Krisensitzung

16. März 2011 15:32; Akt: 16.03.2011 18:34 Print

«Die Lage in Japan ist sehr kritisch»

von Lukas Mäder, Bern - Der Bundesrat hat die Lage in Japan beraten. Für die Gesundheit bestünde derzeit in der Schweiz keine Gefahr. Massnahmen müssten nicht ergriffen werden.

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Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) wirft in ihrem Bericht über den Atomunfall in Fukushima der japanischen Regierung vor, die Gefahr von Tsunamis unterschätzt zu haben. Am gehen heftige Unwetter über dem Katastrophengebiet in Japan nieder. Die Strahlenmesswerte bei den havarierten Reaktoren von Fukushima sind viel zu hoch. Die Cäsium-134-Konzentration ist alarmierend. Die Tepco veröffentlicht im Mai weitere Bilder aus dem Innern des AKW Fukushima. Wie am bekannt wurde, sind zwei weitere Kernschmelzen in den Unglücksreaktoren eingetreten. Nach der Entdeckung von rund 3000 Tonnen radioaktiv verseuchten Wassers im havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima soll ein gigantisches Schiff als Auffangbecken dienen. Am wird das Katastrophengebiet rund um Fukushima von einem neuen Beben heimgesucht. Doch nachdem die Regierung schliesslich offiziell den Evakuierungsradius um das Atomkraftwerk Fukushima von 10 auf 20 Kilometer ausweitete, machten sich Tausende Japaner auf die Flucht. Arbeiter wagen sich zum ersten Mal seit dem Erdbeben in den Unglücksreaktor 1 des AKW Fukushima. Tepco gibt bekannt, dass eine Arbeiterin im Atomkraftwerk Fukushima eine zu hohe Strahlendosis abbekommen hat. Arbeiter räumen das Gelände um das AKW mit ferngesteuerten Maschinen. Roboter haben in zwei Reaktorblöcken des japanischen Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi hohe Radioaktivität gemessen. Das Mineral Zeolith soll Radioaktivität aus dem verseuchten Meerwasser absorbieren. Die EU-Kommission lässt die Staaten künftig alle Schiffe aus Japan auf radioaktive Strahlung untersuchen. Auf dem Gelände des schwer beschädigten japanischen Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi brach ein Feuer aus. Betreiber Tepco erklärte, das Feuer in der Nähe von Reaktor 4 sei klein gewesen und rasch gelöscht worden. Es habe keine Auswirkungen auf die Arbeiten zur Kühlung der Reaktoren gehabt. Gleichzeitig stuft Japan das Atomunglück von Fukushima nun offiziell als ebenso schwer ein wie das Reaktorunglück in Tschernobyl - auf der höchsten Stufe 7. Die Menge der Radioaktivität, die aus dem Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi ausgetreten sei, entspreche etwa zehn Prozent der Menge, die in Tschernobyl freigesetzt worden sei. In der Atomruine von Fukushima kämpften die Arbeiter weiterhin gegen den drohenden Super-GAU. Sie begannen damit, eine Barriere aus Stahlplatten zu errichten. Damit soll verhindert werden, dass stark radioaktiver Schlamm sich im Meer ausbreitet. Neue Bilder zeigen, mit welcher Gewalt die Tsunami-Welle das AKW traf. Das Atomkraftwerk war beim Erdbeben der Stärke 9,0 und dem Tsunami schwer beschädigt worden. Der Eingangsbereich der Tepco wird von der Welle komplett zerstört. Ähnlich sieht es in den Büroräumen aus. Nach dem tagelangen Auslaufen von stark radioaktiv verseuchtem Wasser ist das Leck an einer Leitung des japanischen Atomkraftwerks Fukushima endlich behoben worden. Dieses Bild wurde vor den Reparaturarbeiten gemacht: Durch den Riss waren in den letzten Tagen grosse Mengen radioaktiv verseuchten Wassers ins Meer gelaufen. Das Wasser stammte von den Kühlarbeiten am Reaktordruckbehälter, das sich im Untergeschoss des an den Reaktor angrenzenden Turbinengebäudes gesammelt hatte. Im AKW Fukushima-Daiichi wird weiter radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer gepumpt. Nach Ansicht von US-Experten stellt dies jedoch keine grosse Gefahr für Meerestiere dar. Weil die Radioaktivität sehr schnell im Ozean verdünnt werde, sei auch der Verzehr von Meerestieren wenig bedenklich. : Zwei Arbeiter des AKWs Fukushima werden tot aufgefunden. Sie waren Opfer des Tsunamis. Mit einer schwimmenden Insel soll das auslaufende, radioaktive Wasser wieder eingefangen werden. : Die Lage im AKW Fukushima verschlimmert sich: Aus dem AKW läuft radioaktives Wasser ins Meer. Der Riss in Reaktor 2 soll 20 Zentimeter lang sein. Ein Tepco-Mitarbeiter zeigt auf die Stelle. Arbeiter in Fukushima putzen ein US-Schiff. Mit dem Boot wurde sauberes Süsswasser nach Fukushima transportiert, dass zur Kühlung der Reaktorblöcke eingesetzt wird. Nach eigenen Strahlungsmessungen im Umkreis des havarierten Atomkraftwerks Fukushima 1 hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace eine Evakuierung der gesamten Region empfohlen. Ein Mitarbeiter des Organisation misst in der Stadt Iitate einen Wert von 7.66 Mikrosievert. «Es ist für die Menschen eindeutig nicht sicher, in Iitate zu bleiben, vor allem für Kinder und schwangere Frauen. Sie könnten die maximal zulässige jährliche Strahlendosis in nur wenigen Tagen abbekommen», sagt Jan van de Putte, Strahlenexperte von Greenpeace. Im Meerwasser vor dem Unglücksreaktor wurde eine sehr hohe Konzentration von radioaktivem Jod entdeckt. Die Radioaktivität habe das 3355-Fache des zulässigen Wertes erreicht, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo. Tepco-Chef Masataka Shimizu musste wegen Bluthochdrucks und Schwindelgefühls ins Spital gebracht werden. Shimizu ist zwei Tage nach der Katastrophe von der Bildfläche verschwunden. Aus dem beschädigten japanischen Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi tritt offenbar weiterhin hochgiftiges Plutonium aus. Das Schwermetall sickert ins Erdreich ein. In Reaktor 2 hat es nach Einschätzung der japanischen Regierung eine vorübergehende teilweise Kernschmelze gegeben. Reaktor 3 ist schwer beschädigt. Die Strahlung in Reaktorblock 2 ist zudem zehn Millionen Mal höher als normal. Die Messarbeiten wurden abgebrochen und die Arbeiter abgezogen. Die Szene ist apokalyptisch: Die japanischen Selbstverteidungskräfte haben am 23. März um 12.55 Uhr eine Stunde lang einen Helikopterflug über dem havarierten AKW Fukushima gemacht. Beim Reaktor 2 steigt Wasserdampf aus einer Öffnung. Der fünfminütige Zusammenschnitt wurde am 25. März im japanischen Staatsfernsehen NHK gezeigt. Es ist das erste Mal, dass die Selbstverteidungskräfte Bilder des AKW Fukushima veröffentlichten. In Block 3 der Anlage «könnte etwas beschädigt worden sein». Daten deuteten darauf hin, dass «gewisse Funktionen der Sicherheitshülle» noch erhalten seien. Im benachbarten Turbinengebäude des Reaktorblocks 3 waren drei Arbeiter einer 10 000fach erhöhten Radioaktivität ausgesetzt gewesen. Dies deutet entweder auf eine partielle Kernschmelze mit einer Beschädigung des Reaktorbehälters hin oder auf eine Überhitzung des Abklingbeckens für abgebrannte Kernbrennstäbe. Der Schaden könnte auch an anderen Teilen entstanden sein, etwa an Rohrleitungen ... ... oder dem Abklingbecken, erklärten Behördenvertreter. Drei Techniker, die im AKW Fukushima verstrahlt worden sind, standen bei ihrem Einsatz in Wasser, das nach Angaben der Betreibergesellschaft Tepco eine zehntausendfach erhöhte Radioaktivität aufwies. Zwei der drei Arbeiter wurden mit Verbrennungen in eine Spezialklinik eingeliefert. Die Männer hatten im Tiefgeschoss eines Turbinengebäudes von Block 3 gearbeitet. Dabei hatten sie keine Schutzstiefel an, so dass ihnen das radioaktiv belastete Wasser in die Schuhe lief. Das Video entstand gut 40 Minuten, nachdem die Welle auf Land getroffen war. Neben dem beschädigten Kraftwerk sind die Auswirkungen der Naturkatastrophe in der Präfektur Miyagi zu sehen. Ein Regionalbüro des japanischen Transportministerium hat die Bilder am 23. März veröffentlicht. Während Arbeiter versuchen, die Stromversorgung in allen Reaktoren des schwer beschädigten Atomkraftwerks Fukushima wieder herzustellen, wird die japanische Bevölkerung zum Spenden aufgerufen. Dieses Mädchen dürfte sich allerdings kaum bewusst sein, dem japanischen Sumo-Grossmeister Hakuho gegenüberzustehen. Abgefülltes Trinkwasser wird langsam, aber sicher knapp: Die Bevölkerung getraut sich nicht mehr, Leitungswasser zu trinken. Einblicke in den zentralen Kontrollraum des AKWs Fukushima I. Diese Fotos wurden am 23. März veröffentlicht. Offenbar geht nicht mehr viel. Die Arbeiter hantieren mit Taschenlampen. Die Bilder zeigen, unter was für schwierigen Bedingungen gearbeitet werden muss. Der Besitzer eines Tierladens in der japanischen Grossstadt Sendai bringt einen Schweinswal in Sicherheit. Er schwamm seit dem Tsunami in einem Reisfeld. Die Mitarbeiter des Kontrollraums von Reaktor 3 sind in Sicherheit gebracht worden. Derzeit versuchen die Rettungskräfte, die Reaktoren und verbrauchten Brennstäbe zu kühlen. Über Reaktor 3 des AKW von Fukushima stieg schwarzer Rauch auf. Im Atomkraftwerk Fukushima 1 droht immer noch eine Kernschmelze. Die aus den beschädigten Reaktoren austretende radioaktive Strahlung erschwert zunehmend das Krisen-Management der Betreibergesellschaft Tepco. Kleinkinder und Säuglinge sollen in Tokio kein Leitungswasser mehr trinken. Im Wasser seien erhöhte Werte von radioaktivem Jod festgestellt worden, sagte ein Sprecher der Stadtregierung. Zudem ordnete Ministerpräsident Naoto Kan einen Lieferstopp für Broccoli und das japanische Gemüse Komatsuna aus der Region Fukushima sowie für Rohmilch und Petersilie aus der Präfektur Ibaraki an. Alle sechs Meiler des Atomkraftwerks haben zum ersten Mal seit der Erdbeben-Katastrophe vor eineinhalb Wochen wieder eine Verbindung zum Stromnetz. Doch wirklich entspannt ist die Lage nicht. Die zwei beschädigten Atomkraftwerke in Fukushima sind nach Angaben des Betreibers von einer 14 Meter hohen Flutwelle getroffen worden. Das sei mehr als doppelt so hoch, wie Experten bei der Planung der Anlagen erwartet hatten. Nach Angaben von Tepco sei die Anlage Fukushima 1 auf einen Tsunami von 5,70 Metern ausgelegt worden, ... ... Nummer 2 für eine Höhe von 5,20 Metern. Aus Block 3 ist erneut weisser Rauch ausgetreten. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo stieg zudem über Block 2 weisser Dampf aus. Die Einsatzkräfte und Arbeiter wurden in Sicherheit gebracht. Aus den Reaktoren 2 und 3 beim AKW Fukushima I ist Rauch ausgetreten. Die Ursache blieb unklar. Die austretende Radioaktivität belastet zunehmend die Landwirtschaft in der Umgebung des beschädigten Atomkraftwerks. Die japanischen Behörden riefen Bauern und Molkereien der Region dazu auf, freiwillig darauf zu verzichten, verstrahlte Lebensmittel und Milch in den Handel zu bringen. Bei Spinat aus der Stadt Hitachi, mehr als 100 Kilometer südlich des Atomkraftwerks, wurde in einem Fall ein Jod-131-Wert von 54 000 Becquerel pro Kilogramm festgestellt. Bei Cäsium wurden 1931 Becquerel gemessen. Panzer in Fukushima. Sie sollen am Montag dabei helfen, Trümmer beim AKW wegzuräumen. Die Trümmer beim AKW (Bild vom 18. März) stehen der Feuerwehr im Weg und behindern sie beim Löscheinsatz. Pressekonferenz der Feuerwehr: Hauptmann Yasuo Sato (Mitte) mit Toyohiko Tomioka (links), dem Führer der 6. Einsatzgruppe, und Yukio Takayama, der die 8. Einsatzgruppe befehligt. (19. März, Abend) Feuerwehrmänner riskieren ihr Leben, um den hochgefährlichen Plutoniumreaktor 3 des AKW Fukushima 1 zu kühlen. Die Feuerwehr bei ihrem Einsatz zur Kühlung des Reaktors 3. Die Feuerwehrleute unterwegs zu ihrem gefährlichen Auftrag. Mit ähnlichen Löschfahrzeugen wie diesem der japanischen Armee sprühen die Feuerwehrmänner Wasser auf die Reaktoren. Satellitenaufnahme des havarierten Atomkraftwerks vom 18. März. Das japanische Wissenschaftsministerium hat die neuesten Messwerte aus der Nähe der Sperrzone veröffentlicht. 30 Kilometer nordwestlich von Fukushima I sind Strahlenwerte von bis zu 140 Mikrosievert pro Stunde gemessen worden. Zum Vergleich: Ein Astronaut im Weltraum nimmt (nur) 10 Mikrosievert pro Stunde auf. Aus einem der beschädigten Reaktoren im japanischen Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi steigt weisser Rauch auf. Auf zwei Arten versuchen Techniker den Super-GAU im Atomkraftwerk Fukushima zu verhindern: Bei den Blöcken 1 und 2 soll eine neu verlegte Stromleitung das Kühlsystem wieder zum Laufen bringen. Die Reaktoren 3 und 4 werden mit Wasserwerfern von aussen gekühlt. Ein Video vom Flug über das havarierte AKW Fukushima I zeigt inzwischen das Ausmass der Zerstörung. Das Video wurde an Bord eines Helikopters gemacht und am 17. März 2011 von der japanischen Zeitung «Asahi Shinbun» im Internet veröffentlicht. Dabei besonders beeindruckend: Im Block 4 liegt das Atom-Becken völlig frei. Ein hoher Vertreter der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Graham Andrew, bestätigte in Wien, die Lage sei weiter «sehr ernst». Brennstäbe in zwei Reaktoren seien nur zur Hälfte mit Wasser bedeckt, ... ... in einem dritten nur zu einem Drittel. Ein Helikopter des Typs Chinook CH-47 lädt Meerwasser, um es über dem AKW abzuwerfen. Am Morgen haben die japanischen Streitkräfte vor allem versucht, Reaktor 3 zu kühlen. Dieser Mann weint vor den Trümmern seines Hauses in Onagawa. Der Leichnam seiner Mutter liegt noch unter dem Schutt begraben. 50 Techniker kämpfen im AKW Fukushima 1 gegen den Super-Gau. Ihren Einsatz, für den sie als Helden gefeiert werden, dürften sie mit ihrem Leben bezahlen. Der Versuch mit Wasserabwürfen von einem Helikopter aus Reaktor 3 zu kühlen, musste abgebrochen werden. Sowohl Reaktor 4 als auch Reaktor 3 hatten zuvor Feuer gefangen. Zudem wurde in Block 3 womöglich die wichtige innere Reaktorhülle beschädigt. Dieses von der Betreiberin Tepco veröffentlichte Bild zeigt auch ein grosses Loch in der Aussenhülle von Reaktor 4. Das Fernsehen zeigte Bilder, wie stundenlang eine dichte weisse Rauchwolke von der Anlage aufstieg. Die Radioaktivität ist im Kontrollraum von Reaktor 4 des AKW Fukushima 1 offenbar so hoch, dass dort nicht mehr normal gearbeitet werden kann. Die französische Nuklearsicherheitsbehörde stuft die atomare Katastrophe in Fukushima inzwischen mit der Stärke 6 ein. Insgesamt gibt es 7. Die Katastrophe von Tschernobyl hatte auf der Skala die Stufe 7 erreicht. In der Nähe von Tokio stieg die radioaktive Belastung auf das zehnfache Niveau der üblichen Strahlung. Zudem hat der Wind nach Südwesten gedreht: Die radioaktive Wolke treibt nicht mehr aufs offene Meer, sondern aufs Festland. Ministerpräsident Naoto Kan erklärte, dass in Reaktor 4 der Atomanlage ein Feuer ausgebrochen sei, dort sei zudem eine «deutlich erhöhte» Radioaktivität gemessen worden. Gleichzeitig rief er einen Strahlungsalarm aus. Seine Regierung warnte vor einer «Gesundheitsgefährdung» und ... ... forderte Menschen ausserhalb der evakuierten Zone bis zu einem Umkreis von 30 Kilometern auf, in ihren Häusern zu bleiben. Der Kampf um das Atomkraftwerk Fukushima I hält die Welt in Atem: In drei Reaktoren droht eine Kernschmelze. Laut japanischer Regierung soll, wie bereits zwei Tage zuvor, Wasserstoff explodiert sein. Im Block 2 ragten die Brennstäbe am Abend aus dem Wasser heraus, nachdem es zu Problemen mit einem Ventil gekommen war. Probleme mit der Kühlung gibt es auch im rund zwölf Kilometer entfernten AKW Fukushima II. Am Haupttor des AKW wird eine erhöhte Radioaktivität von 3130 Mikrosievert gemessen. Dies sei doppelt so hoch wie der zuvor gemessene Höchstwert. Deshalb werden die Menschen im Umkreis von 20 Kilometern auf Verstrahlung überprüft. Die Regierung liess Jod-Tabletten verteilen, die die Folgen einer Verstrahlung mildern können. Anwohner kommen zu einer provisorischen Strahlenmessstation in der Stadt Koriyama, um sich untersuchen zu lassen. Ältere Leute, Schulkinder und Familien mit Babies flüchten in Evakuierungszentren. Wegen den schlechten Verbindungen besteht ein Mangel an Informationen aus erster Hand. Die Küstengebiete sind von Erdbeben und Flutwelle verwüstet. Die radioaktive Strahlung hat in Fukushima die Höchstwerte überschritten. Die Regierung warnt bereits vor einer möglichen weiteren Explosion. Am hatte sich im Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi eine Explosion ereignet. Das Reaktorgebäude wurde dabei zerstört: Aussenwände und das Dach stürzten ein. Während die Regierung erklärte, es habe offenbar Schäden am unteren Teil der Hülle gegeben, teilte die Behörde für Atomsicherheit wenig später mit, anscheinend gebe es keine Löcher. Die Behörden befürchten, in der Atomanlage könnte es zu einer Kernschmelze kommen.

Zum Thema
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Die dramatische Lage im japanischen Kernkraftwerk Fukushima 1 ist auch für die Schweizer Landesregierung ein Thema. Der Bundesrat hat am frühen Mittwochnachmittag eine Sondersitzung abgehalten. Der Bundesrat wolle alle möglichen Szenarien in Japan und deren Auswirkungen auf die Schweiz in Erwägung ziehen, um im Ernstfall die nötigen Schritte zu veranlassen, sagte Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey vor den Medien in Bern. Derzeit bestünde keine gesundheitliche Gefährdung für die Schweizer. Es sei kein Anstieg der Radioaktivität feststellbar. Massnahmen müssten keine ergriffen werden.

Das Bundesamt für Gesundheit rät insbesondere davon ab, Jodtabletten zu beschaffen. Die Vorräte in der Schweiz seien ausreichend und könnten im Notfall an die Bevölkerung verteilt werden. Ab Donnerstag nimmt der ABCN-Ausschuss des Bundesstabs seine Arbeit auf. Dieser könnte bei einem drohenden Anstieg der Strahlenbelastung Alarm auslösen. Der Bundesrat lässt sich zudem regelmässig von der Nuklear-Aufsichtsbehörde ENSI informieren.

Calmy-Rey zeigte sich von den Ereignissen bewegt und sprach ihre Solidarität mit Japan aus. Der Bundesrat sei beunruhigt über die Entwicklung der Ereignisse.

Gelände kontaminiert

«Die Lage in Japan ist sehr kritisch», sagte ENSI-Chef Hans Wanner vor den Medien. Die Strahlenbelastung in der Umgebung der Anlage Fukushima 1 sei sehr hoch. Noch in 20 Kilometern Entfernung könne eine signifikante Strahlung gemessen werden. In einer halben Stunde würde der Jahresgrenzwert für Menschen erreicht. Die Arbeitsbedingungen für das Personal seien extrem schwierig. Das Gelände der Atomanlage sei stark kontaminiert. Wenn es in den nächsten zwei bis drei Tagen nicht gelinge, die Blöcke 3 und 4 wieder zu kühlen, trockneten die Becken aus, sagte Wanner. Dann würde Radioaktivität in grossen Mengen austreten.

Auf Schweizer Todesopfer in Japan gibt es keine Hinweise, sagte Calmy-Rey. Von den 1890 gemeldeten Schweizer in Japan konnten 1592 kontaktiert werden. Mit allen 105 im vom Tsunami stark betroffenen Nordosten ansässigen Schweizern konnte Kontakt aufgenommen werden. Die Kommunikation im Land sei jedoch wegen der zerstörten Infrastruktur und unterbrochenen Leitungen sehr schwierig. Insbesondere den Schweizern im Nordosten und im Grossraum Tokio/Yokohama rät das Aussendepartement EDA, die Gebiete zu verlassen.

Seit Mittwoch verteilt die Schweizer Botschaft in Japan an Schweizer Jodtabletten. Noch seien Flugkapazitäten zur individuellen Ausreise vorhanden, sagte Calmy-Rey. «Das EDA hält sich bereit, umgehend Charterflüge einzusetzen, um Schweizer zu repatriieren.» Von nicht dringenden Reisen nach Japan rät das Aussendepartement EDA ab.

Bundesrat unterstützt Massnahmen

Bereits am Montag hatte Energieministerin Doris Leuthard angeordnet, die Sicherheit der bestehenden Schweizer AKW zu überprüfen sowie die Rahmenbewilligungsgesuche für neue Kernkraftwerke zu sistieren, bis die Erkenntnisse aus den Ereignissen in Japan vorliegen. Vor den Medien schloss sie auch eine Schliessung älterer AKW nicht aus. Der Bundesrat unterstützt diese Vorsichtsmassnahmen.

Das Bundesamt für Energie hat zudem den Auftrag erhalten, drei Szenarien zu erarbeiten: eines für den kompletten Ausstieg, eine Weiterführung wie bisher sowie eine Art Mittelweg.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marlis am 17.03.2011 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    CH - Hilfs - Wirtschaft fördern

    Nestle ist jetzt gefragt, und sollte Pulver-Milch und andere Nahrungsmittel für das leidgeprüfte Japan fördern. So könnte auch die CH-Bauerwirtschaft wieder aufgewertet werden. Die eine Hand wäscht die andere.

  • Steff am See am 17.03.2011 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    Strom haben

    Es wäre schon länger Zeit sich klarer mit dem Energiehaushalt auseinander zusetzen.Gerade der Bundesrat hätte die Aufgabe wahr nehmen sollen schon in der Schulausbildung besser über die Art und Weise der Stromproduktion zu informieren.Statt dessen lernen die Schüler in der Primarschule drei Sprachen und sind schlecht in deutsch.Aber deutsch und deutlich gesagt bekommen,was Sache ist,bekommt niemand.

  • axel g. am 16.03.2011 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    Lagerbecken

    Man liest, die Lagerbecken der Kernkraftwerke in Japan seien so gefährlich wie der Reaktor. Falls solche auch in der Schweiz existieren, so sollten sie wohl ebenfalls in die nun angekündigten Sicherheitstests einbezogen werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marlis am 17.03.2011 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    CH - Hilfs - Wirtschaft fördern

    Nestle ist jetzt gefragt, und sollte Pulver-Milch und andere Nahrungsmittel für das leidgeprüfte Japan fördern. So könnte auch die CH-Bauerwirtschaft wieder aufgewertet werden. Die eine Hand wäscht die andere.

  • Steff am See am 17.03.2011 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    Strom haben

    Es wäre schon länger Zeit sich klarer mit dem Energiehaushalt auseinander zusetzen.Gerade der Bundesrat hätte die Aufgabe wahr nehmen sollen schon in der Schulausbildung besser über die Art und Weise der Stromproduktion zu informieren.Statt dessen lernen die Schüler in der Primarschule drei Sprachen und sind schlecht in deutsch.Aber deutsch und deutlich gesagt bekommen,was Sache ist,bekommt niemand.

  • maeder1 am 16.03.2011 19:27 Report Diesen Beitrag melden

    ABSCHALTEN...

    ABSCHALTEN!!! Ich beziehe auch nur noch 100% Wasserkraftwerks-Strom von der Gemeinde nebenan. Die kWh kostet auch nur minim mehr...

  • axel g. am 16.03.2011 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    Lagerbecken

    Man liest, die Lagerbecken der Kernkraftwerke in Japan seien so gefährlich wie der Reaktor. Falls solche auch in der Schweiz existieren, so sollten sie wohl ebenfalls in die nun angekündigten Sicherheitstests einbezogen werden.

  • Peschä am 16.03.2011 18:17 Report Diesen Beitrag melden

    Flucht nach vorn

    Wie wär's, wenn wir möglichst schnell mit der Planung von neuen AKWs mit verbesserten Sicherheitsvorkehrungen beginnen würden? Dann könnten wir die alten früher abschalten. Die Alternativen sind ökonomisch und ökologisch zuwenig ausgereift. Durch den Ausbau des öffentlichen Verkehrs, die Zunahme von Elektrofahrzeugen und die Einwanderung wird der Stromverbrauch trotz Sparmassnahmen weiter ansteigen.

    • Denkpause am 17.03.2011 11:51 Report Diesen Beitrag melden

      Nach mir die Sintflut?

      Schweizer Technologie ist nicht besser wie japanische. Auch neue Technologien sind in 20 Jahren alt und absolute Sicherheit gibt es nicht. Abschalten, Deinen Kindern, Enkeln, Urenkeln, Ururenkeln usw. zuliebe.

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