ich das eine gute Nachricht.›» Das Zitat stammt allerdings nicht von Glarner, sondern von einem Online-Kommentar-Schreiber, wie «Nau» berichtet. Der Nationalrat reichte deshalb Strafanzeige bei der Zürcher Stadtpolizei ein. «Dass in der Öffentlichkeit angebliche Zitate von mir verwendet werden, um mich zu diffamieren, geht zu weit», sagt Glarner zu «Nau».

Offizielle Seite verteidigt die Aktion

Die Blockade vor dem Glockenhof begründen sie damit, dass «solche reaktionäre Hetzer mitten in Zürich nichts verloren haben». Mit der Forderung «keinen Fussbreit den Faschisten, kein Millimeter den Sexisten» riefen die Frauen zur Teilnahme am Frauenstreik vom 14. Juni auf. An Andreas Glarner prallen die Vorwürfe ab. «Ich bin gewählter Nationalrat und in diesem Land herrscht Rede- und Versammlungsfreiheit. Es gab keinen Grund, die Gäste am Zutritt zu meinem Vortrag zu hindern», sagt Glarner. Wohl oder übel müsse er bei künftigen Veranstaltungen mehr Sicherheitspersonal aufbieten.

Die offiziellen Vertreterinnen des Frauenstreiks verteidigen die Aktion. «Gemeinsam stellen wir uns stark und unmissverständlich den sexistischen und rassistischen Verhaltensweisen und Aussagen, so wie sie von SVP-Nationalrat Andreas Glarner gemacht werden, entgegen», sagt Salome Schaerer vom Zürcher Frauenstreikkollektiv.

«Eine Blockade ist ebenso willkommen»

Allen Frauen im Kollektiv stehe es laut Schaerer frei, ihren Unmut über diskriminierendes Verhalten auf ihre Art und Weise kundzutun. Als Kollektiv solidarisierten sie sich mit unterschiedlichen Positionen und Ausdrucksweisen. «Eine Blockade ist ebenso willkommen wie ein Postulat in einem Parlament.»

Die Stadtpolizei Zürich bestätigt den Vorfall. Laut Sprecher Marc Surber sorgten ein bis zwei Dutzend Personen vor dem Glockenhof für Unruhen. «Die Polizei war mit einem Aufgebot vor Ort. Nach einigen Minuten entfernten sich die Personen und die Situation beruhigte sich», sagt Surber. Andreas Glarner zufolge erstattete ein Gast Anzeige. «Aktuell ist bei uns keine Anzeige eingegangen», sagte Surber am späteren Dienstagnachmittag.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zeit Geist-ohne Wertung am 28.05.2019 22:09 Report Diesen Beitrag melden

    Schwierige Zeiten für FREIE MEINUNGEN

    Man kann links oder rechts gut finden oder nicht. ABER noch sind die Meinungen frei die nach keinem Gesetz verstossen. Und ich weiss heute schon dass es in Zukunft auf beiden Seiten schwerer werden wird seine FREIE Meinung ohne gegen ein Gesetz zu verstossen kundzutun.

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  • M. Rosenberg am 29.05.2019 08:42 Report Diesen Beitrag melden

    Erschrecken

    Gegenüber anders Denkenden handgreiflich werden, im Rudel Alte und Junge angreifen und ihnen ihre Rechte verweigern. Das erinnert mich an die Situation meiner Grosseltern und Eltern in Deutschland der 30er Jahre.

  • René Gruber am 29.05.2019 08:38 Report Diesen Beitrag melden

    Freie Meinungsäusserung

    Meinung darf geäussert werden solange sie nicht gegen Gesetze verstösst, dies ist zu akzeptieren ob einem die Meinung gefällt oder nicht. Freie Meinungsäusserung zu verhindern rückt einem in die Nähe diktatorischen Verhaltens, sei es nun eine linke oder eine rechte Ditktatur!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Luca am 29.05.2019 08:51 Report Diesen Beitrag melden

    Warum wurde so einer gewählt?

    Glarner ist purer Sexist, dass so einer überhaupt gewählt wird vom Volk ist zum Fremdschämen. Freie Meinungsäusserung sollte trotzdem möglich sein.

  • M. Rosenberg am 29.05.2019 08:42 Report Diesen Beitrag melden

    Erschrecken

    Gegenüber anders Denkenden handgreiflich werden, im Rudel Alte und Junge angreifen und ihnen ihre Rechte verweigern. Das erinnert mich an die Situation meiner Grosseltern und Eltern in Deutschland der 30er Jahre.

  • Andy am 29.05.2019 08:41 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist der Respekt

    Es ist eine Frechheit wie wir inzwischen miteinander umgehen. Jeder greift jeden öffentlich in der untersten Schublade an. Ich finde jeder sollte etwas Respekt vor den anderen haben und ich weiss von was ich rede da ich Homosexuell bin.

  • Lukas S. am 29.05.2019 08:41 Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Ich mag Glarner auch nicht. Aber wenn ein Protest von Radikalen gegen einen umtriebigen Politiker dazu führt, dass unsere Politiker zukünftig mit Sicherheitspersonal herumlaufen müssen, dann haben wir den Salat.

  • René Gruber am 29.05.2019 08:38 Report Diesen Beitrag melden

    Freie Meinungsäusserung

    Meinung darf geäussert werden solange sie nicht gegen Gesetze verstösst, dies ist zu akzeptieren ob einem die Meinung gefällt oder nicht. Freie Meinungsäusserung zu verhindern rückt einem in die Nähe diktatorischen Verhaltens, sei es nun eine linke oder eine rechte Ditktatur!